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BERATUNGSPRAXIS

Elektrische Rührsysteme

Möglichkeiten und Grenzen


Von Ingrid Ewering / Beinahe jede Apotheke verfügt über ein Mischgerät in der Rezeptur. Sei es ein Unguator® der Firma gako, von Apotheker Albrecht Konietzko in den frühen 90ern entwickelt, oder ein Topitec®-Gerät, wie sie seit 1998 von der Firma wepa Apothekenbedarf vertrieben werden. Beide Rührsysteme zeigen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in der Handhabung.

 

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Beide Firmen bieten manuelle Geräte sowie hochmoderne Halbautomaten an. Sehr gängig sind der Unguator e/s und der Topitec Automatic. Egal, welches Gerät Sie in der Apotheke haben: In jedem Fall sollten Sie zu dem jeweiligen Rührsystem aktuelle Handbücher, Bedienungsanleitungen und Rührparameter nutzen. Nicht nur die wasserbad- sowie mikrowellenfesten Mischgefäße unterscheiden sich in der Benutzung, sondern auch die dazugehörigen Rührwerkzeuge und die jeweiligen Tabellen für die Herstellungsparameter.



Der Unguator mischt bei Suspensionen mit dem wiederverwendbaren Standardflügelrührer mit lediglich zwei stark ausgeprägten Abschabflügeln. Bei Emulsions- beziehungsweise Lösungsvorgängen hingegen kommt der schmale Einwegrührer mit sechs Verstrebungen zum Homogenisieren zum Einsatz. Das Topitec-Gerät rührt mit einer Einwegmischscheibe mit zwölf kleinen Abschabnasen. Der rote Deckel der dazugehörigen aponorm® Dreh­dosierkruke weist während des Herstellungsprozesses nach unten. Die Entnahme der fertigen Creme erfolgt hygienisch einwandfrei durch Betätigen des Drehspindelfußes. So wird der Inhalt ohne Kontakt zu Keimquellen herausgepresst.

Der rote Deckel der Unguator-Kruke weist während des Mischens dagegen nach oben. Durch Hochdrücken des beweglichen Bodens tritt das fertige Dermatikum durch die obere Entnahmeöffnung wie bei einer Tube aus. Das Öffnen des roten Schraubdeckels ist nur erlaubt, um kleine Restmengen zu verbrauchen.

Auswahl der Rührparameter

Die Rührparameter aller Topitec-Geräte richten sich nach Festigkeit und Scherempfindlichkeit der verordneten Grundlage. Bei flüssigen Emulsionen, Zinkoxidschüttelmixturen sowie den sehr weichen Linimenten mischt man lediglich bei 700 Umdrehungen pro ­Minute (UpM). Dies gilt auch für die scherempfindlichen W/O-Cremes wie Kühlcreme DAB oder bei den beiden Wollwachsakolholcremes. Festere Salben und Pasten benötigen hingegen 1000 UpM, Basiscreme DAC sogar 1500 UpM. Mit zunehmender Verordnungsmenge steigt die Mischdauer entsprechend. Eine Ausnahme macht der Übergang von der hoch gestalteten 30 g- auf die 50 g-Spenderdose. Die hohe Form der kleineren Kruke braucht mehr Hübe und damit eine höhere Mischdauer von einer Minute zur Homogenisierung, im Gegensatz zur breiten, flachen 50 g-Variante.




Unguator-Einwegrührer

Abbildung: Gako International GmbH


Das galenische System entscheidet über die Festlegung der Rührparameter aller Unguator-Geräte: Löst sich der Wirkstoff in der Grundlage, oder wird bei Raumtemperatur emulgiert, genügt kurzes Mischen. Bei Suspensionszubereitungen wird nach einem kurzen Anreibevorgang länger und hochtourig gerührt. Dabei gilt es, zwischen Wirkstoffgehalten unter und über zwei Prozent zu unterscheiden. Bei Einsatz eines halbfesten Wirkstoffkonzentrats oder wenn zwei Cremes gemischt werden sollen, sind die Rührparameter unter »weich in weich« nachlesbar.

