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BERATUNGSPRAXIS

Plausibilitätsprüfung

Dithranol gegen Schuppenflechte


Von Andreas Melhorn / Manche Wirkstoffe werden von vielen Faktoren in ihrer Stabilität eingeschränkt. In solchen Fällen greift die Apotheke am besten auf standardisierte Vorschriften zurück, denn freie Rezepturen lassen sich schlecht einschätzen.

 

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Eine PTA erhält von einem Kunden ein Rezept­ mit der abgebildeten Zusammensetzung. Sie weiß, dass Dithranol relativ instabil ist und Steinkohlenteerlösung verhältnismäßig häufig für Inkom­patibilitäten sorgt. Die PTA erbittet vom Kunden Zeit bis zum nächsten Tag und beginnt sogleich, sich mit der Materie zu beschäftigen.



Wirkung von Dithranol

Dithranol hemmt das Zellwachstum und wird meist verwendet, um Psoriasis lokal zu behandeln. Gegen Warzen kommt es meist zusammen mit Salicylsäure zum Einsatz. Die PTA findet im Rezepturhinweis »Dithranol« auf der Webseite des DAC/NRF außerdem heraus­, dass manche Ärzte den Wirkstoff gegen Alopecia areata einsetzen, den kreisrunden Haarausfall.

Es existieren verschiedene Behandlungsmethoden, die jeweils unterschiedliche Ansprüche an das Rezepturarzneimittel stellen. Eine Langzeit­therapie steht der Minutentherapie gegenüber, bei der das Arzneimittel eine gewisse Zeit einwirken muss und dann abgewaschen wird. Für die unterschiedlichen Zwecke gibt es wasserfreie und wasserhaltige abwaschbare Zubereitungen.

Stabilität von Dithranol

Die Oxidation von Dithranol wird durch Licht und Sauerstoff, sowie durch verschie­dene andere Faktoren beschleunigt. Um den Wirkstoff zu schützen, achtet die PTA auf Folgendes:

  • Bei der Verarbeitung verwendet sie keine metallischen Gegenstände und meidet den Kontakt damit, etwa über eine metallene Fantaschale. Fantaschalen aus Melamin können sich dauerhaft verfärben und eignen sich deshalb weniger. Glas zu verwenden, ist die beste Wahl.
  • Die Zubereitung darf während der Herstellung nicht erwärmt werden.
  • Je größer der Anteil an suspendiert vorliegendem Dithranol, desto langsamer verläuft die Oxidation.
  • Wasserfreie Zubereitungen sind stabi­ler als wasserhaltige.
  • Dithranol darf nicht mit Stoffen kombiniert werden, die die Oxidation fördern. Dazu gehören nichtionische Emulgatoren und Steinkohlenteer- Zubereitungen. Gegebenenfalls muss die Apotheke eine verkürzte Haltbarkeit angeben.
  • Als antioxidative Zusätze eignen sich Salicylsäure oder Ascorbinsäure.
  • Die fertige Rezeptur gehört in eine Aluminiumtube mit Innenlackierung als zusätzlichem Schutz und wird im Kühlschrank gelagert.
  • Steinkohlenteer und Steinkohlenteer-Zubereitungen gilt es zu vermeiden. Außerdem enthält die Creme Wasser, was die Stabilität weiter verringert. Die PTA notiert sich beides.




Bei Steinkohlenteer handelt es sich um ein Stoffgemisch, das man bei der Verarbeitung von Steinkohle gewinnt. Hautärzte greifen gern darauf zurück, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Steinkohlenteer wirkt antientzündlich und antiseptisch. Einige der enthaltenen aromatischen Kohlenwasserstoffe sind allerdings als krebserregend eingestuft. Für einen Zeitraum von einigen Wochen kann der Arzt die Substanz dennoch als Alternative zu risikoärmeren Therapien einsetzen. Aufgrund der Kanzerogenität von Steinkohlenteer achtet die PTA genau auf Arbeitsschutzmaßnahmen. Schutzbrille, Handschuhe und Atemschutz verhindern jeden Hautkontakt mit dem Stoff und helfen so maßgeblich, das Risiko für den Herstellenden zu minimieren.

