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Impfungen

Gut geschützt durch den Herbst


Von Clara Wildenrath / Die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Der Herbst ist eine gute Zeit, um über notwendige und sinnvolle Impfungen – nicht nur gegen Influenza – nachzudenken.

 

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Mit dem Herbst beginnt auch die Erkältungssaison. Fast jeden erwischt in den kühleren Monaten irgendwann ein grippaler Infekt mit Husten, Schnupfen und eventuell leichtem Fieber. Das ist lästig, aber nicht wirklich gefährlich. Anders die echte Virusgrippe, die Influenza: Bei ihr handelt es sich um eine ernstzu­nehmende Erkrankung, die vor allem für ältere und/oder chronisch kranke Patienten lebensbedrohliche Folgen haben kann. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sterben in Deutschland in manchen Jahren – wie zuletzt im Winter 2014/15 – mehr als 20 000 Menschen an der Influenza. Die Zahl der grippebedingten Arztbesuche geht jedes Jahr in die Millionen; mehrere zehntausend Patienten müssen wegen einer schweren Influenzainfektion ins Krankenhaus eingewiesen werden.




Foto: Shutterstock/Kichigin


Im Gegensatz zur normalen Erkältung kann man sich vor der Grippe jedoch durch eine Impfung schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt diese generell ab 60 Jahren, außerdem für chronisch Kranke und Schwangere. Als Indikation für die Grippe­schutzimpfung bei Menschen jeden Alters gelten beispielsweise Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und andere Stoffwechsel­erkrankungen, eine angeborene oder erworbene Immunschwäche sowie eine HIV-Infektion. Denn bei diesen Menschen ist – ebenso wie bei älteren Personen – das Risiko besonders hoch, dass die Grippe einen schweren Verlauf nimmt und Komplikationen lebensbedrohlich werden.

Schutz für Mutter und Baby

Das Gleiche gilt für eine Grippeinfek­tion in der Schwangerschaft – umso mehr, je näher der Geburtstermin rückt. Die STIKO rät deshalb jeder Frau im zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Grippeschutzimpfung, bei einer chronischen Grunderkrankung auch schon früher. Negative Folgen für das Kind sind dadurch, wie zahlreiche Studien belegen, nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Die Antikörper, die die schwangere Frau gegen die Influenza bildet, gibt sie an das Baby weiter. Das schützt auch das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor einer Infektion.

Ebenfalls impfen lassen sollten sich Personen, bei denen aufgrund ihres Berufs eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht, zum Beispiel medizinisches Personal im Krankenhaus oder Altersheim, aber auch Menschen mit umfangreichem Kundenkontakt wie in der Apotheke. Wer chronisch Kranke oder ältere Pflegebedürftige zu Hause betreut, kann zudem deren Infektionsrisiko durch die eigene Impfung weiter senken. Auch Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zählen zu den Risikogruppen, für die ein Impfschutz sinnvoll ist. Zudem empfiehlt die STIKO die Impfung jedem, der direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln hat, um eine gefährliche Doppelinfektion mit der Vogelgrippe zu vermeiden.

Anders als zum Beispiel gegen Masern oder Mumps muss man sich gegen die Influenza jedes Jahr von Neuem impfen lassen. Denn: Influenzaviren können ihre Oberflächenstruktur durch genetische Neukombinationen leicht verändern. Dadurch tarnen sie sich als neue Erreger, die von den nach einer früheren Impfung gebildeten Immunzellen nicht mehr erkannt werden. Von den zahlreichen verschiedenen Virusstämmen, die sich auf diese Weise ständig bilden, stehen bei jeder Grippewelle andere im Vordergrund.


Was ist ein grippaler Infekt und was eine Grippe?

