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INFLUENZA

Influenza

Der richtige Impfstoff


Von Nicole Schuster / Für manche Menschen kann eine Infektion mit Influenza-Viren gefährlich werden, beispielsweise für Über-60-Jährige. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission bestimmten Personengruppen, sich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen. Welche Viren in der kommenden Saison vermutlich relevant sein werden, überprüfen Wissenschaftler jedes Jahr im Voraus. Die Hersteller sind dann gehalten, den Impfstoff entsprechend anzupassen.


Die klassischen Symptome einer Influenza (der echten Grippe) kennen viele aus leidiger Erfahrung: Plötzlich fühlen sie sich krank, bekommen Fieber bis zu 40 Grad, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Halsschmerzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich 10 bis 20 Prozent der Weltbevöl­kerung an Influenza erkranken. Allerdings verläuft die Infektion meist harmlos. Bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen nimmt die Erkrankung einen leichten Verlauf oder verursacht sogar keine Symptome.




Foto: Shutterstock/funnyangel


Die Influenza tritt wie andere akute Atemwegserkrankungen vor allem in den kalten Herbst- und Wintermo­naten auf, in Deutschland beginnen die Grippewellen meist erst nach dem Jahreswechsel. Zwar erholt sich die Mehrzahl der Patienten nach sieben bis zehn Tagen, doch können auch Komplikationen auftreten. Dazu zählen Sekundärinfektionen mit anderen, meist bakteriellen Erregern.

Diese Keime profi­tieren davon, dass der Körper bereits intensiv mit der Abwehr der Grippe­viren beschäftigt ist. Dann sind Erkrankungen wie Lungen-, seltener Gehirn- oder Herzmuskelentzündungen die Folge. Derartige Komplikationen sind für die meisten Todesfälle nach einer Grippeinfektion verantwortlich.

Erkältung oder Influenza

Anders als die Grippe beginnt eine Erkältung in der Regel schleichend. Einige Beschwerden wie Schnupfen, Husten, erhöhte Körpertemperatur oder Kopfschmerzen ähneln den Grippesymp­tomen. Allerdings fallen sie bei einer Erkältung üblicherweise leichter aus. So ist beispielsweise der Temperatur­anstieg entweder nur gering oder bleibt ganz aus. Die Bezeichnung »grippe­ähnliche Erkrankung« dient als Umschreibung für Krankheiten, die zwar von der Symptomatik an eine Grippe erinnern, aber durch andere Atemwegserreger verursacht werden. Da sich jedoch bei einigen Menschen auch die Grippe mit einem eher leichten Krankheitsverlauf und schwachen Symptomen äußert, können selbst Ärzte oft nicht entscheiden, ob eine banale Erkältung oder Influenza vorliegt.

In solchen Fällen kann der Arzt einen Influenza-Schnelltest (near-patient test) durchführen. Dabei entnimmt er aus der Nasen- oder Rachenschleimhaut des Patienten etwas Sekret und nach etwa 15 Minuten liegt ihm das Ergebnis vor. Fällt der Test positiv aus, ist das Ergebnis relativ sicher. Bei einem negativen Ergebnis kann der Arzt Influenza dennoch nicht sicher ausschließen. Für mehr Gewissheit sorgt die Identifikation des Erbguts des Virus mit einem PCR-Test, der in spezialisierten Labors durchgeführt werden muss. Dann dauert es aber Stunden, bis das Ergebnis vorliegt. Fällt der PCR-Test positiv aus, muss der Leiter des Labors dem zuständigen Gesundheitsamt den Nachweis gemäß Infektionsschutz­gesetz (IfSG) melden – das gilt auch für den Arzt, wenn dessen Schnelltest positiv ausfiel.

Gefährlichster Virustyp

Influenza-Viren gehören zu den Orthomyxoviren. »Es gibt verschiedene Arten dieser Viren, die in die Typen A, B und C unterteilt werden«, erläutert Dr. Silke Buda, stellvertretende Leiterin des Fachgebietes »Respiratorisch übertragbare Erkrankungen« vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Für die meisten schweren Grippewellen sind Influenza-Viren vom Typ A verantwortlich, so auch für die Grippepandemien in den Jahren 1918, 1957, 1968 und zuletzt 2009. »Eine Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 14 Jahren verursacht besonders häufig der Virus Typ B«, weiß die Expertin vom RKI. »Er führt in dieser Altersgruppe aber selten zu schweren Krankheitsverläufen. Der sporadisch als Erreger beim Menschen diagnostizierte Typ C spielt epidemiologisch keine Rolle.«




Echte Grippe oder nur eine Erkältung? Die Unterscheidung ist oft nicht einfach, da sich die Symptome ähneln.

