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Regional statt weit gereist

Heimisches Superfood kann locker mithalten

Wer exotisches Superfood auf dem Speiseplan stehen hat, sich aber nicht nur gesund, sondern auch klimabewusst ernähren möchte, sollte der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) zufolge auf regionale und saisonale Waren zurückgreifen. Denn: Es gibt auch heimisches Superfood und das ist meist mindestens so wertvoll – und den Exoten aus hygienischer, sozialer und ökologischer Sicht deutlich überlegen.
Katja Egermeier
02.09.2021  11:00 Uhr

Sich bewusst und gesund zu ernähren bedeutet heutzutage nicht mehr, allein auf die Inhaltsstoffe der Lebensmittel zu achten. Verbraucher legen inzwischen immer mehr Wert auf den ökologischen Fußabdruck ihrer Speisen. Wo wurde das Produkt produziert? Hat es einen langen Transportweg hinter sich? Stammt es aus nachhaltigem Anbau?

In diesem Zusammenhang müssen die sogenannten Superfoods ins Visier genommen werden. Denn nicht wenige erhoffen sich durch die weit gereisten Chiasamen, Goji-Beeren und Co. eine Extraportion Gesundheit, Fitness und ein gestärktes Immunsystem – erst recht mit Blick auf die Corona-Pandemie. Doch die wenigsten Superfoods stammen der DGEM zufolge aus nachhaltigem Anbau, ob mit oder ohne Bio-Label. Dabei gebe es gute Alternativen direkt aus der Heimat.

Verarbeitet und belastet

Unbestritten ist aus Sicht der Fachgesellschaft, dass Superfoods aus fernen Ländern Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe liefern. Man finde sie jedoch häufig in hoch verarbeiteten Lebensmitteln. So gebe es beispielsweise Superfood-Müsliriegel mit Açai oder Quinoa oder etwa Toastbrot mit Chiasamen. Anbieter stellten den Gesundheitswert von Superfoods aus fernen Ländern gerne heraus, kritisiert Professorin Anja Bosy-Westphal, Präsidentin der DGEM. »Ein hoch verarbeitetes Lebensmittel, das exotische Superfoods enthält, ist jedoch noch kein ernährungsphysiologisch günstigeres.«

»Weißmehl-Toast bleibt Weißmehl-Toast, ob mit oder ohne Chia.«
Professor Dr. oec. troph. Dr. med. Anja Bosy-Westphal, Präsidentin der DGEM

Das gesunde Image der exotischen Superfoods werde zudem dadurch geschmälert, dass diese mit Pestiziden, Schwermetallen wie Blei, aromatischen Kohlenwasserstoffen, Schimmelpilzen oder Salmonellen kontaminiert sein können, erklärt Bosy-Westphal. Im Vergleich mit tierischen Produkten wiesen pflanzliche Superfoods aus fernen Ländern zwar die bessere CO2-Bilanz auf, seien den heimischen Superfoods jedoch aus sozialer und ökologischer Sicht unterlegen. Wer also die Klimawirkung und die sozialen Folgen seiner Ernährung berücksichtigen möchte, solle häufiger auf heimische Superfoods zurückgreifen, rät Bosy-Westphal.

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