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Mehr Sonne, weniger Schlaf

Hilfe zur Selbsthilfe bei Winterdepression

Raus aus dem Bett

Zusätzlich sollten Betroffene dem Drang widerstehen, ihrer Müdigkeit nachzugeben. Angesichts des erhöhten Schlafbedürfnisses mag das zunächst komisch wirken, doch genau dazu rät der Experte. »Zu früh ins Bett gehen und längeres im Bett bleiben, das ist nicht gut. Selbst Liegenbleiben und Dösen wirkt schon ungünstig«, so Hegerl. Denn statt durch Lümmeln im Bett oder ein kurzes Mittagsschläfchen Kraft zu tanken, ist oft genau das Gegenteil der Fall. Tatsächlich profitieren viele Menschen mit Energie und einer besseren Stimmung, wenn sie sich aus den Federn zwingen.

In der Klinik ist nach diesem Prinzip ein ärztlich begleiteter Schlafentzug eine wirksame Therapieoption. Doch auch zu Hause können Betroffene selbst beobachten, ob bei ihnen ein Zusammenhang zwischen Bettzeit und Stimmung besteht. Dafür können sie beispielsweise eine kleine Grafik anlegen und auf einem Zeitstrahl für jeden Tag des Monats eine Spalte nach oben ziehen. Nun wird darauf von unten nach oben zwischen 1 und 10 mit einem kleinen Kreis eingetragen, wie die Stimmung und der Antrieb ist. Ein kleines Kreuz darauf markiert, wie lange man im Bett lag beziehungsweise geschlafen hat. Nach ein bis zwei Monaten kann man dann lernen, wie Schlaf beziehungsweise Bettzeit und Stimmung am nächsten Tag zusammenhängen, und ob man zu denjenigen gehört, bei denen eine lange Bettzeit mit größerem Erschöpfungsgefühl und Bedrücktheit einhergeht.

Hilfe zur Selbsthilfe fruchtet jedoch nur bei milden Symptomen. »Wenn die Winterdepression sehr schwer ist, muss mit dem Arzt überlegt werden, ob Antidepressiva sinnvoll sind«, erklärt Hegerl. Die Leitlinie empfiehlt neben der Lichttherapie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) als Mittel erster Wahl. Wirkstoffe wie Citalopram und Sertralin erhöhen die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt. Ihre stimmungsaufhellende Wirkung beginnt nach etwa zwei Wochen. Leider gibt es auch eine Reihe von Nebenwirkungen. So kann initial zum Beispiel Übelkeit auftreten. Da diese Nebenwirkung in der Regel innerhalb der ersten beiden Wochen wieder abklingt, lohnt es sich, Patienten in der Beratung zum Durchhalten zu motivieren.

Wird das eine Antidepressivum nicht gut vertragen, kann eine Umstellung auf ein anderes nötig sein. Auch sexuelle Funktionsstörungen wie Libidoverlust oder Ejakulationsstörungen können auftreten und in Einzelfällen sogar nach dem Absetzen fortbestehen. »Doch bei Aufzählen dieser und vieler anderer Nebenwirkungen wird vergessen, dass bei den allermeisten Patienten eine Medikation gefunden wird, die wirkt und gut vertragen wird«, erinnert Hegerl. Lösen Patienten ihr Rezept in der Apotheke ein, sollte das pharmazeutische Personal also versuchen, die Compliance zu stärken und keinesfalls Angst vor Unverträglichkeiten schüren.

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