Foto: Shutterstock/Subbotina Anna


Die Ansteckung mit den nur wenige Tausendstel Millimeter großen Krankheitserregern geschieht rasch, meist über Tröpfcheninfektion. Umstehende Personen atmen leicht die Viren in der fein verteilten Flüssigkeit mit der Luft ein, die ein Erkrankter beispielsweise beim Husten oder Niesen freisetzt. Ein weiterer möglicher Übertragungsweg ist der direkte Kontakt mit einem Grippekranken, etwa beim Küssen oder Händeschütteln. Da Influenza-Viren einige Stunden (bei niedrigen Tempe­raturen noch länger) außerhalb des Körpers überleben können, ist auch die Ansteckung nach Kontakt mit infizierten Gegenständen, beispielsweise Türklinken, Lichtschaltern, Geldscheinen oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Die Krankheitserreger gelangen in den Körper, wenn die Person mit kontaminierten Händen Nase oder Mund berührt. Dann befallen die Viren die Schleimhäute und können sich dort vermehren. Die Inkuba­tions­zeit ist mit durchschnittlich ein bis zwei Tagen sehr kurz.

Wandlungsfreudige Erreger

Influenza-Viren sind so infektiös, da sie sich zum einen leicht verbreiten und zum anderen ständig verändern, zum Beispiel können Punktmutationen zu Änderungen an den Oberflächenmolekülen führen, die das Immunsystem zur Erkennung nutzt. Die Viren stellen somit das menschliche Abwehrsystem vor immer neue Herausforderungen. Auf der Virenoberfläche sind vor allem zwei spezifische Moleküle von Bedeutung: die Glykoproteine Neuraminidase (abgekürzt als »N«) und Hämagglutinin (abgekürzt als »H«). Von der Neuraminidase sind neun und vom Hämagglutinin 18 Arten bekannt.




Die Ansteckung mit Influenza-Viren ist auch über den Kontakt mit infizierten Gegenständen möglich.

Foto: Shutterstock/Paradise On Earth


Je nach Art der Oberflächenmole­küle kennzeichnen Wissenschaftler Subtypen des Typs A mit entsprechenden Buchstabenkombinationen wie A(H3N2) oder A(H1N1)pdm09. Der Zusatz »pdm09« steht für die Pandemie im Jahr 2009, auch als Schweinegrippe bekannt. Hämagglutinin ist in erster Linie für die Auslösung einer Immunantwort verantwortlich. Die Neuramini­dase wiederum ist für die Freisetzung neu gebildeter Viren aus der Zelle wichtig. Sie ist auch der Angriffspunkt der antiviral wirkenden Neuraminidasehemmer. Im Unterschied dazu greift der Wirkstoff Amantadin am Matrixprotein (M2-Protein) an, einem dritten wichtigen Oberflächenprotein.

»Beim Virus-Typ B unterscheiden wir nicht Subtypen wie bei Influenza A, sondern abhängig vom Hämagglut­tinin zwei genetisch unterschiedliche Linien, nämlich die Yamagata-Linie und die Victoria-Linie«, erklärt die Influenza-Expertin.

Laut Paul-Ehrlich-Institut setzt sich der Influenza-Impfstoff für die Saison 2016/2017 gemäß der Empfehlungen der WHO und des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten folgender Viren zusammen:

  • A/California/07/2009 (H1N1) pdm 09-ähnlicher Stamm,
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnlicher Stamm,
  • B/Brisbane/60/2008-ähnlicher Stamm (Victoria-Linie).

Für quadrivalente Impfstoffe werden neben den Antigenen der oben genannten Viren noch eine Variante von B/Phuket/ 3073/2013 (Yamagata-Linie) empfohlen.

Kein dauerhafter Schutz

Im Gegensatz zu vielen anderen viralen Infektionskrankheiten kann man sich gegen Grippe impfen lassen. Experten unterscheiden je nach Zusammensetzung zwei Arten von Impfstoffen. »In trivalenten Impfstoffen sind stets beide Influenza A-Subtypen und eine B- Linie enthalten. In tetravalenten Impfstoffen ist auch die zweite B-Linie vorhanden«, erklärt Buda.

Damit die Impfung möglichst gut wirkt, muss der Impfstoff jedes Jahr an die Veränderungen der zirkulierenden Grippeviren angepasst werden. Die WHO ist hier federführend und gibt für die Nordhalbkugel jährlich Ende Feb­ruar, für die Südhalbkugel Ende September aktuelle Empfehlungen für die Impfstoffzusammensetzung heraus.