Umgangssprachlich bezeichnen viele Menschen auch einen einfachen grippalen Infekt als Grippe. Die Symptome beider Erkrankungen können sich gleichen, doch Verlauf und Schwere unterscheiden sich erheblich. Während ein grippaler Infekt meist schleichend beginnt, setzen die Krankheitszeichen bei einer echten Grippe, der Influenza, – Fieber, heftige Kopf- und Gliederschmerzen sowie Halsschmerzen und Husten – in der Regel plötzlich ein. Vor allem bei älteren Menschen oder chronisch Kranken kommt es häufiger zu schweren Komplikationen, die sogar lebensbedrohlich sein können. Oft fehlen aber gerade bei ihnen charakteristische Symptome wie Fieber, sodass die Influenza erst spät erkannt wird.


Wie die Vakzine für die kommende Saison zusammengesetzt sein muss, um bestmöglichen Schutz zu bieten, legen die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO daher jedes Jahr im Februar neu fest. Grundlage für ihre Entscheidung sind Meldungen über die zirkulierenden Virusvarianten aus Referenzlaboren der ganzen Welt. Die Stammanpassung wird für jeden Impfstoff in einem Verfahren zur Änderung der Zulassung geprüft. Danach erfolgt chargenweise die Prüfung und Freigabe der hergestellten Impfstoffe durch das Paul-Ehrlich-Institut. Im September standen in diesem Jahr bereits knapp 17 Millionen Dosen des aktuellen Influenza­-Impfstoffs in Deutschland zur Verfügung. Wie effektiv er ist, wie gut er also das Erregerspektrum der kommenden Saison tatsächlich abdeckt, stellt sich jedoch erst im Verlauf der Saison heraus.

Jetzt impfen lassen

Idealer Zeitpunkt für die Grippeschutzimpfung sind die Monate Oktober und November. Denn nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat. Der Impfschutz hält dann etwa sechs bis zwölf Monate an. Wer den optimalen Termin im Herbst verpasst, kann sich aber auch später noch impfen lassen – besonders, wenn die Zahl der Infizierten noch nicht allzu hoch ist. Im vergangenen Jahr begann die Grippewelle bereits Ende Dezember; ihren Höhepunkt erreicht sie meist im Januar und Februar.

Ein leichter Infekt spricht nicht gegen die Impfung. Bei einer akuten Erkrankung mit mehr als 38,5 °C Fieber sollte man allerdings bis zur Genesung warten. Eine Allergie gegen Hühnereiweiß ist ebenfalls kein Grund, sich nicht impfen zu lassen: Zwar werden die Influenzaviren zur Produktion der Impfstoffe in Hühnereiern gezüchtet, doch sind im Endprodukt höchstens noch Spuren davon enthalten. Diese vertragen die meisten Allergiker problemlos. Lediglich bei einer besonders schweren Allergie empfehlen Experten eine klinische Überwachung nach der Impfung.

In Deutschland stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung: Totimpfstoffe gegen drei oder vier Virusvarianten (tri- beziehungsweise tetravalent) zur Injektion sowie ein tetravalenter Lebendimpfstoff (Fluenz®), der über die Nase verabreicht wird. Einige sind bereits ab dem sechsten Lebensmonat zugelassen, das Nasenspray nur für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren. Speziell für Ältere ab dem 65. Lebensjahr gibt es Influenzaimpfstoffe (wie Fluad®) mit Wirkverstärker, da Immunantwort und Antikörperbildung im Alter abnehmen.

Die STIKO spricht aktuell keine Empfehlung mehr für eine bestimmte Impfstoffform aus. Bis 2015 hatte sie noch dazu geraten, bei Kindern von zwei bis sechs Jahren bevorzugt den nasal anzuwendenden Lebendimpfstoff zu verwenden. Grund für die Änderung waren Hinweise aus neueren Vergleichsstudien, dass der Lebendimpfstoff gegen eines der derzeit verbreiteten Viren weniger gut wirksam ist als die Totimpfstoffe. Ob Vierfach-Impfstoffe einen besseren Schutz bieten als solche gegen drei Virusvarianten und deshalb bevorzugt eingesetzt werden sollten, überprüft die STIKO zurzeit. Für die kommende Saison können Arzt und Patient unter Berücksichtigung der Kon­traindikationen weitgehend selbst entscheiden, welchen Impfstoff sie favorisieren. Lediglich in besonderen Situationen, zum Beispiel bei Kindern mit einer Spritzenphobie oder einer Blutgerinnungsstörung, hält die STIKO das Nasenspray für vorteilhaft.




