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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Senioren

Spezielle Tipps zur Grippe-Impfung


Von Verena Arzbach / Menschen ab 60 Jahren sollten sich in jedem Jahr neu gegen Influenza impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI). Geriater raten Älteren dabei besonders zu tetravalenten und wirkverstärkten Impfstoffen.

 

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»Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die tetravalenten Impfstoffe, die jeweils zwei Antigene gegen beide Influenza-Typen A und B haben«, sagt Dr. Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Ge­riatrie (DGG), laut einer Pressemitteilung der Fachgesellschaft. Die konventionellen trivalenten Impfstoffe enthielten drei Antigene – zwei gegen Influenza A und eines gegen Influenza B, erläuterte der Mediziner. Die tetravalenten Vakzinen wirkten besser, wenn in der aktuellen Saison neue Influenza-Viren vom Typ B­ ­zirkulieren. Die Krankenkassen übernehmen allerdings grundsätzlich nur die Kosten für die trivalente Impfung. Ob sie dennoch auch die tetravalente Impfung bezahlen, unterscheide sich innerhalb Deutschlands. Hier gebe es unterschiedliche Regelungen der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigungen. Patienten sollten ihren Hausarzt oder Geriater am Ort fragen, rät Leischker.




Foto: Shutterstock/Image Point Fr


Daneben gibt es die Empfehlung, Menschen ab dem 65. Lebensjahr mit speziell für sie zugelassenen Impf­stoffen mit Wirkverstärker zu immunisieren, etwa mit dem in Deutschland erhältlichen adjuvantierten saisonalen Influenzaimpfstoff Fluad®. Dieser enthält als Wirkverstärker die Emulsion MF59 (Squalen, Polysorbat 80, Sorbitantrioleat). Hintergrund dieser Empfehlung ist, dass in höherem Alter die Immunantwort und damit die Anti­körperbildung nachlassen. Die »normale« saisonale Influenzaimpfung kann daher bei Senioren weniger wirksam sein.

Mehr Nebenwirkungen

Ein Nachteil dieser adjuvantierten Impfstoffe ist allerdings, dass sie schlechter verträglich als Vakzinen ohne Wirkverstärker. Es treten häufiger Lokalreaktionen an der Injek­tionsstelle auf, etwa Schmerzen, Rötung oder Schwellungen. Es gibt aber auch Alternativen, bisher allerdings nur in den USA. »Dort ist ein Impfstoff mit vierfachem Antigengehalt zugelassen, der auch bei älteren Menschen sehr gut wirkt. Leider ist dieser Impfstoff in Deutschland noch nicht verfügbar«, informiert Leischker.

Die STIKO rät bei Älteren allerdings nicht explizit zu einem bevorzugten Einsatz eines tetravalenten Grippeimpfstoffs; ebenso gibt es keine Empfehlung für den adjuvantierten Impfstoff. Ob die verstärkte Anti­körperbildung durch den Wirkver­stärker letztendlich wirklich zu einem zuverlässigeren Schutz vor einer Erkrankung führt, ist aus Sicht der STIKO bisher unklar.

Weitere Risikogruppen

Wichtig ist laut Leischker auch, dass sich Personen, die häufig mit alten Menschen zusammen sind und sie betreuen, gegen die Grippe impfen lassen. Dazu gehören Angehörige, das Personal in Pflegeheimen und von ambulanten Pflegediensten, und auch Ärzte. Unbedingt impfen lassen sollten sich auch Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz, Herz- oder Lungenerkrankungen oder Immunschwäche. Oft entwickle sich bei chronisch Kranken eine bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer Lungen­entzündung führen kann, betont Leischker. »Weniger bekannt ist, dass eine Influenzainfektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen Herzinfarkt zu bekommen«, so der Mediziner.

Typische Nebenwirkungen einer Grippeimpfung sind Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und leichte Kopfschmerzen. Dass das Impfen selbst Grippesympto­me wie hohes Fieber, Husten oder eine verstopfte Nase auslösen kann, ist laut Leischker unmöglich, da es sich um einen Totimpfstoff handelt. Zum Zeitpunkt der Impfung zirkulier­ten schon viele Erkältungsviren, erklärt der Facharzt. »Vermutlich haben sich einige schon vor der Grippe­impfung mit einem Erkältungsvirus infiziert.« Vor diesen schützt eine Influenza-Impfung nicht. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 20/2017

 

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