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Eichenprozessionsspinner

Hochsaison für Raupenhaare

Juckreiz, Atemnot und Augenprobleme: Der Eichenprozessionsspinner verbreitet sich auch in diesem Sommer wieder in Deutschland – und mit ihm seine feinen Brennhärchen, die die Gesundheit erheblich beeinträchtigen können.
Katja Egermeier
02.07.2019
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Kommen Menschen oder auch Tiere mit den Brennhaaren der hier heimischen Schmetterlingsart in Hautkontakt, können Juckrreiz, Quaddeln oder Hautausschläge auftreten. Davor warnt nun die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und weist neben dem Risiko einer Raupendermatitis auch auf die Gefahr für Atemwege und Augen hin.

Eingeatmet können die Härchen Husten, Bronchitis oder Asthma auslösen, in die Augen gelangt für Rötungen, Juckreiz und Bindehautentzündungen sorgen. Auch generalisierte Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Fieber oder Schüttelfrost können – wenn auch selten – Symptome eines Kontaktes mit den Raupenhaaren sein.

Die Ursache dafür ist nach Angaben des Umweltbundesamts das Nesselgift Thaumetoporin auf den Härchen der Larven. Eine Raupe kann bis zu einer halben Million Brennhaare tragen. Die mit Widerhaken versehenen Härchen fallen bereits bei leichter Berührung von den Larven ab und können mit dem Wind große Entfernungen zurücklegen. Ein Risiko gehe dabei nicht nur von frischen Brennhaaren, sondern auch von in den Gespinstnestern zurückgelassenen Haaren aus, so das Bundesamt.

Bei Atem- und Augenproblemen zum Arzt

Bei einer Hautreizung empfiehlt Dr. Hannes Müller vom Geschäftsführenden Vorstand der Bundesapothekerkammer als erste Hilfe kühle Umschläge. »Bei starkem Juckreiz können rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke schnell helfen. Ich empfehle meinen Patienten eine Creme oder Gel mit Kortison und zusätzlich Antihistaminika in Tablettenform.« Probleme beim Atmen oder im Auge seien dagegen kein Fall für die Selbstmedikation mehr. »Dann verweisen wir Apotheker an einen Arzt«, so Müller.

Wie das Universitätsklinikum Münster (UKM) berichtet, mussten dort erstmals Härchen der Raupe durch einen operativen Eingriff aus den Augen mehrerer Patienten entfernt werden. Die Betroffenen hätten über eine Rötung des Auges, Fremdkörpergefühl, Tränen, Jucken und starke Schmerzen geklagt, sodass die  Entfernung der feinen Härchen durch eine komplizierte Operation notwendig geworden sei. Das sei in Deutschland erstmalig der Fall gewesen, erklärt Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik in einer Pressemeldung. Patienten, die sich in der Nähe von Eichenprozessionspinnern aufgehalten und plötzlich auftretende Augenprobleme wie eine Rötung, Schmerzen, tränende oder juckende Augen haben, sollten daher umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

Um sich von vornherein vor dem Eichenprozessionsspinner zu schützen, empfiehlt die ABDA, befallene Bäume – meist Eichen – oder Waldgebiete zu meiden. Ist das nicht möglich, solle möglichst viel Haut bedeckt werden und nach einem eventuellen Kontakt mit Raupenhaaren geduscht, die Haare gewaschen und mit einem Fön getrocknet werden. Die Kleidung solle umgehend gewechselt und bei 60 Grad gewaschen werden. Auch Autos, die in der Nähe eines befallenen Baums standen, sollten sorgfältig innen und außen gereinigt werden.

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