Achtung: Auch im Herbst können Zecken noch aktiv sein. Wer nicht gegen FSME geimpft ist, sollte besonders vorsichtig sein.

Foto: iStock/standret


Die Grippeimpfung gilt als gut verträglich. Nach der Injektion kann es an der Einstichstelle vorübergehend zu Lokalreaktionen wie einer Rötung, Schwellung oder zu leichten Schmerzen kommen. Der Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Influenzaviren, der bei Kindern in die Nase gesprüht wird, löst gelegentlich eine verstopfte oder laufende Nase aus. Manchmal treten auch Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf, zum Beispiel Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Infektion, sondern um eine Reaktion des Immunsystems auf die Impfung. In der Regel verschwinden solche Impfreaktionen innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder.

Kein 100-prozentiger Schutz

Die Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Influenzaer­krankung. Je nachdem, wie gut die Impfstoffzusammensetzung mit den jeweils grassierenden Virusstämmen übereinstimmt, senkt sie das Risiko ­einer Infektion um bis zu 80 Prozent. Zudem verläuft die Grippe bei Geimpften in der Regel milder. Gerade bei älteren Menschen, für die die Impfung besonders empfohlen wird, ist sie aber aufgrund der mit dem Alter nachlassenden Immunantwort weniger wirksam (lesen Sie dazu auch ab Seite 46).

Die Stiftung Warentest kam 2012 zu der Einschätzung, die generelle Grippe­impfung ab 60 Jahren sei »wenig sinnvoll«. Das RKI argumentiert dagegen: Auch in dieser Bevölkerungsgruppe, in der die Influenza häufig zu schweren, oft sogar tödlichen Komplikationen führt, lässt sich etwa die Hälfte der Erkrankungsfälle durch die ­Impfung vermeiden. Außerdem stehen Sicherheit und Verträglichkeit der bereits seit vielen Jahren verwendeten Totimpfstoffe nach Ansicht der RKI-­Experten außer Frage.

Geringe Quoten

Trotzdem sind die Impfquoten in Deutschland niedrig – und gehen seit einigen Jahren weiter zurück. Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigen, dass sich in der Saison 2015/16 nur 35 Prozent der 60-Jährigen und Älteren impfen ließen. Vor zehn Jahren war es noch knapp die Hälfte dieser Bevölkerungsgruppe. Die Zielvorgabe der Europäischen Union, die für alle Mitgliedsländer bis 2015 eine Impfquote von mindestens 75 Prozent unter älteren Personen forderte, wird in Deutschland damit nicht annährend erreicht.

Noch geringer ist die Akzeptanz der Influenzaimpfung bei schwangeren Frauen: Nur etwa jede zehnte folgt der Impfempfehlung des RKI. Unter niedergelassenen Ärzten gaben in einer Studie immerhin 61 Prozent an, dass sie sich regelmäßig gegen Grippe impfen lassen.

Gefährliche Pneumokokken

Zusätzlich zur Grippeimpfung empfiehlt die STIKO für alle Personen ab 60 Jahren eine Impfung gegen Pneumokokken. Gleiches gilt für Menschen mit einem angeborenen oder erworbenen Immun­defekt oder chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Diabetes. Auch Patienten, die ein Cochlea-Implantat (eine Hörprothese) bekommen oder aus anatomischen Gründen, etwa aufgrund einer Liquorfistel, ein erhöhtes Risiko für eine Hirnhautentzündung tragen, sollten sich gegen Pneumokokken impfen lassen. Für Menschen, die berufsbedingt Metallrauchen ausgesetzt sind, ist die Impfung ebenfalls anzuraten. Außerdem gehört die Immunisierung gegen Pneumokokken zu den Standardimpfungen für Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat bis zum Alter von zwei Jahren.

