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BERATUNGSPRAXIS

Rhinosinusitis

Phytos helfen


Von Ulrike Viegener / Das Winterdauerthema Schnupfen fordert auch diese Saison wieder die Beratungskompetenz von PTA. Sie können einiges empfehlen, darunter pflanzliche Arzneimittel, die ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben.

 

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Schnupfen im Winter beruht in aller Regel auf einer viral bedingten Entzündung der Schleimhäute von Nase und Nebenhöhlen, die fast immer gemeinsam infiziert sind. Deshalb der Fachterminus »Rhinosinusitis«. Im Fall eines Schnupfens verstopfen die Öffnungen der Nebenhöhlen zur Nase hin, sodass in den normalerweise gut be­lüf­teten Hohlräumen ein ideales Klima für die eingedrungenen Erreger entsteht.




Foto: iStock/Squaredpixels


Zwar ist die akute Rhinosinusitis harmlos, ihre Symptome beeinträchtigen jedoch Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit, und sie verhindern nicht selten einen erholsamen Schlaf. Weil die Schleimhäute anschwellen und mehr Sekret entsteht, ist die Nase dicht, das Atmen fällt schwerer und ist mit einem unangenehmen Enge- und Druckgefühl verbunden. Begleitet wird der Schupfen oft von Gesichts- und Kopfschmerzen, und auch der vorübergehende Verlust des Geruchssinns ist ein typisches Symptom.

Bakterien sind bei diesem Geschehen nur in unter zehn Prozent der Fälle im Spiel und wenn, dann in der Regel im Sinne einer Superinfektion im Ge­folge eines viralen Infekts. Antibiotika – das folgt daraus – sind beim akuten Schnupfen in der Wintersaison in den seltensten Fällen erforderlich.

Starke oder sich im Verlauf verschlimmernde Beschwerden sowie Fieber über 38,5 Grad weisen auf eine Beteiligung von Bakterien hin. Dann sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Auch Menschen mit COPD (chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung), einer anderen Atemwegserkrankung oder einer Abwehrschwäche sollten bei einem Schnupfen vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen, weil in diesen Fällen das Risiko bakterieller Infektionen erhöht ist.

In den allermeisten Fällen jedoch ist der Winterschnupfen banaler Natur und erlaubt deshalb eine Selbstmedikation. Laut der S2k-Leitlinie »Rhinosinusitis«, die 2017 in über­ar­beiteter Version erschienen ist, sind BNO 1016 (Sinupret ­extract®) und definierte Eukalyptusextrakte »mit gutem Gewis­sen« zu empfehlen. Für den patentierten Mischextrakt BNO 1016 aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblume liegen zwei randomisierte, placebo-kontrollier­te Studien an insgesamt 600 Patienten mit akuter Rhinosinusitis vor: In einer Tagesdosis von 480 mg linderte BNO 1016 die Beschwerden signifikant und beschleunigte den Heilungsverlauf um im Mittel vier Tage. Auch die gute Verträglichkeit erfüllt die Forderungen an ein Schnupfen­präparat zur Selbstmedikation.


Farbe wenig aussagekräftig

Eine grün-gelbliche Färbung des Schleims gilt als sicheres Indiz dafür, dass bei einer Rhinosinusitis oder einer Bronchitis Bakterien im Spiel sind. Diese Ansicht hält sich hartnäckig und ist nicht selten Anlass für die Gabe eines Antibiotikums. Allerdings ist sie oft falsch. Bei der systematischen Untersuchung von grün-gelb gefärbten Sputumproben ließen sich Bakterien in weniger als 50 Prozent der Fälle nachweisen.


Cineol und Myrtol beurteilen die Autoren der Leitlinie ebenfalls positiv. Auch für diese Wirkstoffe gibt es kon­trollierte Studien, die dokumentieren, dass sich die Beschwerden rascher bessern und die Schleimhautent­zündung schneller abheilt. Cineol ist Haupt­bestandteil des ätherischen Öls in blauem Eukalyptus und weiteren Euka­lyptus­arten, kommt aber auch in vielen anderen Pflanzen wie Salbei, Lorbeer und Rosmarin vor. Der Wirkstoff besitzt laut experimentellen Studien schleimlösende und entzündungshemmende Eigenschaften, was gut zu den klinischen Ergebnissen passt. Cineol steht in verschiedenen Darreichungsformen zur systemischen und äußerlichen Anwendung zur Verfügung.

Myrtol wirkt mehrgleisig

Myrtol wird aus den Ölen von Eukalyptus, Myrte sowie von Süßorangen und Zitronen gewonnen. Experimentell sind verschiedene Effekte belegt, die dem komplexen pathophysiologischen Geschehen bei Rhinosinusitis Rechnung tragen. Neben der sekretolytischen Wirkung besitzt Myrtol auch ­einen sekretomotorischen Effekt: Die Substanz steigert die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen und sorgt so für einen schnelleren Abtransport des Schleims. Außerdem bremst Myrtol die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine, die bei der Schleimhautentzündung in Nase und Nebenhöhlen eine große Rolle spielen. Und noch etwas könnte in dieser Indikation von Vorteil sein: Myrtol hemmt das Wachstum von Streptococcus pneumoniae und Hämophilus influenzae und ist so möglicherweise in der Lage, einer bakteriellen Super­infektion vorzubeugen. Anwender von GeloMyrtol® forte Kapseln sollten im Beratungsgespräch darauf hingewiesen werden, dass die magensaftresistenten Weichkapseln am besten mit einem Glas Wasser in Zimmertemperatur einzunehmen sind, um eine vorzeitige Freisetzung des Wirkstoffs sicher auszuschließen.