Die meisten Impfstoffe gegen Grippe sind Totimpfstoffe, sogenannte Spalt- oder Untereinheitenimpfstoffe. Sie enthalten nur die Oberflächen­bestandteile der relevanten Viren, aber keine Viren-RNA. Dadurch kann das Immunsystem eine Immunantwort auf die Oberflächenmoleküle entwickeln, ohne dass der Körper der Gefahr durch vermehrungsfähige Viren ausgesetzt ist. Nähere Informationen zur Herstellung der Impfstoffe enthält der Kasten.


Impfstoffherstellung: Am Anfang steht das Ei

Bei der klassischen Herstellung gehen Wissenschaftler so vor, dass sie ein bebrütetes Hühnerei mit einem von der WHO aktuell für Impfstoffe empfohlenen Influenza-Virus-Stamm beimpfen. In den Hühnereizellen vermehren sich die Viren stark, sodass Wissenschaftler die Viren bereits nach einigen Tagen entnehmen können. Anschließend werden diese gereinigt und inaktiviert. Das Vorgehen wird für jeden einzelnen der drei, beziehungsweise vier Stämme des Impfstoffs separat durchgeführt.

Im letzten Schritt kombinieren die Wissenschaftler die Bruchstücke zum neuen Impfstoff. Mittlerweile ist es auch möglich, Grippeimpfstoffe in Zellkulturen biotechnologisch herzustellen.


Die Impfung schützt allerdings nicht jedes Jahr gleich gut. »Entscheidend für einen wirksamen Schutz ist einerseits die Vorhersage der WHO, welche Viren in der nächsten Saison eine Rolle spielen werden. Wenn sich ein Virus in der Zwischenzeit verändert, passt der Stamm für die entsprechende Komponente nicht mehr so gut«, weiß Buda. »Andererseits schwankt auch bei passenden Virusstämmen die Impfwirksamkeit von Jahr zu Jahr und je nach Altersgruppe.«

Zu niedrige Impfquote

Der richtige Zeitpunkt für eine Impfung ist der Herbst, bevorzugt die Monate Oktober und November. Die Experten der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfehlen gefährdeten Personengruppen, sich impfen zu lassen.




Jedes Jahr aufs Neue: Die Impf­stoffe müssen auf die aktuellen Virentypen angepasst werden.

Foto: Shutterstock/Sherry Yates Young


Dazu gehören Erwachsene mit chronischen Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislaufsystems, der Atemwege, der Nieren, Leber oder des Nervensystems, mit Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Krankheiten des Abwehrsystems und des Blutes sowie mit angeborener oder erworbener Immundefizienz oder einer HIV-Infektion. Dieselbe Empfehlung gilt auch für Schwangere ab dem 2. Trimenon, Über-60-Jährige, Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie Menschen, die einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind, wie medizinisches Personal und Menschen, an deren Arbeitsplatz reger Publikumsverkehr herrscht. Weiterhin sollten sich diejenigen impfen lassen, die zwar selbst zu keiner Risikogruppe gehören, aber viel Kontakt mit gefährdeten Personen haben.

Die durchschnittliche Impfquote in Deutschland beträgt nur ungefähr 25 bis 30 Prozent. »Auch in den Gruppen, denen die STIKO die Impfung empfiehlt, ist die Impfquote zu niedrig«, sagt Buda. »Von den Menschen über 60 lassen sich beispielsweise weniger als 50 Prozent impfen. Das Ziel wäre aber 75 Prozent.«

Da sich das Virus und in der Folge der Impfstoff in jedem Jahr ändert, muss die Schutzimpfung jährlich erneuert werden. Sogar bei weitgehend gleichem Erregerprofil beziehungsweise Impfstoff ist eine neue Impfung erforderlich, denn die Schutzwirkung kann bereits nach etwa sechs Monaten nachlassen.




Über-60-Jährige sollen sich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen.

Foto: Shutterstock/Ocskay Bence


Zudem sollten die Geimpften wissen, dass die Wirkung erst etwa zwei Wochen nach der Impfung einsetzt und sie sich trotz Impfung mit Grippeviren infizieren können, zumal der Impfstoff nicht jedes Jahr gleich gut wirkt.

Um einer Erkrankung vorzubeugen, empfiehlt es sich daher, bestimmte Hygieneregeln einzuhalten. Dazu gehören das regelmäßige, gründliche Händewaschen und nahen körperlichen Kontakt mit Erkrankten möglichst zu meiden. Wer schon erkrankt ist, sollte in die Armbeuge, nicht in die Hände niesen oder husten, und sich zu Hause auskurieren, um möglichst wenige Menschen anzustecken.