Pneumokokken (Streptococcus pneu­moniae) sind Bakterien aus der Fami­lie der Streptokokken. Sie be­siedeln häufig den Nasenrachenraum gesunder Menschen, ohne zu Symptomen zu führen. Sie können aber auch schwere, zum Teil sogar lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen, zum Beispiel Lungen-, Nasennebenhöhlen- oder Hirnhautentzündungen sowie eine Blutvergiftung. Warum sie bei manchen Menschen – auch bei Gesunden – plötzlich Krankheiten auslösen und bei anderen nicht, wissen Mediziner noch nicht genau. Bei einer schwachen Immunabwehr passiert dies jedoch leichter. Besonders gefährdet für schwere Pneumokokken-Erkrankungen sind deshalb Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Menschen. Zwar lassen sich die Infektionen mit Antibiotika behandeln, doch schlagen diese wegen zunehmender Resistenzen der Bakterien nicht immer gut an.

Für Senioren empfiehlt die STIKO die Einmalimpfung mit einer Polysaccharid-Vakzine, die gegen die 23 häufigsten der bisher über 90 bekannten Pneumokokken-Typen schützt (Pneumovax® 23). Weil der Impfschutz nur von begrenzter Dauer ist, hält sie Wieder­holungsimpfungen im Abstand von mindestens sechs Jahren aus medizinischer Sicht für sinnvoll. Zugelassen ist dies laut Fachinformation bei »Per­so­nen mit erhöhtem Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen« nach individueller Indikationsstellung. Grund dafür sind Berichte über ausgeprägte Lokalreaktionen und eine schwächere Antikörperbildung nach Wiederholungsimpfungen. Dies ist nach Meinung der STIKO individuell abzuwägen gegen den Nachteil eines möglichen Verlusts des Impfschutzes. Gesunde Erwach­sene, auch Senioren, müssen nicht routinemäßig wiederholt geimpft werden.


Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs in der Saison 2017/18:

  • A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09-ähnlicher Stamm
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Brisbane/60/2008-ähnlicher Stamm
  • für quadrivalente Impfstoffe zusätzlich: B/Phuket/3073/2013- ähnlicher Stamm

A und B bezeichnen die Virustypen, der Ortsname bezieht sich auf den Ort der Virusisolierung; die erste Ziffer gibt die Nummer des jeweils isolierten Stamms an, die zweite bezieht sich auf das Isolierungsjahr. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine der Virushülle, Hämagglutinin und Neuraminidase, ab­gekürzt. Die Ziffer dahinter bezeichnet deren aktuellen Subtyp.

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut


Erwachsene mit einem geschwächten Immunsystem – etwa aufgrund eines angeborenen Defektes oder durch immunsupprimierende Medikamente – sollen zunächst einen 13-valenten Konjugat-Impfstoff (Prevenar 13®) erhalten. Sechs bis zwölf Monate später sollen sie dann mit dem 23-valenten Impfstoff geimpft werden. Kinder unter zwei Jahren sollen laut STIKO standardmäßig mit dem 13-valenten oder einem 10-valenten (Synflorix®) Konjugat-Impfstoff geimpft werden, da der Polysaccharid-Impfstoff bei ihnen keine ausreichende Immunantwort auslöst.

Gefahr durch die Eltern

Auch Keuchhusten (Pertussis) gehört zu den infektiösen Atemwegserkrank­ungen, die bevorzugt in den Winter­monaten auftreten. Verursacht wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Früher galt er als typische Kinderkrankheit, doch heute stecken sich zunehmend Jugendliche und Erwachsene an. Die Symptome ähneln im Anfangsstadium einer Erkältung mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Nach ein bis zwei Wochen entwickeln sich die ­charakteristischen Hustenanfälle. Weil Keuchhusten schwer zu erkennen ist, wird er meist erst spät mit Antibiotika behandelt. Für Säuglinge kann er sogar lebensbedrohlich sein. In vielen Fällen infizieren sie sich über die eigenen Eltern – die unter Umständen erkrankt sind, ohne es selbst zu merken.

