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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Phytopharmaka

Kraftvoll gegen Husten


Von Kornelija Franzen / Viele Patienten vertrauen bei Husten auf die Kraft von Arzneipflanzen. Tatsächlich ist die expektorierende und reizlindernde Wirkung vieler Arzneipflanzen gut untersucht. Diese evidenzbasierten Phytopharmaka sind eine gute Therapieempfehlung für hustengeplagte Patienten.

 

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Husten ist ein wichtiger Schutzmechanismus der Atemwege. Er setzt immer dann ein, wenn die Selbstreinigungskraft der Bronchien, die mukoziliäre Clearance, versagt. Am häufigsten tritt er als typisches Begleitsymptom eines banalen grippalen Infekts auf. Ein solcher akuter Erkältungshusten ist üblicherweise nach ein bis zwei Wochen überstanden und zeigt einen charakteristischen Verlauf.




Foto: Shutterstock/file404


Zu Beginn der Infektion verspürt der Patient einen eher trockenen Reizhusten, begleitet von Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Durch die vermehrte Sekretproduktion der Bronchialschleimhaut verändert sich der Husten im Laufe der Erkrankung, er wird zunehmend produktiver. Die letzte Erkrankungsphase ist schließlich geprägt von trockenem und vielfach quälendem Reizhusten. Er ist Ausdruck einer gesunkenen Reizschwelle der Hustenrezeptoren. Durch die starke Entzündung und Schädigung des Atemwegsepithels sind die Rezeptoren überempfindlich. Dann führen selbst äußere Faktoren wie kalte Luft oder körperliche Anstrengung zu Hustenreiz, obwohl der eigentliche Infekt längst abgeklungen ist.

Ein unkomplizierter Husten bei einer Erkältung ist im Rahmen der Selbstmedikation gut behandelbar. Die evidenzbasierte Phytotherapie hat dabei einen hohen Stellenwert. Anders als definierte chemische Einzelsubstanzen sind Pflanzenextrakte Vielstoffgemische, die auf mehreren Ebenen regulativ ins Krankheitsgeschehen eingreifen. Neben expektorierenden und reizlindernden Eigenschaften besitzen sie häufig auch eine antientzündliche, daneben eine antimikrobielle und/oder antivirale Wirkung oder zeigen immunstimulierende Effekte. Insgesamt wird so das Risiko bakterieller Sekundärinfektionen gesenkt und der Erkältungsverlauf günstig beeinflusst. Darüber hinaus punkten standardisierte pflanzliche Zubereitungen mit guter Verträglichkeit. Sie können in vielen Fällen bereits bei Kleinkindern eingesetzt werden.

Schwer vergleichbar

Fertigarzneimittel sind untereinander allerdings oft schwer vergleichbar. Die Qualität der Arzneipflanze, der konkrete Herstellungsprozess sowie die Reproduzierbarkeit des definierten Extrakts­ sind für die Wirkung ausschlaggebend. Entsprechende Studienergebnisse beziehen sich demnach ausschließlich auf das untersuchte pflanzliche Fertigarzneimittel und lassen sich nicht ohne Weiteres auf ähnliche Pflanzen­extrakte übertragen. Ein wichtiger Punkt, den PTA und Apotheker bei ihrer Beratung berücksichtigen sollten.


Grenzen der Selbstmedikation

  • Atemnot
  • schmerzhafter Husten
  • blutiger oder verfärbter (grün-gelblich) Auswurf
  • hohes (> 39°C) Fieber
  • Husten in Verbindung mit Me­dikamentenneueinstellung
  • Husten ohne ersichtliche Ursache
  • Husten länger als drei Wochen


Trocken oder eher produktiv? So lautet­ die Gretchenfrage, wenn es um eine gezielte Hustentherapie geht. Berichtet der Patient von festsitzendem oder verschleimtem Husten, sind Expektoranzien Mittel der Wahl. Dabei kann die auswurffördernde Wirkung prinzipiell auf dreierlei Weise erfolgen: mukolytisch, also durch Senkung der Viskosität des zähflüssigen Schleims, sekretolytisch, durch Erhöhung des Sekret­volumens, und sekretomotorisch, durch Anregung der Zilientätigkeit. In der Praxis beeinflussen sich diese Eigenschaften allerdings unter­einander und sind nicht klar voneinander zu trennen.

