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INFLUENZA

Schwangerschaft

Gut geschützt durch die Grippezeit


Von Michael van den Heuvel / In regelmäßigen Abständen warnen das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut, bestimmte Personengruppen würden die Influenza-Prophylaxe nicht ernst genug nehmen. Auch werdende Mütter sind besonders gefährdet, sich mit Influenzaviren anzustecken. Mit der Schutzimpfung und einigen Hygienemaßnahmen können sie das Risiko einer Infektion minimieren.


Seit dem Jahr 2010 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut Risikopatienten, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. Doch der Graben zwischen dieser Empfehlung und der Wirklichkeit ist oft recht groß. Deshalb wollte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durch eine Befragung Ende 2015 klären, ob die verschiedenen Risikogruppen die entsprechenden Ratschläge kennen.




Lassen sich Schwangere nicht gegen Influenza impfen, ist ihr Risiko während einer Grippewelle erhöht, dass die Viren zu schweren Krankheitsverläufen führen.

Foto: Shutterstock/Image Point Fr


Ein Ergebnis: Lediglich 41 Prozent aller Schwangeren kannten die Empfehlung der STIKO. Bei chronisch Erkrankten waren es 49 Prozent und bei Senioren 73 Prozent. »Gerade während der Schwangerschaft ist die Immunabwehr weniger aktiv, sodass Schwangere anfälliger für Infek­tionen sind«, kommentierte BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss die Zahlen.

Impfen – aber sicher

Häufig erfahren PTA oder Apotheker schon recht früh von der Schwangerschaft einer Kundin. Daher kommt ihnen eine wichtige Aufgabe zu: Vor allem in den Herbstmonaten sollten sie die Frauen aktiv auf die Möglichkeit der Impfprophylaxe gegen Influenzaviren ansprechen. Der ideale Zeitpunkt liegt im Oktober oder im November. Doch auch spätere Impfungen sind möglich. Dabei sollte bedacht werden, dass der Körper bis zu 14 Tage braucht, um den maximalen Schutz aufzubauen. Im Jahr 2016 begann die Grippewelle laut RKI-Arbeitsgemeinschaft Influenza in der fünften Kalenderwoche und endete in der 13. Kalenderwoche.

Einige Kundinnen lehnen die Impfung gegen Influenzaviren aus verschiedenen Gründen ab. Einerseits unterschätzen sie die gesundheitlichen Folgen der »echten« Grippe. Andererseits befürchten sie, Vakzine könnten ihnen oder dem ungeborenen Leben schaden. Mit beiden Fragestellungen haben sich Wissenschaftler intensiv beschäftigt. Sie geben Entwarnung.

Eine Arbeitsgruppe aus Norwegen wertete Daten von 117 347 Schwangeren aus, die sich gegen das Pandemie-Virus H1N1 impfen ließen. Die Virusvariante H1N1 ist mit saisonalen Grippeviren eng verwandt und die Impfungen sind daher vergleichbar. Die Wissenschaftler konnten auf so umfangreiche Daten zugreifen, weil die norwegische Regierung Schwangeren während der Influenzawelle zum Jahreswechsel 2009/10 erstmals zu einer Grippe-Impfung geraten hatte. Bei ihrer Analyse fand die Arbeitsgruppe keine Anhaltspunkte für eine höhere Todesrate der Ungeborenen.

Häufiger Komplikationen

Ohne Impfung sind werdende Mütter sehr wohl gefährdet. Aktuelle Daten des RKI zur saisonalen Influenza sowie zur Influenza-Pandemie 2009 zeigen, dass bei den Schwangeren das Risiko für schwere Krankheitsverläufe erhöht ist. Während der Pandemie zum Jahreswechsel 1957/58 entfiel die Hälfte aller Influenza-bedingten Todesfälle auf Schwangere. Außerdem treten bei den ungeimpften Frauen häufiger Komplikationen auf, wenn sie an Grippe erkranken, zum Beispiel eine Früh­geburt oder sogar eine Tot­geburt.

Das erhöhte Risiko für Komplikationen hängt mit physiologischen und immunologischen Vorgängen zusammen, die während einer Schwangerschaft im Körper ablaufen. Diese Veränderungen machen werdende Mütter empfänglicher für virale Erreger wie das Influenzavirus und begünstigen schwere Krankheitsverläufe. Wer sich impfen lässt, hat somit deutlich die »besseren Karten«.




Grippe oder banale Erkältung? Bei plötzlichem Fieber, Kopf- und Halsschmerzen sollten Schwangere ihren Arzt aufsuchen, damit dieser die korrekte Diagnose stellt.