Suspensionszubereitungen

Liegt der Arzneistoff als Feststoff in der Grundlage vor, so muss er sorgfältig darin verteilt werden. Die Aufsichtsbehörden und auch das Zentrallabor in Eschborn bemängeln gerade bei Verwendung von elektrischen Rührsystemen immer wieder die Inhomogenität der Zubereitungen, aber auch zum Teil hohe Wirkstoffverluste.

Mikronisierte Pulver neigen dazu, untereinander Agglomerate zu bilden oder sich an andere Oberflächen wie Krukenboden sowie Rührwerkzeuge anzuhaften. Deshalb müssen Sie zunächst etwas Grundlage lückenlos in die Spenderdose glatt vorlegen. Das extern abgewogene Pulver ist im gebührenden Abstand zur Krukenwand ringförmig einzustäuben und mit Creme sorgfältig zu bedecken. Reste auf dem Wägeschiffchen bitte mit dem Anreibemittel abspülen. Beim kurzen Mischen, auch Vorverreiben genannt, entsteht ein Rezepturkonzentrat mit circa 20 bis 50 Prozent der verordneten Grundlage.


Praxistipps

  • Demonstrieren Sie die korrekte Handhabung der Spenderdose bei der Abgabe. Dazu füllen Sie in die Unguator- oder die Topitec-Spenderdose Basiscreme DAC oder eine andere wirkstofffreie Zubereitung, die als Handcreme hervorragende Dienste leistet
  • Setzen Sie ein geeignetes halbfestes Rezepturkonzentrat ein. Das ist einfacher, spart Zeit und erhöht die Rezepturqualität.


Achten Sie darauf, dass die Mitte der Spenderdose wirkstofffrei bleibt. Denn beim Eintauchen haften Arzneistoffe am Rührwerkzeug, was häufig Mindergehalte bedingt. Deshalb fordert das NRF, am Ende der Herstellung das Primärpackmittel zu öffnen und auf Abwesenheit von Agglomeraten am Mischwerkzeug visuell zu prüfen. Nehmen Sie sich circa drei Minuten Zeit, und schauen Sie sich unter www.zentrallabor.comden Film »Umgang mit elektrischen Rührsystemen« an.

Lösungssysteme

Streuen Sie abgewogene Harnstoffkristalle wegen ihrer guten Wasserlöslichkeit direkt auf die O/W-Creme auf. Hören Sie beim Mischen ein »Kratzgeräusch«, stellen Sie das Gerät sofort ab. Denn die scharfen Kanten des Feststoffs zerkratzen die Spenderdose. Geduld und Rührpausen helfen. Alternativ spülen Sie das Wägeschiffchen mit Wasser oder Laktatpuffer ab. Das beugt Mindergehalten vor, und der Feststoff geht in Lösung.




Wepa Topitec-Spenderkruke

Foto: Wepa Apothekenbedarf


Diese Vorgehensweise verbietet sich bei der Kühlcreme DAB. Denn hier wird die hydrophile Phase rein mechanisch stabilisiert, sie bricht bei weiterer Wasserzugabe sofort. Sie verträgt problemlos bis zu 5 Prozent aufgestreuten Harnstoff, darf aber wegen dessen Scherempfindlichkeit lediglich bei kleinen Umdrehungszahlen mit Pausen gerührt werden.

Wirkstoffe wie Chlorhexidinsalze, Lauromacrogol 400, Steinkohlenteer-Zubereitungen sowie Amonium­bituminosulfonat senken ­als O/W-Emulgatoren­ die Grenzflächenspannung. Beim hochtourigen Rühren ­hydrophiler Cremes verflüssigt sich das System durch die Mischmizellbildung. Verarbeiten Sie die genannten Wirkstoffe im Schongang, denn viele kommen direkt als Flüssigkeit zum Schluss hinzu, wie die 20-prozentige Chlorhexidindigluconat-Lösung oder Steinkohlenteerspiritus. Lauromacrogol muss bei der Zugabe klar und fließfähig sein. Bei Bedarf bitte kurz erwärmen.

