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Feuchtigkeitsbinder

Hyaluronsäure hat Karriere gemacht

Der Einsatz von Hyaluronsäure als Arthrose-Injektion, als Augen- und Nasentropfen sowie in dermatologischen Zubereitungen folgt dem Prinzip: ersetzen, was fehlt. Welche Indikation taugt zur Substitution?
Elke Wolf
14.09.2022  11:00 Uhr
Hyaluronsäure hat Karriere gemacht

Schon seit geraumer Zeit gilt Hyaluronsäure als Feuchtigkeitsspeicher Nummer 1 in unserem Körper. Als hochmolekulare, viskose Substanz, bestehend aus Glucuronsäure und N-Acetylglucosamin, dient sie nicht nur als Grundsubstanz des Stütz- und Bindegewebes, sondern übernimmt eine tragende Rolle im Glaskörper des Auges, der Nabelschnur, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. So besteht beispielsweise der Glaskörper des menschlichen Auges fast annähernd aus Wasser, das von nur 2 Prozent Hyaluronsäure gebunden wird.

Diese Wasserbindungsfähigkeit ist die Eigenschaft, die die Hyaluronsäure auszeichnet. Pro Gramm Eigengewicht kann sie ganze sechs Liter Feuchtigkeit aufnehmen. Mit zunehmendem Alter geht der natürliche Anteil von Hyaluronsäure im Körper zurück und Haut, Schleimhaut sowie Gelenkknorpel verlieren an Elastizität und Geschmeidigkeit.

Seit rund 50 Jahren verfolgen Ärzte nun die Idee, sich die hygroskopischen Eigenschaften dieses langkettigen, linearen Polysaccharids für die Arthrosetherapie zu Nutze zu machen. Dabei injizieren sie Natriumhyaluronat direkt in die betroffenen Gelenke, allen voran das Kniegelenk. Dort soll die Substanz – quasi wie ein Stoßdämpfer – das Defizit an Gelenkflüssigkeit ausgleichen, Lücken im Gelenkknorpel schließen und somit die Gelenkoberfläche glätten.

Ob diese Spritzentherapie ins Knie wirklich sinnvoll ist, bewerten nationale und internationale Leitlinien unterschiedlich. Die meisten sprechen sich jedoch gegen diese Maßnahme aus – zu Recht, wie eine aktuelle Übersichtsstudie mit annähernd 9000 Kniearthrose-Patienten zeigt. Die Hyaluronsäure-Injektionen führten zwar zu einer Verbesserung der Schmerzen im Vergleich zu Placebo, doch der Unterschied war gering und wurde als klinisch irrelevant eingestuft. Vielmehr ergab sich durch die Verum-Injektionen ein erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte Wirkungen.

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