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Studie

Gut verträgliche Ohrentropfen

23.08.2010  20:52 Uhr

Studie

Gut verträgliche Ohrentropfen

PTA-Forum / Experten kritisieren den unkritischen Einsatz von Antibiotika bei Mittelohrentzündungen. Bei der »Wait and see«-Strategie helfen anästhetisch wirkende Ohrentropfen während der ersten akuten Phase, und Antibiotika werden erst später bei Bedarf substitutiert.

Um die therapeutischen Eigenschaften und die Verträglichkeit der Ohrentropfen zu untersuchen, wurde in Deutschland von 22 Ärzten (6 HNO-Ärzte und 16 Kinderärzte) eine multizentrische Anwendungsbeobachtung durchgeführt. Alle 428 Studienteilnehmer waren Kinder: Der jüngste Patient war bei Eintritt in die Beobachtungsstudie zwei Monate und drei Tage alt, der älteste fast sieben Jahre. Alle Kinder litten an Ohrenschmerzen, 398 an Otitis media und 28 an Otitis externa, bei 2 Kindern lagen beide Diagnosen vor.

 Das Hauptziel der Studie war, die Unbedenklichkeit und Verträglichkeit des Prüfpräparats (Otalgan®) zu bewerten. Otalgan wird seit 1911 eingesetzt. Das Präparat enthält als arzneilich wirksame Bestandteile 50 mg Phenazon und 10 mg Procainhydrochlorid sowie den Cerumen-aufweichenden und -lösenden Hilfsstoff Glycerin. Die mittlere Dosis pro Ohr und Tag betrug 6 Tropfen des Arzneimittels, die tägliche Gesamtdosis lag zwischen 5 und 20 Tropfen.

Während der gesamten Studie beobachteten weder die Ärzte noch die Eltern unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Alle Kinder vertrugen die Ohrentropfen gut und zwar unabhängig von der Behandlungsdauer, die zwischen zwei und zehn Tagen lag. Die Ärzte bewerteten die Verträglichkeit in 62,2 Prozent der Fälle mit »ausgezeichnet«, in 37,6 Prozent mit »gut«, die Eltern zu 51,9 Prozent als »ausgezeichnet« und zu 48,1 Prozent als »gut«. Selbst in der höchsten Dosierung von über 100 Tropfen während der gesamten Behandlungszeit war keine Verschlechterung der Verträglichkeit zu erkennen.

Unter der Behandlung reduzierte sich der anfängliche mittlere Schmerzscore um fast 93 Prozent. Bei 95,3 Prozent der Kinder bewerteten die Ärzte daher die Wirksamkeit mit ausgezeichnet oder gut. Nur in 26,9 Prozent erhielten die Kinder zusätzlich Antibiotika, das heißt: In den meisten Fällen konnte der Einsatz von Antibiotika vermieden werden.

Das Studienergebnis wurde 2009 in der Fachzeitschrift »Arzneimittel Forschung Drug Research« veröffentlicht. Das Resümee der Prüfärzte: Die Ohrentropfen gewährleisten auch bei sehr kleinen Kindern mit akuten schmerzhaft-entzündlichen Ohrenerkrankungen eine sichere und schnelle Schmerzlinderung und Entzündungshemmung bei optimaler Verträglichkeit.

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