Die Impfung ist die beste Möglichkeit, sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen. Normalerweise erfolgt die Grundimmunisierung im Säuglingsalter. Für Erwachsene empfiehlt die STIKO eine einmalige Auf­frischimpfung. Bei Frauen im gebär­fähigen Alter sollte die letzte Pertussis-Impfung nicht länger als zehn Jahre zurück­liegen. Zum Schutz des Neu­geborenen – Säuglinge können erst ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat gegen Pertussis geimpft werden – gilt das auch für enge Kontaktpersonen des Säuglings, zum Beispiel für den Vater, die Großeltern, Babysitter oder Tagesmütter. Sie sollten spätestens vier Wochen vor der Geburt eine Auf­frischimpfung erhalten. Für schwangere Frauen ist die Impfung allerdings kontraindiziert. Falls sie zuvor versäumt wurde, rät die STIKO, sie in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes nachzuholen. Personal im Gesundheitsdienst oder in Gemeinschaftseinrich­tungen sollte sich alle zehn Jahre nachimpfen lassen.

Ein Pertussis-Impfstoff ist in Deutsch­land nicht mehr einzeln er­hältlich. Deshalb muss die Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff (Tdap) erfolgen, der zusätzlich Komponenten zum Schutz gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und gegebenenfalls Kinderlähmung (Polio; Tdap-IPV-Impfstoff) enthält.

Schutz vor Zecken

Vom Frühjahr bis zum Herbst tritt die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) auf. Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, die durch Viren verursacht und durch infizierte Zecken übertragen wird. Bei etwa jedem zehnten Erkrankten kommt es zu einem schweren Verlauf mit hohem Fieber und Bewegungs- oder Bewusstseinsstörungen, die dauerhaft erhalten bleiben können. Eine ursächliche Behandlung der FSME gibt es nicht.

Durch die vollständige Grundimmunisierung mit drei Impfungen lässt sich nach Angabe des RKI ein 99-prozentiger Schutz vor einer Ansteckung erreichen. Wer jetzt im Herbst damit anfängt, kann zu Beginn der nächsten Zeckensaison nach zwei Impfdosen im Abstand von ein bis drei Monaten bereits mit einem 98-prozentigen Schutz rechnen. Dieser hält allerdings nur etwa ein Jahr an. Mit einer dritten Impfung fünf bis zwölf Monate später verlängert er sich auf mindestens drei Jahre.

Risikogebiete

In Deutschland besteht eine FSME-Infektions­gefahr vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch im südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen. Das RKI ver­öffentlicht in jedem Frühjahr eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland. Die STIKO empfiehlt die Impfung allen Personen, die dort wohnen oder sich in den betroffenen Landkreisen aufhalten und potenziell Zecken ausgesetzt sind – etwa durch Freizeitaktivitäten wie Joggen und Spazieren­gehen oder durch eine berufliche Tätigkeit im Wald oder in der Landwirtschaft. Als Reiseimpfung befürwortet die STIKO die FSME-Impfung für Menschen, die beispielsweise in Tschechien, Österreich, Polen oder der Schweiz Urlaub machen und sich dort in der Natur aufhalten.

Auch für alle, die in den kommenden Wintermonaten eine Fernreise planen, ist der Herbst der richtige Zeitpunkt, um sich über den notwendigen Impfschutz Gedanken zu machen. Zwischen den einzelnen Reiseimpfungen müssen oft bestimmte Zeitabstände einge­halten werden. Deshalb sollte spätestens vier bis sechs Wochen vor dem Urlaub eine reisemedizinische Beratung beim Arzt oder bei einem Tropeninstitut auf dem Plan stehen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 20/2017

 

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