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BERATUNGSPRAXIS

Neurodermitis

So stimmt die Basis


Von Isabel Weinert / Zwischen 20 und 30 Prozent der von Neurodermitis betroffenen Kinder werden auch als Erwachsene von Ekzemen gequält. Eine konsequente Basistherapie spielt in jedem Lebensalter eine entscheidende Rolle.

 

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Damit eine Basistherapie wirken kann, also den Juckreiz lindert und den Zeitraum bis zum nächsten akuten Schub verzögert, muss sie regelmäßig und abhängig vom Stadium mit geeigneten Präparaten zum Einsatz kommen. Regel­mäßig bedeutet, wenigstens zweimal pro Tag, und zwar auch dann, wenn sich die Haut gerade in einem guten Zustand befindet. Stadien­gerecht meint, dass Basispflege auf jeder Eskalationsstufe der Neuro­dermitis selbstverständlich dazugehört, jedoch mit dem Hautzustand angepassten Grundlagen: Bei akut entzündeter Haut helfen Cremes mit höherem Wasseranteil. In der Regel handelt es sich dann um O/W-Zubereitungen. Zeigt sich die Haut hingegen trocken, bringen lipophile Zubereitungen mehr Erleichterung – zumeist W/O.




Nach dem pflegenden Bad die Haut mit weichen Handtüchern trockentupfen – das vermeidet unnötige Irritationen.

Foto: Shutterstock/kitty



Eine allgemeine Empfehlung, welche Produkte in welchem Stadium helfen, existiert nicht. Vielmehr braucht eine erfolgreiche Therapie eine individuelle Beratung. Der Patient muss in der Regel verschiedene Grundlagen ausprobieren, bis er die für ihn passenden ge­funden hat. Die Empirie zeigt darüber hinaus, dass auch Jahreszeit und Lebens­alter mitbestimmen, mit welcher Basispflege Menschen mit Neurodermitis gut zurechtkommen. Im Sommer geben viele Betroffene Cremes mit einem höheren Wasser­anteil den Vorzug, Kinder und ältere Menschen präferieren jedoch oft solche mit einem tendenziell höheren Fett­anteil.

Zur Basispflege zählt nicht nur das Eincremen, sondern auch die Hautrei­nigung, um neben Schmutz und mög­lichen Allergenen auch Cremereste zu entfernen. Anstelle von Seifen benutzen Menschen mit Neurodermitis am besten Syndets, die einen pH-Wert zwischen 5,5 und 6,0 aufweisen und keine Konservierungsmittel und Duftstoffe enthalten. Die Wassertempe­ratur beim Duschen und Baden darf nicht zu heiß sein, und zehn Minuten reichen aus. Medizinische Badezusätze eignen sich, aber auch Wasser allein verrichtet seinen Dienst. Um die Haut zu trocknen, tupft man sie am besten nur ab und verwendet dafür weiche Hand­tücher oder schnell trocknende Camp­ing-Handtücher. Bei geeigneter Temperatur kann die Haut auch an der Luft trocknen.

Wer auf Ölbäder setzt, ist mit spreitenden Produkten gut bedient. Sie hinterlassen einen Ölfilm auf der Haut. Ein darin gebadetes Baby oder (Klein-)Kind heben Eltern deshalb jedoch am besten mit einem Handtuch aus dem Wasser, damit ihnen der Körper nicht aus den Händen gleitet. Zu den spreitenden Öl­bädern zählen Excipial® Mandelöl-Bad und Neuroderm® Mandelölbad.

Für die Pflege kommen vor allem Produkte mit Moistu­rizer zum Einsatz. Denn die bei Neurodermitikern extrem trockene Haut zu hydratisieren, ist ein zentrales Anliegen. Zudem soll die Basispflege die Hautbarriere stärken und selbst nichts enthalten, was den Hautzustand verschlechtern könnte.

Glycerol und Harnstoff spielen die Haupt­rollen unter den Feuchthaltemitteln. Glycerol bindet in Konzentrationen zwischen 5 und 15 Prozent Wasser im Stratum corneum. Der hygroskopische dreiwertige Alkohol stabilisiert darüber hinaus die Barrierefunktion der Haut. Glycerol eignet sich bereits für die Haut von Kindern unter drei Jahren.

Häufig werden Glycerol und Harnstoff in Pflegeprodukten kombiniert. Mit gängigen Emulgatoren lassen sich aus Glycerol Basispflegeprodukte als W/O- und O/W-Cremes herstellen. Der Emulsionstyp W/O liegt zum Beispiel in der Eubos® Haut Ruhe Creme vor, die zusätzlich Nachtkerzenöl sowie 0,25 Prozent Harnstoff enthält. Ohne Harnstoff kommen beispielsweise die Eubos® Haut Ruhe Lotion (O/W), die Eucerin® AtopiControl Creme (W/O), die Dermasence® Adtop Creme (O/W) und das Medizinprodukt Dexeryl® Creme (O/W) daher.

Harnstoff eignet sich für Erwachsene in Konzentrationen von 5 bis 10 Prozent, für Kinder liegen sie zwischen 2 und 3 Prozent. Die Substanz erhöht den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und gleicht den transepidermalen Wasserverlust aus. Auf entzündeter beziehungsweise aufgekratzter Haut und bei Kindern unter drei Jahren darf Harnstoff nicht eingesetzt werden, denn nach dem Auftragen kann die Haut brennen beziehungsweise irritiert rea­gieren. Basispflegeprodukte mit Harnstoff ohne Glycerol findet der Patient zum Beispiel in Allergika® Lipolotio Urea 5% sowie in den Arzneimitteln Basodexan® Fettcreme und -salbe, Elacutan® Fettcreme und in der amphiphilen Linola® Urea Creme.

Von wegen Emulgator-Furcht

Äußern Neurodermitiker Angst vor Emulgatoren, können PTA und Apo­theker sogenannte DMS-Cremes empfehlen. Sie enthalten Glycerol und Ceramide, keinen Harnstoff und sind frei von Emulgatoren. Definiert sind diese Produkte als emulgatorfreie Ve­hikelsysteme, die chemisch und physikalisch der natürlichen Hautbarriere gleichen. Präparate, die auf dem DMS-Konzept basieren, heißen zum Beispiel Bepanthen® Sensiderm Creme, Optolind® empfindliche Haut Reichhaltige Creme oder Physiogel® Calming Relief A.I. Body Lotion.

Enthalten Pflegeprodukte mit Glycerol und/oder Harnstoff auch Ceramide, tragen sie die Bezeichnung »Repair«. Allerdings gibt es auch einige Zu­bereitungen, die den Zusatz tragen, obwohl Ceramide fehlen. Deshalb lohnt bei der Angabe »Repair« der Blick auf die deklarierten Inhalts­stoffe. Ceramide sind Lipide, die auch natürlicherweise im Stratum corneum vorkommen, dort für eine gute Ver­netzung der einzelnen Hautzellen sorgen und wie Kittsubstanzen wirken. Äußerlich aufgetragen verbessern sie die Hautfeuchte und reduzieren schuppige Areale. Zu den Ceramid­-haltigen Präparaten zählen zum Beispiel Alfason® Repair Creme, Eucerin® Complete Repair Lotion 5 % Urea sowie Neuroderm® Repair Creme.

Wenn vom Arzt nicht anders verordnet, sollten PTA und Apotheker von Präparaten, die einen Okklusionseffekt hervorrufen können, abraten. Die dabei entstehende fett-feuchte Kammer kann Entzündungen ver­stärken. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2017

 

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