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Biologicals

Hightech-Arzneimittel bei Rheuma

Biologicals haben durch ihre enorme Wirksamkeit einen wichtigen Stellenwert in der Therapie der rheumatoiden Arthritis. Nicht umsonst sind drei TNF-Inhibitoren unter den zwanzig weltweit umsatzstärksten Medikamenten. Was können diese hochspezialisierten Arzneimittel?
Ilse Zündorf
15.10.2021  16:00 Uhr

Eigentlich sollten die Zeiten vorbei sein, in denen Rheumapatienten durch die Entzündungsreaktionen in den Gelenken mit deformierten Händen oder Füßen stigmatisiert sind. Denn inzwischen stehen genügend potente Wirkstoffe zur Verfügung, die nach einer rechtzeitigen Diagnose der Krankheit die Entzündung so gut unterdrücken, dass eine Zerstörung der Gelenke verhindert und so die Funktion erhalten bleibt. 

Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie leiden etwa 0,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter rheumatoider Arthritis. Das entspricht 550.000 Menschen. Jährlich kommen pro 100.000 Personen rund 20 bis 40 Neuerkrankungen hinzu, die vor allem im Alter zwischen 50 und 70 Jahre auftreten. Inzwischen sind bestimmte Gene bekannt, die genauso wie Rauchen und Übergewicht die Wahrscheinlichkeit erhöhen, irgendwann unter entzündlichem Gelenkrheuma zu leiden. Außerdem sind Frauen ungefähr doppelt bis dreimal häufiger davon betroffen als Männer.

Mittlerweile ist recht gut bekannt, wie es letztlich zu Rheuma kommt: Das eigene Immunsystem richtet sich gegen die Innenhaut der Gelenke und zerstört sie. Infolgedessen kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die sich in einer schmerzhaften Schwellung und Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks zeigt. Dann ist es höchste Zeit, etwas dagegen zu tun! Die biochemischen Prozesse, die bei dieser Autoimmunerkrankung ablaufen, sind heutzutage sehr gut aufgeklärt und verschiedene Zytokine und Immunzellen sind identifiziert, die eine Schlüsselrolle in der Krankheitsentstehung einnehmen. Gegen diese Zielstrukturen richten sich auch die verschiedenen Wirkstoffklassen.

Allerdings ist das Netzwerk aus Signalmolekülen und beteiligten Zellen relativ komplex und es gibt verschiedene Ansatzpunkte für die Therapie. Vor mehr als zwanzig Jahren kam mit Infliximab (Remicade®) der erste rekombinant hergestellte monoklonale Antikörper auf den Markt, der das wichtige, zentrale Entzündungssignal des Körpers, den Tumornekrosefaktor TNF, abfängt. Kurze Zeit später folgten dann noch einige andere dieser sogenannten Biologicals, also gentechnisch in Zellkulturen hergestellte Proteinwirkstoffe für die Rheumatherapie. Wichtig: Diese Medikamente werden nicht beim ersten Verdacht auf eine rheumatische Entzündung verordnet. Vielmehr sind sie eine Therapieoption für den Fall, dass der Patient nicht auf die niedermolekulare Standardmedikation anspricht. Bei ungünstiger Prognose und hoher Krankheitsaktivität kann das gemäß der aktuellen Therapieleitlinie jedoch bereits nach 24 Wochen der Fall sein.

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