Efeu, Thymian und Primel

Zu den bewährten expektorierenden Präparaten zählen Auszüge aus Efeublättern (Saponine), Eukalyptusblättern (ätherisches Öl), Thymiankraut (ätherisches Öl) und Primelwurzel (Saponine­). Aber auch Anis- und Fenchelfrüchte (ätherisches Öl), Süßholzwurzel (Saponine) sowie das ätherische Öl aus Pfefferminzblättern, Fichten- und Kiefernnadeln eignen sich zur Behand­lung festsitzenden Hustens. Auszüge aus Thymiankraut und Efeublättern wirken zusätzlich bronchospasmolytisch. Sie sind somit bestens geeignet zur Therapie bei Krampfhusten. Beta-2-adrenerge Effekte scheinen hierbei eine entscheidende Rolle zu spielen.

Bei Patienten beliebt sind pflanz­liche Zubereitungen zur äußeren Ein­reibung, Inhalation oder Badezusätze. Sie werden auf Basis ätherischer Öle hergestellt, die dank ihrer lipophilen Eigen­schaften gut resorbiert werden können. PTA und Apotheker können zu diesem Zweck entsprechende Erkältungssalben und -bäder empfehlen (zum Beispiel Transpulmin®, Pinimenthol®). Für Kleinkinder müssen kampfer- und mentholfreie Präparate abgegeben werden (zum Beispiel Babix­®, Eucabal Balsam S, Transpulmin® Kinder).




Foto: Shutterstock/Kzenon


Gut untersucht ist die Wirkung des Efeu-Spezialextrakts EA 575®, besser bekannt als Prospan®. Patienten­studien haben die Wirksamkeit der Produkt­gruppe bei akutem Husten belegt. Sein Wirkmechanismus ist auf molekularer Ebene aufgeklärt. Der Efeu-Spezialextrakt steht in verschiedenen Darreichungsformen für Kinder und Erwachsene zur Verfügung. PTA und Apotheker sollten Patienten darauf­ hinweisen, Saft oder Tropfen vor der Einnahme gut zu schütteln beziehungsweise die Einmalportionsbeutel kräftig durchzukneten.

Besser in Kombination

Die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten (wird derzeit überarbeitet) befür­wortet ausdrücklich die Anwendung einer Kombination aus Thymian und Efeu (Bronchipret® Saft TE und Tropfen) sowie aus Thymian und Primelwurzel (Bronchipret® TP Filmtabletten®). Die Grundlage der positiven Be­wertung sind überzeugende Studien. Im Vergleich zu Placebo zeigte die Anwendung beider Kombinationen eine Verkürzung der Beschwerdezeit und weniger Hustenepisoden. Es wird angenommen, dass sich die symptomverbessernden Wirkungen der einzelnen Arzneipflanzen des untersuchten Mischextrakts nicht bloß addieren, sondern synergistisch ergänzen.

Das Präparat GeloMyrtol® forte gehört ebenfalls zu den evidenzbasierten pflanzlichen Expek­toranzien. Es enthält das standardisierte Mischdestillat Myrtol®, das sich aus Eukalyptus-, Myrten-, Süß­orangen- und Zitronenöl zusammensetzt. Seine sekretnormalisierenden und antientzündlichen Eigenschaften wurden ebenfalls in Studien belegt. Die magensaftresistenten Weichkapseln werden dreimal täglich vor dem Essen eingenommen. Bei Asthma, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich und Leberfunktionsstörungen ist das Präpa­rat kontraindiziert.

Bei entzündlichen Bronchialerkrankungen können PTA und Apotheker auch zur Anwendung von Umckaloabo­® raten. Es enthält den gut untersuchten Spezialextrakt EPs® 7630, der aus den Wurzeln der südafrikanischen Kapland-Pelargonie gewonnen wird. Wirk­bestimmend sind enthaltene Cuma­rine. Umckaloabo wird in Form von Saft, Tropfen und Tabletten angeboten. Saft und Tropfen können bereits bei Kindern ab einem Jahr eingesetzt werden. Bei der Abgabe ist zu beachten, dass Umckaloabo bei schweren Leber­erkrankungen kontraindiziert ist. Außerdem ist Vorsicht geboten bei Patien­ten mit Blutungsneigung und bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien.