Die Abwehr unterstützen

Eine medikamentöse Standardtherapie speziell gegen das Influenza-Virus gibt es nicht. Als antiviral wirkende Arzneimittel stehen jedoch Wirkstoffe wie Oseltamivir und Zanamivir zur Verfügung. Beide hemmen die Neuraminidase auf der Virusoberfläche und damit die Vermehrung der Viren. Auch Amantadin ist zur spezifischen Grippetherapie zuge­lassen. Der Arzneistoff verhindert, dass Viren den Zellkern befallen. Amantadin ist allerdings nicht gut verträglich und kann nur gegen Influenza-A-Viren eingesetzt werden. Außerdem sind die beiden saisonal zirkulierenden Subtypen nahezu vollständig resistent gegenüber diesem Wirkstoff, sodass der Wirkstoff Amantadin zurzeit keine Therapie­option ist.


Personengruppen, denen die Impfung gegen Influenza empfohlen wird

Gruppe Anwendungshinweise 
Personen ≥ 60 Jahre jährliche Impfung im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination 
Alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem 1. Trimenon Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination 
Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, zum Beispiel:
• chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma und COPD),
• chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten,
• Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten,
• chronische neurologische Krankheiten, zum Beispiel Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben,
• Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion beziehungsweise Immunsuppression,
• HIV-Infektion. Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, zum Beispiel Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz beziehungsweise -suppression
 
jährliche Impfung im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren können mit inaktiviertem Impfstoff oder mit einem attenuierten Influenza-Lebend­impfstoff (LAIV) geimpft werden, sofern keine Kontraindikation besteht (siehe Fachinformation). Bei Kindern im Alter von 2 bis einschließlich 6 Jahren sollte LAIV bevorzugt angewendet werden. 
Personen mit erhöhter Gefährdung, zum Beispiel medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können. Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln * Jährliche Impfung im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination. 
Für Reisende ab 60 Jahren und die unter I (Indikationsimpfung) genannten Personengruppen, die nicht über einen aktuellen Impfschutz verfügen, ist die Impfung generell empfehlenswert, für andere Reisende ist eine Influenza-Impfung nach Risikoabwägung entsprechend Exposition und Impfstoffverfügbarkeit sinnvoll. Impfung mit einem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination. 

Quelle: Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts vom 29. August 2016

*Eine Impfung mit saisonalen humanen Influenza-Impfstoffen bietet keinen direkten Schutz vor Infektionen durch den Erreger der aviären Influenza, sie kann jedoch Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern (s. a. TRBA 608 des ABAS unter www.baua.de > Themen von A – Z > Biologische Arbeitsstoffe > Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)


Grippekranke sollten antivirale Arzneimittel möglichst früh nach Krankheitsbeginn, das heißt innerhalb von 48 Stunden, einnehmen. Danach haben sich die Viren im Körper schon zu weit ausgebreitet und der Effekt der Medikamente ist nur noch gering. Wer sie früh genug einnimmt, kann hingegen auf einen leichteren Verlauf, eine kürzere Krankheitsdauer und eine gerin­gere Gefahr von Sekundärinfektionen hoffen. Die verschreibungspflichtigen Arzneimittel sind vor allem für Personen mit Vorerkrankungen oder einem schwachen Immunsystem empfehlenswert. Gesunde Menschen überwinden die Virusinfektion in der Regel ohne antivirale Medikamente, bei ihnen steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund.


Kontraindikationen für die Influenza-Impfung

Menschen mit einer schweren akuten Infektion sollten sich erst nach Genesung impfen lassen. Bei einem leichten Infekt mit Fieber unter 38,5 °C ist die Impfung hingegen möglich. Generell gilt der saisonale Influenza-Impfstoff als gut verträglich. Es können aber – wie bei anderen Impfungen – Lokalreaktionen oder Allgemeinsymptome wie leichtes Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- oder Gliederschmerzen auftreten. Für Personen mit Allergien gegen Hühnereiweiß oder einen anderen Impfstoffbestandteil sind die herkömmlichen Impfstoffe nicht geeignet. Hier stehen Alternativen zur Verfügung. Kontraindikationen für den Lebendimpfstoff bei Kindern sind Immundefizienz oder schweres Asthma.


Gegen das Fieber und die Kopfschmerzen helfen Schmerzmittel wie nicht steroidale Anti­rheumatika (etwa Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen) oder Paracet­amol. Inhalieren lindert Husten und Schnupfen, des Weiteren haben sich Nasensprays, Lutschpastillen für den Hals oder Hustentropfen und -säfte gegen die Beschwerden bewährt. Viel trinken ist wichtig, da der Körper durch das fieberbedingte Schwitzen Flüssigkeit verliert. Ansonsten heißt die Parole: Den Körper im Kampf gegen die Krankheitserreger bestmöglich unterstützen. Körperliche Schonung, Bett­ruhe und ausreichend Schlaf sollten daher selbstverständlich sein. /


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