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Jojoba

Kein Öl, sondern eigentlich ein Wachs

21.09.2015  10:29 Uhr

Von Gerhard Gensthaler / Manche Pflanzen wachsen unter extrem trockenen Bedingungen, beispielsweise in ausgedehnten Wüsten. An diese Umgebung hat sich auch der Jojobastrauch angepasst, der bis zu 200 Jahre alt und bis zu 4 Meter hoch werden kann. Die hautpflegenden Eigenschaften des Jojobaöls kannten bereits die Ureinwohner Arizonas, die Papago-Indianer. Heute ist Jojobaöl aus der Kosmetik nicht mehr wegzudenken.

Die ursprüngliche Heimat des Jojoba­strauches, Simmondsia chinensis (Link) C. Schneider, ist eine der artenreichsten Wüstenregionen der Welt: die Sonora-Wüste, die sich in Nordmexiko und im Südwesten der USA, in Kalifornien und Arizona erstreckt. Bereits der Jesuit Junipero Serra beobachtete während seines Aufenthaltes bei den Papago-Indianern in Arizona im Jahr 1768, dass dieser Stamm Jojobaöl unter anderem zur Hautpflege nutzte. Er schrieb in sein Tagebuch: »Das Öl des Hohoba Strauches benutzen die Indianer zur Pflege von Haaren und Haut. … Sie benutzen es auch zum Kochen.«

Heute wird der Strauch als Ölpflanze in Südamerika, Afrika, Israel, Argentinien und Peru meist in Plantagen angebaut. Dabei reicht für eine gute Bestäubung durch den Wind gewöhnlich nur 1 männliche Pflanze pro 20 Reihen weiblicher Exemplare. Immer häufiger dient die Pflanze auch dem Schutz vor Bodenerosionen.

Fast in allen gängigen Sprachen trägt die Pflanze den gleichen Namen: Jojoba. Engländer nennen den Strauch auch Goat nut oder Bush nut. Die Bezeichnung chinensis im botanischen Namen entspringt einem Fehler: Der erste Bestimmer dachte irrtümlicherweise, die Samen kämen aus China. Doch in China ist diese Pflanze nicht heimisch.

An die Wüste angepasst

Die Jojobapflanze aus der Familie der Simmondsiaceae ist ein immergrüner, zweihäusiger Strauch oder Baum, der bis zu 4 Meter hoch werden kann. Seine kleinen Blätter sind blaugrün, dick und ledrig. Die gelben männlichen Blüten stehen endständig zu mehreren zusammen, die unscheinbaren weib­lichen hellgrünen in den Blattachseln werden vom Wind bestäubt. Die Fruchtkapseln in Größe und Form einer Olive enthalten meist nur einen Samen. Der Strauch kann in der Wüste über­leben, weil er mit einer circa 6 Meter langen Pfahlwurzel tief in den Boden eindringen kann. Jojobapflanzen werden zwischen 100 und 200 Jahre alt und vertragen sehr gut extreme Wärme und Trockenheit.

Die reifen Samen werden in der Trockenperiode geerntet und dann das Öl durch kalte Pressung gewonnen. Bereits nach einem Jahr liefert ein Strauch 500 Gramm Früchte, nach 25 Jahren bis zu 13 Kilogramm.

Ein Öl, das keines ist

Die Samen enthalten bis zu 60 Prozent eines Gemisches von Wachsestern aus einfach ungesättigten Fettsäuren und primären Alkoholen bis zu einer Kettenlänge mit 44 Kohlenstoffatomen. Im Unterschied zu anderen Samenölen sind diese langkettigen Ester keine Triglyceride. Sie ähneln den Estern im menschlichen Hauttalg und bewirken, dass sich Jojobaöl hervorragend mit diesem mischt. Es entsteht ein Lipidfilm, der die Feuchtigkeit der Haut bindet, sie jedoch in keiner Weise abdichtet. Weitere Inhaltsstoffe sind Vitamin E, Provitamin A, Mineralien, freie ungesättigte Fettsäuren und Fettalkohole sowie das toxische Nitrilglucosid Simmondsin. Genau genommen ist das Jojobaöl gar kein Öl, sondern ein bei Zimmertemperatur flüssiges Wachs, das bei 7 ºC schmilzt. Es schmeckt und riecht angenehm.

Im DAC/NRF 2013/2 finden sich zwei Monographien, einmal zum Nativen Jojobawachs (Simmondsiae cera virginalis) und dann zum Raffinierten Jojobawachs (Simmondsiae cera raffinata). Die Identität wird mithilfe der Dünnschichtchromatographie geprüft. In beiden Fällen handelt es sich um eine klare, hellgelbe bis gelbe, ölige Flüssigkeit. Unterhalb von 10 ºC erstarren beide Wachse zu einer leicht körnigen, weichen Masse. In Wasser praktisch unlöslich, ist Jojobawachs mit Ether, fetten Ölen, flüssigem Paraffin und Petroläther mischbar. Natives und Raffiniertes Jojobawachs sollen stets dicht verschlossen und vor Licht geschützt gelagert werden. Nach Anbruch beträgt die Haltbarkeit etwa 24 Monate.