Zusatz-Tipps bei Husten

  • Nicht rauchen, auch Passiv­rauchen meiden
  • ausreichend trinken
  • Wasserdampf inhalieren, eventuell mit Kamille­extrakt versehen
  • für hohe Luftfeuchtigkeit in Räumen sorgen, zum Beispiel durch feuchte Tücher auf der Heizung
  • in die Armbeuge husten, nicht in die Hand
  • Hände häufig waschen oder desinfizieren


Zum Ende der Erkältung dominiert ein mehr oder weniger stark ausgeprägter trockener Reizhusten. Wohltuend wirken hier sogenannte Mucilaginosa. Dabei­ handelt es sich um Pflanzenauszüge aus Eibischwurzeln (zum Beispiel Phytohustil®), Malvenblättern und -blüten (zum Beispiel Neo angin® junior Halsschmerzsaft), Isländisch Moos (zum Beispiel Aspecton® Hustenstiller, Isla® Pastillen), Primelwurzelextrakt (zum Beispiel in Ipalat®) sowie Spitz­wegerichblättern (zum Beispiel Broncho-Sern®). Die Extrakte zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Mucopolysacchariden aus, die sich wie ein Pflaster auf die gereizten Epithelien legen­ und sensible Hustenrezeptoren beruhigen. Um Karies vorzubeugen, sollte vor dem Schlafengehen auf zuckerhaltige Hustensäfte verzichtet werden. Zubereitungen mit Zucker­austauschstoffen sind hier die bessere Wahl.

Wann zum Arzt?

Als Faustregel gilt: Husten, der weniger als drei Wochen anhält, wird als akut eingestuft und kann im Rahmen der Selbstmedikation eigenständig be­handelt werden. Länger andauernde Beschwerden müssen ärztlich ab­geklärt werden, um Erkrankungen wie Asthma, COPD, Keuchhusten, Tuber­kulose oder ein Bronchialkarzinom auszuschließen.

Weitere Begleitsymptome, die einen Arztbesuch erfordern, sind Atemnot, Schmerzen beim Husten, anhaltend hohes Fieber und verfärbter oder blutiger Auswurf. Hellhörig sollten PTA und Apotheker werden, wenn von plötzlich einsetzenden, heftigen Hustenattacken ohne Begleitsymptome bei Kleinkindern die Rede ist. Hier ist eine Fremdkörperaspiration möglich.

Hustenattacken, die vor allem nachts und in Verbindung mit Sodbrennen auftreten, weisen auf die gastroösophagale Refluxkrankheit hin. /


Phytopharmaka mit expektorierender Wirkung (Beispiele)

Efeublätter

Prospan® Saft (ab 1 Jahr), Tropfen, Hustenliquid, BTA, LUT Sinuc® Saft (ab 1 Jahr), Tabletten, BTA

Eukalyptusöl

Exeu® (ab 12 Jahren)

Thymiankraut + Efeublätter + Primelwurzel

Aspecton® Saft (ab 1 Jahr), Tropfen (ab 2 Jahren) Tussamag® Hustensaft N, auch zuckerfrei (ab 1 Jahr) Bronchipret® TE Saft (ab 1 Jahr) Bronchicum® Elixir (ab 6 Monaten), Saft, Kapseln Bronchipret® TP FTA (ab 12 Jahren)

Myrtol

GeloMyrtol® forte, Myrtol® (ab 6 Jahren)

Kapland-Pelargonie

Umckaloabo® Saft, Tropfen (ab 1 Jahr), FTA (ab 12 Jahren)


Phytopharmaka mit antitussiver Wirkung (Beispiele)

Eibischwurzel

Phytohustil® Husten­reizstiller Sirup (ab 1 Jahr), Pastillen

Isländisch Moos + Malven­blüten

Aspecton® Hustenstiller (ab 1 Jahr) Isla®, Isla® junior Pastillen (ab 4 Jahren) Neo angin® junior Halsschmerzsaft (ab 1 Jahr)

Spitzwegerichblätter

Broncho-Sern® Sirup (ab 2 Jahren)




Heiß getrunken: Hustentees beruhigen das gereizte Schleimhautepithel.

Foto: Okapia KG/th-foto





Beitrag erschienen in Ausgabe 18/2017

 

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