PTA-Forum online
Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose

Impfungen bei Senioren: Gerade jetzt!

Die aktuelle Pandemie macht deutlich, dass Impfstoffe lebensrettend sind. Das gilt nicht nur für die dringend erwartete Vakzine gegen SARS-CoV-2, sondern ebenso für bereits vorhandene Impfstoffe, die sich allesamt gegen schwere Erkrankungen richten. Vor allem die Risikogruppe Senioren sollte einen umfassenden Impfschutz erhalten.
Marion Hofmann-Aßmus
13.10.2020  08:30 Uhr

Auch jetzt, während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie, rät die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut dringend dazu, ältere Menschen weiterhin zu impfen. Dafür gibt die STIKO gleich mehrere Gründe an: Durch das Nicht-Impfen könnten Impflücken entstehen, wodurch die ungeschützten Personen Gefahr laufen, sich mit Erkrankungen anzustecken, gegen die man sich eigentlich schützen kann, auch impfpräventable Erkrankungen genannt.

Vor allem für ältere Personen wäre dies fatal, denn sie zählen ohnehin zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19. Kommt eine weitere Infektion hinzu, schwächt das den Organismus zusätzlich und kann zu schweren Komplikationen führen. Dagegen gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine Impfung einen negativen Einfluss auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ausübt, selbst wenn die Impfung kurz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 erfolgte. Generell möchte die STIKO mit den Impfungen dafür sorgen, dass der gute allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung erhalten bleibt – auch vor dem Hintergrund, das Gesundheitssystem zu entlasten.

Einige Standardimpfungen, die in der Regel im Kindes- und Jugendalter durchgeführt werden, benötigen eine regelmäßige Auffrischung. So sollten etwa die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre erneuert werden. Dabei empfiehlt die STIKO, die nächst fällige Diphtherie-Tetanus-Impfung einmalig zusammen mit der Keuchhusten-Impfung (TdaP-Kombinationsimpfstoff wie Covaxis®, Boostrix®) zu geben. Falls kein ausreichender Impfschutz gegen Poliomyelitis besteht, lässt sich diese Impfung gleich mit verabreichen (Tdap-IPV-Kombinationsimpfung wie Boostrix® polio, Repevax®).

Grippeschutz vermeidet Komplikationen

Die Influenza-Impfung gehört für Senioren ab 60 Jahren zu den wichtigsten Standardimpfungen, denn sie erkranken oft besonders schwer an Influenza und ihre Komplikationsrate ist erhöht. Allerdings wirkt die saisonale Grippeimpfung bei Älteren meist weniger effektiv als bei Jüngeren. Dafür verantwortlich ist die Alterung des Immunsystems, die sogenannte Immunseneszenz. Das Immunsystem Älterer ist weniger flexibel und kann auf die Mutationen der Grippeviren schlechter reagieren.

Im Gegensatz zu den Jahren zuvor sind diese Saison ausschließlich tetravalente Impfstoffe in Deutschland zugelassen. Sie enthalten die Antigene von vier Influenza-Typen. Bisher waren es überwiegend nur drei (trivalent). Von der zusätzlichen Komponente erhofft man sich eine erhöhte Schutzwirkung.

Die vier Bestandteile der Impfstoffe für diese Saison sind zwei Typ-A-Sub-typen und zwei B-Typen. Dabei bleibt die zweite Influenza-B-Komponente des tetravalenten Impfstoffs des Vorgängerimpfstoffs erhalten, nämlich B/Phuket/3073/2013 aus der B/Yamagata-Linie. Für die andere B-Komponente wurde B/Washington/02/2019 aus der B/Victoria-Linie ausgewählt. Als H3N2-Komponente ist A/Hong Kong/2671/2019 (H3N2) enthalten. Die H1N1-Komponente unterscheidet sich in den Impfstoffen erstmals, je nachdem ob es sich um einen aus der Kultur auf Hühnereiern gewonnenen (wie Vaxigrip® Tetra, Xanaflu® Tetra, Influvac® Tetra, Influsplit® Tetra) oder einen zellbasierten Impfstoff (Flucelvax® Tetra) handelt. Für Letzteren wird A/Hawaii/70/2019 (H1N1)pdm09 eingesetzt, für die aus Hühnereiern gewonnene Vakzine A/Guangdong-Maonan/SWL1536/2019 (H1N1)pdm09.