Foto: iStock/IPGGutenbergUKLtd


Umckaloabo®, ein standardisierter Extrakt aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie, der in erster Linie bei akuter Bronchitis zum Einsatz kommt, eignet sich möglicherweise auch, um eine akute Rhinosinusitis zu behandeln. Darauf weist die Leitlinie ausdrücklich hin. Es gebe eine kontrollierte Studie, die eine Wirkung des Wurzelextrakts in dieser Indikation nahe­lege. Zu Echinacea-Extrakten dagegen lägen keine Studien­ergebnisse vor, mit denen sich die Anwendung bei akuter Rhinosinusitis begründen ließe.

Viele Schnupfengeplagte fragen in der Apotheke nach einem abschwellenden Nasenspray. Zweifellos ist dies die schnellste Methode, um die Nase frei zu bekommen, und bei kurzer Anwendung ist nichts dagegen einzuwenden. Alpha-Sympathomimetika hemmen die Sekretproduktion und schwellen die Schleimhaut ab, indem sie die nasalen Blutgefäße eng stellen.

Zehn Tage sind das Limit

Die Gefahr dabei: Schon innerhalb kurzer Zeit treten Abhängigkeitsphänomene auf. Immer höhere Dosen des ­alpha-Sympathomimetikums in immer kürzeren Abständen sind erforderlich, sonst macht die Nase komplett dicht. Die Schleimhäute sind jetzt dauerhaft stark angeschwollen. Im weiteren Verlauf dieses als Rhinitis medicamentosa bezeichneten Krankheitsbildes trocknen die Schleimhäute aus und bilden sich zurück. Im schlimmsten Fall besiedeln Keime, die einen fauligen Geruch verursachen, die Schleimhäute.

Vor diesem Hintergrund kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass Nasensprays und Nasentropfen mit alpha-Sympathomimetika nur kurzfristig angewendet werden sollen, das heißt, maximal zehn Tage am Stück. Ein Nasen­spray darf außerdem jeweils nur von einer Person genutzt werden, und weil bei der Handhabung nicht selten Fehler passieren, lohnt es, sie im Einzelfall zu erklären.

Die systemische Gabe von alpha-Sympathomimetika stellt auch eine bessere Durchlüftung der Neben­höhlen sicher, die in aller Regel mit betroffen sind. Das bestuntersuchte orale alpha-Sympathomimetikum ist Pseudoephedrin, das gut abschwellend wirkt und ein vergleichsweise günstiges Sicherheitsprofil besitzt. Grundsätzlich können alle Wirkstoffe dieser Klasse dosisabhängig zu unerwünschten Herz-Kreislauf-Reaktionen wie Blutdruckanstieg und Herzrasen führen. Mit eventuell gefährlichen Arzneimittelinteraktionen ist unter anderem bei gleichzeitiger Gabe von MAO- Hemmern, trizyklischen Antidepressiva und Antihypertensiva zu rechnen.

Nasensprays mit hypertoner Salz­lösung (etwa Rhinomer® plus, Olynth® Ectomed) weisen einen relativ hohen Salzgehalt auf und schwellen die Nasenschleim­haut auf osmotischem Weg ab. Gewöhnungseffekte sind bei diesem rein physikalischen Wirkprinzip nicht zu befürchten. Nasenduschen und Nasenspülungen mit isotoner beziehungsweise leicht hypotoner Kochsalzlösung eignen sich unterstützend bei Infekten der oberen Atemwege. Auch die Inhalation warmer Dämpfe wird in der aktualisierten deutschen Leitlinie als geeignete Maßnahme beurteilt, um die oberen Atemwege zu befreien. Für den Zusatz ätherischer Öle gebe es jedoch keine Evidenz.

Die Anwendung von Sekretolytika wie Acetylcystein und Ambroxol bei Rhinosinusitis ist ebenfalls nicht durch Studien abgesichert. Das gilt auch für die Kombination von Vitamin C und Zink, die bei Erkältungen oft zur Immunstimulation angewendet wird. Gut belegt ist dagegen die Wirksamkeit von Analgetika beziehungsweise NSAR bei erkältungsbedingten Kopf- beziehungsweise Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit.

Pollenflug im Dezember

Leichtes Fieber ist in Zweifelsfällen ein relativ sicheres Zeichen, dass es sich tatsächlich um einen virusbedingten Schnupfen und nicht um einen Heuschnupfen handelt. Wässriges Sekret und häufiges Niesen sprechen eher für eine Allergie. Wenn in den Wintermonaten schnupfengeplagte Menschen in der Apotheke vorsprechen, liegt es nahe, von einer Erkältung auszugehen. Sicher kann man sich dessen heute jedoch nicht mehr sein. Warme Winter führen dazu, dass Pollen von Frühblühern Allergi­kern bereits im Dezember zu schaffen machen. Bei allergischem Schnupfen – und nur dabei, betonen Experten – sind Antihistaminika die Medikamente der Wahl. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2017

 

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