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Inkompatibilitäten

Hydrochinon-Creme – der Weg zur stabilen Rezeptur

Kenndaten für Hydrochinon

Da sie die »Tabellen« gerade aufgerufen hat, schlägt sie die restlichen Kenndaten für Hydrochinon nach. Der rezeptierbare pH-Bereich liegt bei < 4. Es bietet ab einer Konzentration von 2 Prozent einen mikrobiellen Schutz. Es hat phenolischen Charakter, was verschiedene Wechselwirkungen zum Beispiel mit bestimmten Emulgatoren erwarten lässt. Vielleicht hat sie damit den Grund für die gebrochene Creme gefunden. Laut Rezepturhinweis sind Rezepturformeln mit sowohl nichtionischen als auch anionischen Grundlagen bekannt, er nennt aber phenolische Wechselwirkung als möglichen Grund, warum anionische unter Umständen geeigneter sein könnten:

  • Hydrochinon ist in Wasser zu circa 6,5 Prozent löslich. Der Wassergehalt in der Creme reicht also vermutlich nicht aus, um den Wirkstoff vollständig zu lösen.
  • In Hydrochinon-haltigen Rezepturarzneimitteln treten rasch Verfärbungen auf. Als Schutz wird zum Beispiel das Antioxidans Ascorbinsäure zugesetzt.

Auf der Haut findet Vitamin C normalerweise als antioxidativer Hilfsstoff oder Säuerungsmittel Anwendung. Bei Hydrochinon wird es explizit als Stabilisator genannt. Gabi sucht nach einer passenden Konzentration und findet Rezepturformeln mit 0,5 bis 1 Prozent Ascorbinsäure. In der vorliegenden Verschreibung ist die Konzentration höher. Da der rezeptierbare Bereich von Tretinoin-haltigen Zubereitungen mit > 3 angegeben ist, ist die Konzentration unter Umständen zu hoch. Gabi nimmt sich vor, gegebenenfalls einen Versuch zu prüfen, wie niedrig der pH-Wert bei einer entsprechenden Ascorbinsäure-Lösung ausfallen würde.

Mischungen stabilisieren

Im Rezepturhinweis »Hydrochinon« gibt es Beispielcremes mit Nichtionischer hydrophiler Creme SR DAC und sogar eine standardisierte Creme ganz ähnlich der verschriebenen. Allerdings enthalten sie maximal 2 Prozent Hydrochinon. Der Rezepturhinweis nennt explizit Unverträglichkeiten zwischen dem phenolischen Wirkstoff und der macrogolischen Teilstruktur des Emulgators der Creme-Grundlage. Es könnte also sein, dass die höhere Wirkstoff-Konzentration die Inkompatibilität verursacht.

Der Rezepturhinweis nennt Cremes mit beiden benötigten Wirkstoffen, die teilweise mit einem Corticoid kombiniert werden. In Anlehnung an die erwähnte standardisierte Rezepturvorschrift des niederländischen Arzneibuchs werden verschiedene Mischungen vorgeschlagen. Zwei davon enthalten beide Wirkstoffe in der benötigten Konzentration. In allen wird Ethanol oder Glycerol zugesetzt, damit das Hydrochinon komplett in Lösung gebracht wird. Um eine starke Austrocknung der Haut zu vermeiden, wird Glycerol bevorzugt. Eine der beiden Vorschriften verwendet Glycerol, Gabi notiert sie. Die Aufbrauchfrist beträgt vier Monate.

Die Creme enthält anionische hydrophile Creme als Grundlage und ist mit anderen Hilfsstoffen statt Ascorbinsäure stabilisiert. Wegen der phenolischen Wechselwirkung, dem möglicherweise zu niedrigen pH-Milieu und der Löslichkeit des Hydrochinons würde Gabi gern sichergehen und die herausgesuchte Rezepturvorschrift verwenden. Um sicherzugehen, dass die Hautärztin keine Einwände gegen einen Austausch der Grundlage hat, schlägt Gabi in der abschließenden Besprechung mit dem diensthabenden Apotheker vor, diese zu kontaktieren und ihr die geänderte Rezepturformel vorzuschlagen. Da sich die genaue Zusammensetzung nur schwer am Telefon besprechen lässt, schreibt sie eine E-Mail. Die Ärztin ist einverstanden, bittet aber darum, die Patientin darauf hinzuweisen, dass sie die Creme nicht länger anwenden soll, als besprochen wurde.

Gabi übernimmt die Gebrauchsanweisung vom alten Rezept. Die Abfüllung erfolgt in eine Aluminiumtube. Als Aufbrauchfrist gibt Gabi vier Monate an, wie bei der Rezepturformel im Rezepturhinweis angegeben.

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