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Update zum Bluthochdruck

Hypertonie: Herz und Hirn unter Druck

Bei der Prävention und Therapie der Hypertonie liegt einiges im Argen. So wäre schätzungsweise die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle vermeidbar, wenn Bluthochdruck rechtzeitig erkannt und behandelt würde. Doch nur etwa die Hälfte der Betroffenen ist aus­reichend therapiert, die anderen wissen entweder nichts von ihrer Erkrankung oder erreichen trotz Medikation die Zielwerte nicht. Aufklärung verhilft zu einer optimalen Therapie. Ein Update.
Elke Wolf
15.02.2019  11:48 Uhr

Nach wie vor gibt es 20 bis 30 Millionen Hypertoniker in Deutschland, und die Krankheit bleibt Todesursache Nummer 1, wenn man berücksichtigt, dass der Druck in den Blutgefäßen hundert­tausendfach zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen führt. Bluthochdruck raubt in den Industrie­ländern mehr Lebensjahre als Rauch oder Alkoholmissbrauch, heißt es in einer­ Erhebung des Robert-Koch-In­s­tituts. Darüber hinaus erhöht Bluthochdruck bei Frauen im gebärfähigen Alter das Risiko von Fehlgeburten. Und eine in diesem Jahr im Journal of General ­Internal Medicine veröffentlichte ­Studie bestätigt, dass sich mit einer ausreichend medikamentösen Bluthochdruckbehandlung einer Demenz vorbeugen lässt.

Der Bevölkerung scheint indes die Bedeutung des Blutdrucks für die Prä­vention nur wenig bewusst zu sein. Während knapp zwei Drittel der Erwachsenen (65 Prozent) mit Mess­geräten oder Apps regelmäßig ihr Gewicht und ihre zurückgelegten Schritte pro Tag prüfen, kontrolliert nur jeder Fünfte regelmäßig seinen Blutdruck. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutschlandweite Befragung von 1000 Erwachsenen, die im Auftrag der Firma Braun durchgeführt wurde und auf die die Deutsche Hochdruckliga anlässlich des Welt Hypertonie Tages im Mai vergangenen Jahres hingewiesen hat.

140/90 mm Hg als Grenze

Was genau unter Bluthochdruck zu verstehen ist beziehungsweise ab welchen Werten er als behandlungsdürftig gilt, hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mehrfach gewandelt. Vor 50 Jahren hielt man es noch für akzeptabel, wenn der obere, systo­lische Wert bei 100 plus des jeweiligen Lebensalters liegt (bei einem 50-jährigen entspräche dies also 150 mmHg). Man nahm sogar an, dass das Gehirn zum Arbeiten einen gewissen Druck braucht, um ausreichend mit Blut versorgt zu sein. Heute ziehen Kardio­logen freilich weitaus niedrigere Grenzen. Doch wie niedrig als gesund gilt, darüber sind sich die Wissenschaftler weltweit nach wie vor nicht einig.

Die sogenannte Sprint-Studie 2015 und die daraufhin November 2017 ­veröffentlichten US-Leitlinien hatten mit ihrer Absenkung der Grenzwerte weltweit für Diskussionen gesorgt. Krank und somit therapiebedürftig ist jetzt dort, wer Blutdruckwerte ab 130/80 mgHg aufweist. Das hat erhebliche Auswirkungen: Nach Berechnungen des American College of Cardiology wird durch die neuen Grenzwerte in den USA der Anteil der Erwachsenen mit der Diagnose Bluthochdruck von 32 auf 46 Prozent steigen.

Die Frage war, ob auch die Europäer dem amerikanischen Beispiel folgen und die Grenzwerte in ihrer Leitlinie absenken. Das ist aber nicht der Fall. Die neue Leitlinie der europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie wurde im Spätsommer im European Heart Journal publiziert. Und sie sieht vor, Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von 140 mmHg systolisch und 90 mmHg diastolisch medikamentös zu behandeln.

Als optimal gelten derzeit nach Einteilung der European Society of Cardiology und der Deutschen Hochdruckliga Werte, die leicht unter 120/80 mmHg liegen, als normal gehen Werte von 120 bis 129/80 bis 84 mmHg durch. Werte von 130 bis 139/85 bis 89 mmHg werden als »hochnormal« bezeichnet und müssen erstmal nicht medikamentös gesenkt werden, es sei denn, es liegt ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko vor. Eine therapeutische Intervention sollte ab Werten von 140/90 mmHg erfolgen, dann liegt eine arterielle Hypertonie Grad eins, ein milder Bluthochdruck, vor. Eine mittlere Hypertonie (Grad II) beginnt ab einem Wert von 160/100 mmHg, ein schwerer Bluthochdruck (Grad III) ab 180/110 mmHg.

»Bei uns bleibt 140/90 mmHg die »rote Linie«. Erst ab da muss der Blutdruck medikamentös gesenkt werden. Lebensstilmaßnahmen zur Blutdrucksenkung werden aber bereits bei hochnormalen Blutdruckwerten empfohlen. Hierzulande haben es die Menschen selbst in der Hand, durch ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und Gewichtsabnahme ihren Blutdruck zu senken. Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen und der Blutdruck über den Rote-Linie-Wert steigt, sollten ­zusätzlich medikamentöse Blutdrucksenker eingesetzt werden«, kommentiert Professor Dr. Peter Trenkwalder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga/Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, die europäische Blutdruck-Leitlinie in einer Pressemitteilung.

Was konkrete Maßnahmen zur ­Änderung des Lebensstils betrifft, ist bei der hiesigen aktualisierten Leitlinie im Großen und Ganzen alles beim ­Alten geblieben: Für alle Patienten gilt, den Salz- und Alkoholkonsum zu reduzieren, sich generell gesund, am besten mediterran zu ernähren, eine Gewichtsreduktion, wenn der BMI > 30 kg/m2 liegt, Bewegung und Rauchstopp. ­Allein der Hinweis, Komasaufen zu vermeiden, ist neu; allerdings nur als ­Klasse IIIC-Empfehlung.

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