Ideales Kosmetikum

Aktuell ist das Öl aus der Kosmetik nicht mehr wegzudenken. Wegen seiner guten Spreitung bildet es auf der Haut keinen Fettfilm wie die anderen fetten Öle. Diese Qualität wurde erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entdeckt, als das Öl verstärkt das inzwischen – zum Schutz der Pottwale – verbotene Walrat ersetzte. Noch bis 1978 war Walrat im DAB 7 mit einer Monographie vertreten. Das DAB 8 gab als Walratersatz Cetylpalmitat an. Das Jojobaöl, das sich hervorragend als Ersatz für Walrat eignet, wurde dagegen nicht in das DAB, sondern lediglich in den DAC aufgenommen.

Jojobaöl findet sich überwiegend als Bestandteil von Haar- und Hautpflegeprodukten in Lotionen, Cremes und Seifen. Vor der Weiterverwendung in Kosmetika wird das Jojobawachs hydrogeniert. Während das Wachs bei niedrigen Temperaturen noch flüssig ist, bleibt es nach dem Hydrogenieren bis zu einer Temperatur von 65 ºC fest.

Bemerkenswert ist seine außerordentliche Resistenz gegenüber oxidativen Prozessen. Jojobaöl wird nicht ranzig wie andere fette Öle und ist daher ohne Konservierungsmittel bis zu zehn Jahre haltbar. Durch diese besondere Eigenschaft eignet sich Jojobaöl in Ölmischungen zur Stabilisierung anderer Öle. Damit werden diese länger haltbar.

Jojobaöl hat einen natürlichen Lichtschutzfaktor von 3 bis 4 und wirkt zudem entzündungs­hemmend. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Jojobaöl von verschiedenen Mikroorganismen wie Staphylococcus aureus, Candida albicans und Pseudomonas aeruginosa nicht verstoffwechselt werden kann. Somit wird diesen Mikroorganismen die Lebensgrundlage entzogen. Da Jojobaöl sehr leicht ätherische und fette Öle aufnimmt, eignet es sich ideal für alle Arten von Massageölen. Jojobaöl macht alte, schuppige, spröde und trockene Haut wieder glatt und geschmeidig. Eine innerliche Verwendung des Öls ist nicht belegt (zu den Effekten der Samen siehe auch Kasten).

In der Volksmedizin verwenden die Indios es zur Wundbehandlung, bei Akne und Psoriasis sowie gegen Haarschuppen und als Haarwuchsmittel.

Neben der Verwendung in der Kosmetik wird Jojobaöl gerne als Schmiermittel vor allem für Präzisionsinstrumente eingesetzt und dient in Möbel- und Autopolituren als Grundlage der Pflegewachse. /

Jojobasamen nicht zum Verzehr geeignet

Insbesondere im Internet bewerben Anbieter Präparate auf der Basis von Jojobasamen als geeignete Mittel zum Abnehmen. Sie behaupten, die Samen würden den Appetit drosseln. Aus diesem Grund hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den Verzehr von Jojobasamen gesundheitlich bewertet. Zwar liegen keine wissenschaftlichen Daten zur Wirkung der Samen im menschlichen Organismus vor, doch wurden einige Versuche mit Ratten durchgeführt. In diesen Versuchen führte schon der geringe Zusatz von Simmondsin zum Rattenfutter innerhalb von einem Tag dazu, dass die Tiere nur noch weniger als die Hälfte fraßen. Ein ähnlicher Effekt wurde bei Jojobawachs beobachtet: Auch die Zugabe von flüssigem Jojobawachs zum Futter reduzierte die Nahrungsaufnahme der Ratten. Gleichzeitig nahm jedoch die Produktion von weißen Blutzellen und die Aktivität bestimmter Enzyme zu, die als Indikator für einen Zellabbau gelten. Jojobawachs sammelte sich in den Zellen des Darms und führte zur Zellzerstörung. Nach den Ergebnissen der vorliegenden Tierstudien hält das BfR toxische Wirkungen auf den Menschen durch den Verzehr von Jojobasamen möglich. Solange die Daten­lage zur Wirkung von Jojobasamen beim Menschen unzureichend ist, rät das BfR deshalb wegen unkalkulier­barer Risiken von der Verwendung von Jojobasamen als Lebensmittel beziehungsweise vom Verzehr entsprechender Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsreduktion ab.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung