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Tierhaare

Hypoallergene Tierrassen kein echter Schutz vor Allergien

Viele Menschen reagieren empfindlich auf Haustiere. Handelt es sich nur um eine Neigung zu Allergien, schützt der Kontakt zu Vierbeinern sogar. Bei Allergien selbst sollten Betroffene jedoch auf Hund, Katze oder Hamster verzichten.
Michael van den Heuvel
27.03.2020
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Deutschlands Tierfreunde nennen 15 Millionen Katzen, zehn Millionen Hunde, fünf Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Hamster oder Mäuse und fünf Millionen Ziervögel ihr Eigen. Hinzu kommen knapp zwei Millionen Aquarien und eine Million Terrarien. Gleichzeitig leiden immer mehr Kinder und Jugendliche an allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma. Was ist bei ihnen zu beachten?

Alle Tiere, egal ob behaart, mit Federkleid oder Schuppen können Allergien auslösen. Laut European Centre of Allergy Research Foundation (ECARF) sind etwa zehn Prozent der Deutschen auf Tierhaare sensibilisiert. Man darf den Begriff allerdings nicht mit einer manifesten Allergie gleichsetzen; es handelt sich lediglich um die Allergiebereitschaft. Das heißt, bei wiederholter Allergen-Exposition kann sich eine Allergie daraus entwickeln.

Das Allergen bindet dann an Antikörper auf Mastzellen. Letztere setzen Botenstoffe wie Histamin frei, und Entzündungsreaktionen treten auf. Blutgefäße werden durchlässiger, und die glatte Muskulatur der Atemwege zieht sich zusammen. Patienten leiden auch an juckenden Hautausschlägen, teilweise mit Quaddeln, und an geröteten Augen. Die Symptome setzen in kurzer Zeit ein. Ärzte sprechen deshalb von einer Sofortreaktion.

Potenzial unterschiedlich

Bei Allergien haben Katzen die größte Relevanz. Von einer Katzenhaarallergie zu sprechen, ist wissenschaftlich eigentlich nicht korrekt, denn es geht weniger um Haare. Stubentiger putzen sich oft. Sie bringen Speichel sowie Drüsensekrete auf ihr Fell und verteilen dabei das Allergen Fel d 1 auf ihrem Körper. Fel d steht für Felis domesticus, die Hauskatze.

Beim Trocknen entstehen kleinste Partikel mit einem Durchmesser von zwei bis zehn Mikrometern. Sie bleiben einige Zeit in der Luft, um sich dann auf Möbeln oder Teppichen abzusetzen. Beim geringsten Luftzug werden sie wieder aufgewirbelt. Etwa 90 Prozent aller Menschen mit Katzenallergie reagieren auf Fel d 1. Insgesamt fanden Wissenschaftler jedoch 19 unterschiedliche Allergene.

Hunde haben ein geringeres allergisches Potenzial als Katzen. In der Haut, den Haaren, dem Speichel und im Urin wurden sechs allergene Proteine nachgewiesen, besonders wichtig ist Can f 1. Die Bezeichnung leitet sich von Canis lupus familiaris für den Haushund ab. Hundeallergene halten sich, verglichen mit ähnlichen Verbindungen bei Katzen, kürzer in der Luft.

Sowohl die Federn als auch der Kot von Vögeln können beim Menschen allergische Reaktionen auslösen. Hinzu kommen Milben aus dem Gefieder. Neben Sofortreaktionen beobachten Ärzte hier Typ-III-Allergien, sprich zeitlich verzögerte Reaktionen. Besonders gefährlich ist die exogen-allergische Alveolitis, eine allergisch bedingte Entzündung des Lungengewebes.

Wissenschaftler fanden heraus, dass manche Allergene strukturell verwandt sind. Gezeigt wurde dies beim Pferdeallergen Equ c 1, beim Katzenallergen Fel d 4 und beim Hundeallergen Can f 6. Bei Patienten treten Kreuzallergien auf: Ein IgE-Antikörper erkennt alle drei Allergene. Das könnte erklären, warum manche Patienten gleichzeitig auf Hunde, Katzen und Pferde reagieren.

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