Foto: Shutterstock/Iakov Filimonov


Da alle für Erwachsene zugelas­senen Influenzaimpfstoffe zu den Totimpfstoffen gehören, ist die Anwendung in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich. Gesunden Schwangeren empfiehlt die STIKO, sich erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel impfen zu lassen. Das hat nicht unbedingt medizi­nische Gründe. Vielmehr wollen die Experten verhindern, dass die Frauen die im ersten Schwangerschaftsdrittel häufigeren Spontanaborte fälsch­licherweise mit der Impfung in Verbindung bringen. Dies könne einzelne Betroffene psychisch besonders belasten, schreibt die STIKO. Patientinnen mit chronischen Grunderkrankungen sollten unabhängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden. Antivirale Arzneistoffe sind in diesem Fall nur die zweite Wahl.

Rettende Pharmakotherapie

Klagen Schwangere in der Apotheke über Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, plötzliches Fieber über 38,5 °C und trockenen Husten, deutet viel auf eine Infektion mit Influenza-Viren hin. Hier sind die Grenzen der Selbstmedikation erreicht. PTA und Apotheker sollten den Frauen unbedingt raten, ihren Arzt aufzusuchen. Dieser wird zur Abklärung einen Schnelltest auf virale Antigene durchführen. Mittlerweile ist die Sensitivität der Tests recht gut. Im Zweifelsfall kann der Arzt auch bei negativem Testergebnis mit der Therapie beginnen, um keine Zeit zu verlieren.

Bei Schwangeren mit schweren Grunderkrankungen entscheidet sich der Arzt möglicherweise für Neuraminidasehemmstoffe. Dann muss der Erkrankungsbeginn jedoch weniger als 48 Stunden zurückliegen. Diese Arzneistoffe kann er auch als Postexposi­tionsprophylaxe einsetzen, wenn die Schwangere engen Kontakt mit einem Grippekranken hatte oder noch hat.

Experten des Internetportals Embryotox, das unter anderem Mitarbeiter der Charité und des Bundesministe­riums für Gesundheit betreuen, bewerten das Gefährdungspotenzial von Oseltamivir anhand der Datenlage als »mittel« und von Zanamivir als »gering«. In beiden Fällen liegen bislang keine Hinweise vor, dass die Wirkstoffe dem Ungeborenen oder der Mutter schaden könnten. Doch grundsätzlich sollten sich Ärzte eher für die Impfung entscheiden.

Guter Start ins Leben

Von Vakzinen profitieren nicht nur die Schwangeren selbst, sondern auch ihr Nachwuchs. In den ersten Monaten werden Säuglinge durch Antikörper geschützt, die sie durch die Plazenta aufnehmen. Ihr Immunsystem entwickelt sich erst nach und nach. Forscher aus den USA konnten jetzt zeigen, dass eine Impfung während der Schwangerschaft auch die Neugeborenen in den ersten sechs Monaten ihres Lebens zuverlässig vor Influenza schützt. Dazu werteten sie Daten von rund 50 000 Kindern aus. Jede zehnte Mutter hatte sich gegen die saisonale Influenza impfen lassen.

In den ersten sechs Lebensmonaten erkrankten genau 866 Säuglinge beziehungsweise Kleinkinder an grippeähnlichen Symptomen. Bei 638 der kleinen Patienten wieden Ärzte im Labor Grippeviren nach. Darunter waren nur 20 Kleinkinder, deren Mütter eine Schutzimpfung erhalten hatten. Außerdem verlief die Krankheit bei den Säuglingen weniger schwer, bei denen ein Krankenhausaufenthalt erforderlich war. /


Hygienetipps – nicht nur für Schwangere

  • Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände mit handelsüblicher Seife. Reinigen Sie dabei auch die Fingerzwischenräume, die Fingerspitzen und die Handflächen.
  • Desinfektionsmittel sind nicht erforderlich.
  • Vermeiden Sie die Berührung von potenziell mit Viren kontaminierten Gegenständen oder Kontaktflächen. Dazu zählen Türklinken, Geländer, aber auch Griffe und Knöpfe in öffentlichen Verkehrsmitteln. Handschuhe aus Stoff oder Leder bieten einen gewissen Schutz.
  • Berühren Sie die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen nicht mit den Fingern. Oft gelangen Influenzaviren über diesen Weg in den Körper.
  • Meiden Sie – falls möglich – große Menschenansammlungen. Fahren Sie besser mit dem Auto zur Arbeit als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Besuchen Sie in der Risikozeit auch keine Veranstaltungen wie Konzerte oder Kinovorführungen.
  • Verzichten Sie auf das Händeschütteln.
  • Niesen Sie nicht in Ihre Hände, sondern besser in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.
  • Lüften Sie Räume mindestens dreimal täglich für zehn Minuten.
  • Meiden Sie den Kontakt zu offensichtlich an Grippe Erkrankten.
  • Bleiben Sie bei grippeähnlichen Symptomen zu Hause, damit Sie keine weiteren Menschen anstecken.




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