Mimose Metronidazol

Das Hautantibiotikum ist wirklich ein Problemarzneistoff: Seine Lösungs­eigenschaften hängen sowohl von der Konzentration als auch von der Temperatur ab. Ein Stresstest zeigte, dass bei Erwärmung der 1-prozentigen Metronidazol Creme NRF 11.91. auf 50°C für zwei Stunden das Metronidazol kandisartig auskristallisiert.




Pulver für Suspensionen werden ringförmig eingestäubt und mit Creme bedeckt.

Foto: ZL


Die mikroskopische Überprüfung vor und nach der Wärmebehandlung bewies dies. Interessanterweise zeigte dieser Kurzversuch auch, dass die bei der Produktion eingearbeitete Luft durch das Krukenmate­rial entweicht; bei Aluminiuntuben dage­gen nicht. Das nichtionische hydrophile Liniment bläht sowohl bei ­manueller als auch bei elektrischer Produktion extrem auf. Deshalb fordern beide Gerätehersteller eine sorgfältige Entlüftung. Ansonsten gerät die Vorverreibung zu voluminös, und der zweite Herstellungsschritt ist nicht mehr möglich. Über die im NRF 11.91. angegebene Dichte von 0,95 g/ml errechnet sich ein Volumen der Creme von 31,58 ml, die in den Spenderdosen mit 42 ml Fassungsvermögen eigentlich genug Platz haben sollte.

Denken Sie bitte daran, die Grund­lage zum Beispiel über Nacht zu kühlen. So wird bei der Produktion die Reibungswärme abgefangen.

Eine Überprüfung mit dem kontaktlos arbeitenden Infrarotthermometer (DAC Probe 22) ergab, dass sich das gekühlte Liniment beim Rühren mit dem Topitec automatic von 12,8°C auf 19,5°C erwärmt. Das vom Unguator e/s gemischte Liniment hatte sich durch längeres Stehenlassen bereits auf 18°C erwärmt und nach dem Mischen laut aktueller Empfehlung mit dem Standardflügelrührer bis über 30°C.


Tabelle: Ringversuche des Zentrallabors mit Metronidazol: Ab 1 % Wirkstoff geht es nicht ohne Vorverreibung oder Rezepturkonzentrat.

Konzentration 0,75 % 1 % 2 % bis max. 3 % 
Galenisches System Lösung z. T. übersättigte Lösung, die zum Auskristallisieren neigt überwiegend Suspension 
Rezeptur NRF 11.65. Hydrophiles Metronidazol Gel 0,75 % NRF 11.91. Hydrophile Metronidazol Creme 1 % 30,0 g Metronidazol 1,5 g Anionische hydrophile Creme DAB zu 75,0 g 
Ringversuch ZL Ringversuch 02/2013 ZL Ringversuch 02/2017 ZL Ringversuch 01/2011 

Nehmen Sie deshalb die Grundlage erst unmittelbar vor der Produktion aus dem Kühlschrank, und arbeiten Sie zügig. Bei der Herstellung sollte Raumtemperatur nicht überschritten werden, bei der die fertige Creme auch zu lagern ist. Hydrophile Metronidazol-Verreibung 10 % der Firma apomix ist immer vorzuziehen. Die enthaltene nichtionische hydrophile Creme SR/DAC lässt sich problemlos mit dem nichtionischen wasserhaltigen Liniment DAC mischen. /


Weiterführende Informationen

Unter www.unguator.com beziehungsweise www.topitec.de finden Sie sowohl für den aktuellen als auch für ältere ZL-Ringversuche Herstellungsanweisungen inklusive Rührparametern.



Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2017

 

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