Steinkohlenteerlösung

Bei einer Steinkohlenteerlösung handelt es sich um einen tensidhal­tigen Steinkohlenteerextrakt. Als solcher ist er oberflächenaktiv, was ihn für Wechselwirkungen und Inkompatibilitäten prädestiniert. Im DAC/NRF finden­ sich Rezepturen für verschiedene Zubereitungen. Sowohl lipophile als auch ­hydrophile Präparate mit unterschied­lichen Grundlagen und Wirkstoffkombinationen stehen zur Verfügung.




Psoriasis kann auch innere Organe in Mitleidenschaft ziehen.

Foto: Fotolia/Farina3000


Wegen der Steinkohlenteerlösung geht die PTA davon aus, dass mit der verschriebenen Creme eine Psoriasis behandelt werden soll. Aus der Gebrauchsanweisung schließt sie, dass die Patientin mit der Creme eine Minutentherapie durchführen soll. Die Kombination der drei Wirkstoffe erscheint dafür sinnvoll. Die Salicylsäure zeichnet sich durch keratolytische und antientzündliche Eigenschaften aus – therapeutisch erwünschte Effekte. Außerdem dient sie dem ­Dithranol als Stabilisator.

Die Stabilität der Creme könnte jedoch Probleme bereiten. Dass die Steinkohlenteerlösung das Dithranol destabilisieren kann, hat die PTA bereits herausgefunden. Außerdem erhöht das Wasser in der Creme die Oxidationsgeschwindigkeit. Die PTA forscht weiter nach und findet im Rezepturenfinder des DAC/NRF eine Rezeptur, die genau der vom Arzt verordneten entspricht. Dort findet sie alles bestätigt, was sie bereits vermutet. Das DAC/NRF rät dazu, die Steinkohlenteerlösung getrennt zu verarbeiten und verweist dazu auf die NRF-Vorschrift 11.107.: Hydrophile Salicylsäure-Creme 5 % mit Steinkohlenteerspiritus 10 %. Die PTA notiert dies für das Gespräch mit dem Arzt.

Suche nach Alternativen

Da die getrennte Anwendung von zwei Cremes etwas unpraktisch ist, sucht die PTA nach Alternativen. Ließe sie die Steinkohlenteerlösung weg, würde das die Stabilität der Creme erhöhen. Ob das ausreicht, lässt sich jedoch nicht genau abschätzen.

Im Rezepturhinweis findet die PTA zwei mögliche Zubereitungen: Es gibt eine standardisierte holländische Vorschrift, die im Rezepturhinweis genannt wird. Sie enthält Wasser, ebenso wie die verschriebene Creme. Die Vorschrift besagt, dass zusätzlich zur Salicyl­säure 0,1 % Ascorbinsäure als Anti­oxidans hinzugefügt werden sollte. Das spricht dafür, dass es für die Stabi­lität nicht ausreichen würde, allein­ die Steinkohlenteerlösung wegzulassen. Als zweites findet die PTA die Abwaschbare Dithranol-Salbe mit Salicyl­säure (NRF 11.52.), auf die im Rezepturenfinder hingewiesen wird. Sie enthält kein Wasser und lässt sich in zwei verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen zubereiten. Salicylsäure wird dort zwar nur mit maximal 2 Prozent eingearbeitet, da jedoch weit höhere Konzentrationen bei Erwachsenen im Normbereich liegen, geht die PTA davon aus, dass auch 5 Prozent vertretbar sind.


Geänderte Rezeptur

Dithranol 0,1 g

Salicylsäure-Verreibung 50 Prozent DAC mit Weißem Vaselin 10,0 g

Abwaschbare Salbengrundlage (Vorschrift S.31.) zu 100,0 g


Nach Rücksprache mit der Apothekerin telefoniert die PTA mit dem Dermatologen und erläutert ihm die Ergebnisse ihrer Recherche. Er hält die Anwendung von zwei Cremes ebenfalls für unpraktisch und lässt sich davon überzeugen, die Verschreibung auf die Abwaschbare Dithranol-Salbe mit Salicylsäure zu ändern. Der Hautarzt besteht aber auf der Konzentration von 5 % Salicylsäure. Die PTA stellt die Salbe her und macht entsprechende Notizen, um den Kunden über die Änderung aufzuklären. Das neue Rezept lässt sie am nächsten Tag abholen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2017

 

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