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Umfrage

Immer mehr Menschen treffen Entscheidung bei Organspende

Die Menschen in Deutschland treffen zunehmend eine Entscheidung darüber, ob sie Organe und Gewebe spenden möchten oder nicht – und dokumentieren das auch häufiger. Auch die Bereitschaft zur Organspende selbst ist gestiegen.
Katja Egermeier
16.09.2020  16:25 Uhr

Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) heute mitteilt, liegt laut einer aktuellen Umfrage der Wert derer, die eine Entscheidung zu einer Organ- und Gewebespende getroffen haben, aktuell bei 63 Prozent. Im Jahr 2018/2019 entschieden sich nur 56 Prozent. Auch der Anteil derer, die diese Entscheidung schriftlich festgehalten haben – in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung –, sei von 39 auf 44 Prozent gestiegen. »Genau das ist Ziel unserer Aufklärungsarbeit«, erklärt BZgA-Leiterin Professorin Heidrun Thaiss. 18 Prozent der Befragten hätten zumindest eine Entscheidung getroffen, diese aber nicht dokumentiert. 

Erfreulich auch, dass gleichzeitig die Bereitschaft zur Organspende in Deutschland gestiegen ist. Wie die BZgA  heute mitteilte, haben sich 62 Prozent der in diesem Frühjahr Befragten entschieden, nach ihrem Tod Organe zu spenden – 2018 waren es erst 56 Prozent. Gesunken ist laut BZgA jedoch die grundsätzliche Einstellung gegenüber der Organ- und Gewebespende: Standen im Jahr 2018 noch 84 Prozent dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, waren es in diesem Jahr nur 82 Prozent. 

Sobald das neue Online-Register fertiggestellt sei, werde das BZgA darüber informieren, dass die Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zukünftig auch dort gespeichert werden könne. Das haben laut Umfrage nur 35 Prozent der Befragten gewusst. Nur der Hälfte der Befragten war das im Januar 2020 verabschiedete Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende bekannt. 

Für die Repräsentativbefragung »Einstellung, Wissen und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland 2020« wurden von April bis Mai dieses Jahres bundesweit 4.001 Bürgerinnen und Bürger im Alter von 14 bis 75 Jahren befragt.

Irrtümer aufklären, Bereitschaft stärken

Besonders bei der Aufklärung sieht sich die BZgA nun in der Pflicht – um bestehende Wissenslücken zu erkennen und zu schließen. So hätten Studiendaten beispielsweise gezeigt, dass etwa die Hälfte der Befragten davon ausgehe, Organe und Gewebe nur bis zu einem bestimmten Alter spenden zu können. Ebenfalls nur knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer wusste, dass man im Organspendeausweis einer Entnahme auch widersprechen kann. Und circa ein Fünftel wusste nicht, dass der Hirntod, also ein irreversibler Hirnfunktionsausfall die Voraussetzung für eine Organspende ist.

In der im Frühjahr 2020 durchgeführten Erhebung wurde zudem gefragt, ob das im Januar 2020 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende bekannt ist. Im Ergebnis wissen dies 50 Prozent der Befragten. 35 Prozent sind darüber informiert, dass mit der neuen Rechtsgrundlage, die ab 1. März 2022 gelten wird, eine Dokumentation der Entscheidung zur Organ- und Gewebespende in einem Online-Register möglich sein wird.

Thaiss: »Mit spezifischen Angeboten wollen wir zudem das Interesse für das Thema Organ- und Gewebespende noch weiter steigern, die Entscheidungsfindung unterstützen und die Menschen anregen, ihre persönliche Entscheidung schriftlich, am besten in einem Organspendeausweis, und zukünftig digital im Online-Register festzuhalten.«

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