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Medikamente, Reinigungsmittel und Pflanzen

Hilfe rund um die Uhr beim Giftnotruf 

Eine befürchtete Pilzvergiftung, fehlende Tabletten oder ein Kind, das Duschgel probiert hat: Mit diesen und ähnlichen Sorgen ist man bei der Giftnotrufzentrale gut aufgehoben. 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr stehen Experten beratend zur Seite und können häufig schnell Entwarnung geben.
Carina Steyer
22.03.2021  15:45 Uhr

Acht Giftnotruf- und Giftinformationszentralen gibt es in Deutschland. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) erfassen sie rund 250.000 Vergiftungen und Verdachtsfälle pro Jahr. Je nach Zentrum stammt etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Anfragen von Privatpersonen. Ein weiterer großer Teil der Beratungen entfällt auf Kliniken, die Patienten mit akuten Vergiftungen behandeln und Unterstützung in Diagnostik und Therapie benötigen. Da es sich hierbei oft um komplizierte und dementsprechend zeitaufwendige Fälle handelt, werden diese seit 2014 in Rechnung gestellt. Die restlichen Anrufe verteilen sich auf medizinisches Personal wie niedergelassene Ärzte oder Rettungsdienste, aber auch Apotheken, Gesundheitsbehörden oder Kinderbetreuungseinrichtungen rufen an. Für sie ist die Beratung, ebenso wie für Privatpersonen, kostenlos. Da es in Deutschland keine tiermedizinischen Giftinformationszentren gibt, steht der Giftnotruf zudem auch Tierbesitzern und Veterinärmedizinern offen.

Ob Mensch oder Tier: Ziel der Vergiftungsberatung ist es, eine möglichst genaue Risikoeinschätzung und Therapieempfehlung zu geben. Dafür greifen die Experten zum Beispiel auf medizinische, pharmazeutische und toxikologische Datenbanken oder Datenbanken mit Rezepturmeldungen der Industrie zurück. Für die Bestimmung von Pilzen können ehrenamtliche Pilzsachverständige kontaktiert werden, bei unbekannten Pflanzen werden mitunter Gärtner um Rat gefragt.

Vergiftungs-Top 3

Eine systematische Erfassung aller Vergiftungen in Deutschland findet nicht statt. Ärzte melden diagnostizierte Vergiftungen an das BfR, die Giftnotruf- und Giftinformationszentralen werten ihre erhobenen Daten eigenständig aus. Nach dem Chemikaliengesetz sind sie jedoch dazu verpflichtet, Häufungen oder Trends von Vergiftungsunfällen an das BfR zu melden. Sie fungieren damit als eine Art »Trendbarometer« und spielen eine wichtige Rolle im Verbraucherschutz.

Rückschlüsse auf das Vergiftungsgeschehen in Deutschland lassen sich aus den Jahresberichten der Giftnotruf- und Giftinformationszentralen ziehen. Hier zeigt sich, dass Arzneimittel, Haushaltsreiniger und Pflanzen die ersten drei Plätze im Vergiftungsgeschehen belegen.

Rund 12.800 Anrufe zu Medikamenten hat allein die Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn 2019 gezählt. Besonders häufig wurde bei Erwachsenen von Verdachtsfällen oder Vergiftungen mit Psychopharmaka oder Analgetika berichtet. Bei Kindern waren es Analgetika gefolgt von Antitussiva. Fast gleichauf mit Wasch- und Reinigungsmitteln (5698 Anfragen) liegen Pflanzen (5144 Anfragen). Zählt man zu den Wasch- und Reinigungsmitteln noch Kosmetika und weitere Haushaltsmittel hinzu, wurden fast 12.000 Anrufe erfasst. Um welche Substanzen es sich dabei besonders häufig handelt, schlüsselt das Gemeinsame Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ) auf. Demnach liegen bei Kindern Geschirrspülmittel, bei Erwachsenen die Entkalker ganz vorne. Bei den Pflanzen erfolgten in den vergangenen zehn Jahren die meisten Anrufe aufgrund der Eibe. Danach rangieren Anfragen zu Herbstzeitlosen, Bärlauch und Maiglöckchen.

Auf Anfragen bezüglich Pilze entfallen laut der Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn nur 2 Prozent der Meldungen. Sie unterliegen typischen saisonalen Schwankungen. Vor allem im Spätsommer und Herbst suchen viele Menschen Rat, wie die Vergiftungsstatistik des Giftinformationszentrum-Nord zeigt. Auch Vergiftungen mit anderen Nahrungsmitteln waren ebenso wie Vergiftungen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln, durch Drogen oder Tiere vergleichsweise selten. Anders als vielleicht vermutet, gehen Vergiftungen durch Tiere nicht von exotischen Haustieren aus. In den vergangenen zehn Jahren riefen die meisten Anrufer aufgrund der Kreuzotter an. Danach folgten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern Fragen zu Wespen, Spinnen, Bienen und Hornissen.

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