Extra hoch dosierte (Efluelda®) oder adjuvantierte Impfstoffe (Fluad® Tetra) wurden zwar eigens für Senioren ab 65 Jahren entwickelt, kommen aber in diesem Jahr nicht mehr auf den Markt. Efluelda besitzt die vierfache Antigenmenge im Vergleich zu herkömmlichen tetravalenten Impfstoffen. Als Fluzone High-Dose in den USA bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt, erhielt die Vakzine hierzulande unter dem Handelsnamen Efluelda im Mai 2020 eine Zulassung. Doch der Impfstoff aus den USA werde bis auf weiteres nicht über den regulären Handel abgegeben, teilt das BMG mit. Er kann ausschließlich von Gesundheitsbehörden und dem öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) bestellt werden und soll zur Vorbeugung von Ausbrüchen in Pflege- und Altenheimen und Krankenhäusern oder bei gezielten Impfaktionen des ÖGD zum Einsatz kommen.

Lunge im Fokus

Pneumokokken sind Bakterien, die vor allem bei Senioren schwere Lungenentzündungen verursachen können. Da man diese Art der Doppelinfektion während der SARS-CoV-2-Pandemie unbedingt vermeiden möchte, rief Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im März dieses Jahres alle Menschen ab 60 Jahren dazu auf, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Dieser Aufruf zeigte Erfolg: Nach Angaben des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland erhöhten sich die Verordnungszahlen für den Impfstoff bereits am nächsten Tag deutlich.

Doch erhebliche Lieferengpässe für den 23-valenten Impfstoff (Pneumovax® 23) konterkarieren jegliche Impfziele in Sachen Pneumokokken-Infektionen. Bis der Impfstoff wieder in ausreichender Menge verfügbar ist, sollten der STIKO zufolge vor allem Senioren ab 70 Jahren sowie Personen mit besonders hohem Risiko für Atemwegserkrankungen geimpft werden. Generell ist der Pneumokokken-Impfschutz bei Älteren alle sechs Jahre aufzufrischen. Zu bedenken ist, dass die Impfung gegen Pneumokokken nicht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen kann, möglicherweise verhindert sie jedoch einen risikoreicheren Verlauf von Covid-19.

Dies gilt auch für den Impfschutz gegen Keuchhusten (Pertussis), der zusammen mit der oben erwähnten, alle zehn Jahre fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung gegeben wird. Im Gegensatz zur Pneumokokken-Impfung sind derzeit aber alle Impfstoffkombinationen lieferbar.

Pertussis wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst und ist hochansteckend. Ein Erkrankter kann bis zu 17 weitere Personen infizieren. Es handelt sich dabei keineswegs um eine Kinderkrankheit. Tatsächlich sind etwa ein Drittel der Betroffenen 50 Jahre oder älter. Gerade Ältere können sehr unter den schweren Hustenattacken leiden, die bis zu Leisten- und Rippenbrüchen sowie ungewolltem Harnverlust führen können. Da Pertussis bei Erwachsenen nicht so einfach zu erkennen ist und Antibiotika in späterem Stadium nicht mehr helfen, gilt die Impfung als wichtigste Vorsorgemaßnahme. Vor allem, weil weder eine durchgemachte Erkrankung noch eine vollständige Grundimmunisierung einen lebenslangen Schutz bieten.

Eine weitere Impfung, die vornehmlich Senioren gilt, ist die gegen Herpes zoster. Eine Gürtelrose kann bei allen auftreten, die in ihrer Jugend eine Varizellen-Infektion (also Windpocken) durchgemacht haben. Durch eine Schwächung des Immunsystems, die bereits beschriebene Immunseneszenz, kommt es zu einer Reaktivierung des im Nervensystem persistierenden Virus. Seit dem Jahr 2018 ist ein Totimpfstoff gegen Herpes Zoster (Shingrix®) zugelassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung für alle Personen ab 60 Jahren. Für Menschen mit einer Immunsuppression und für Personen mit schweren Grunderkrankungen gilt die Empfehlung bereits ab 50 Jahren.

Aber auch hier besteht das Problem von Lieferengpässen, der Impfstoff ist nur eingeschränkt verfügbar. Deshalb sind Ärzte dazu aufgerufen, mit den vorhandenen Impfstoffen begonnene Impfserien zu vollenden. Eine Impfserie besteht aus zwei Impfdosen, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht werden.

Mehr von Avoxa