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Hilfe zur Selbsthilfe bei Winterdepression

Komplexe Wechselwirkungen

Antidepressiva sind allgemein für zahlreiche Interaktionen bekannt. Dabei treten sowohl pharmakodynamische als auch pharmakokinetische Wechselwirkungen auf, die wiederum die therapeutische Wirkung oder aber das Risiko für Nebenwirkungen beeinflussen können. Dafür muss jeder Wirkstoff und jede einzelne Wechselwirkung differenziert betrachtet werden. Ist sie häufig oder selten? Ist sie überhaupt klinisch relevant? Welche weiteren Risikofaktoren liegen vor?

In der Selbstmedikation sollten Patienten beispielsweise mit Acetylsalicylsäure und Ibuprofen vorsichtig sein. Denn alle SSRI beeinflussen als Klasseneffekt die Thrombozytenaggregation, sodass bei häufiger Einnahme von NSAR das Risiko für Magenblutungen steigt. Als sehr schwerwiegende Wechselwirkung warnt die Apotheken-EDV vor der Kombination von SSRI mit serotonergen Arzneistoffen wie Triptanen. Glücklicherweise tritt das gefürchtete Serotonin-Syndrom aber so selten auf, dass es in der täglichen Praxis kaum eine Rolle spielt. Manch eine Arzneistoff-Kombination macht etwa auch eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung oder EKG-Kontrolle erforderlich, da einige SSRI das QT-Intervall verlängern.

Kurzum: Welche Behandlung die passende für einen Patienten ist, entscheidet der Arzt individuell. Dabei berücksichtigt er neben Begleiterkrankungen und -Medikation auch den Schweregrad sowie die genaue Symptomatik und kann die Therapie überwachen. Glücklicherweise benötigen nur die Wenigsten bei einer Winterdepression eine Pharmakotherapie. Diese kann auch mit Lichttherapie kombiniert werden.

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D, Selen oder Omega-3-Fettsäuren empfiehlt der Psychiater aufgrund fehlender Belege nicht – weder therapeutisch noch prophylaktisch. Patienten können dennoch viel in Eigenregie bewirken: »Aktiv bleiben, Sport machen, raus aus dem Bett, sich nicht zu früh hinlegen und besser kein Mittagsschläfchen!«, fasst er seine Tipps zusammen. Genügen diese Maßnahmen nicht, sollten Betroffene sich Hilfe holen und die behandlungsbedürftige Erkrankung nicht bagatellisieren. »Sie müssen vom Facharzt oder Hausarzt eine Diagnose stellen lassen«, mahnt Hegerl. »Denn liegt gar eine typische Depression vor, so ist das meist eine schwere, nicht selten lebensbedrohliche Erkrankung, die konsequent behandelt werden muss.«

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