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BERATUNGSPRAXIS

Homöopathie

Vom Ausgangsstoff zum Arzneimittel


Von Isabel Weinert / Homöopathische Arzneimittel können in Deutschland auf zwei Wegen in den Verkehr gebracht werden: indem sie vom BfArM registriert oder zugelassen werden. Die Anforderungen bei der Zulassung liegen höher. In der Herstellung unterscheiden sich beide Gruppen jedoch nicht.

 

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Die Bezeichnung »Homöopathisches Arzneimittel« dürfen nur Mittel tragen, die nach einem im Europäischen Arzneibuch oder nach einem im offiziellen Arzneibuch eines EU-Staates beschriebenen homöopathischen Verfahren hergestellt wurden. In Deutschland ist dies das Homöopathische Arzneibuch als Teil des Deutschen Arzneibuchs. Etwa 2500 Ausgangssubstanzen stehen zur Verfügung, um homöopathische Arzneimittel herzustellen. Sie lassen sich in fünf Gruppen einteilen: die Hauptgruppe der pflanzlichen Ausgangsstoffe, die tierischen, anorganischen, organischen Ausgangsstoffe sowie die Nosoden. Letztere bestehen aus sterilisierten Krankheitsprodukten von Mensch oder Tier, wozu Sekrete oder Gewebeteile zum Einsatz kommen.




Homöopathika- Herstellung bei der DHU: Pflanzen werden maschinell geschnitten.

Foto: DHU


Um die Qualität der Ausgangssubstanzen gewährleisten zu können, setzen etliche Hersteller im Bereich Pflanzen auf eigenen Anbau innerhalb Deutschlands oder Europas. Die geernteten Blüten, Blätter und Wurzeln prüfen sie zunächst stichprobenartig pharmakognostisch gemäß HAB oder EuAB. Im Anschluss stellen sie einen Auszug her, der die Grundlage für weitere homöopathische Verdünnungsreihen darstellt. Solch einen Auszug bezeichnet man als Urtinktur. Er besteht zum Beispiel aus gleichen Teilen Presssaft und Ethanol. Der Saft wird durch Pressung handverlesener und geputzter zerkleinerter Pflanzen und Pflanzenteile gewonnen. Versetzt man ihn sofort mit Ethanol, verschimmelt er nicht.

Alkoholische Auszüge gelingen jedoch auch aus trockenen Pflanzen­teilen oder Pulvern. Dabei wird der Drogen­teil oder das Pulver mit der HAB-konformen Menge Ethanol eingeweicht und nach zehn Tagen filtriert. Dieses Filtrat dient ebenfalls als Urtinktur. Eine weitere Möglichkeit stellt die Lösung dar, als Mischung eines Grundstoffes mit Ethanol oder Wasser. Sie eignet sich für leicht lösliche Substanzen, wie Salze und für ohnehin flüssige Ausgangsstoffe. Aus unlöslichen Feststoffen entsteht mit Milchzucker nach einem aufwändigen Verfahren verrieben eine Trituration.

Verdünnen verstärkt die Wirkung

Mit den Ur-Mischungen geht es weiter Richtung homöopathisches Arzneimittel. Die Potenzierung steht an, und zwar zur D, C oder Q- beziehungsweise LM-Potenz. Es schadet nicht, sich die Bedeutung der Buchstaben immer wieder einmal zu vergegenwärtigen: Bei D handelt es sich um Verdünnungen 1:10, bei C um 1:100 und Q- oder LM-Potenzen stehen für Verdünnungen von 1: 50 000. So entsteht zum Beispiel die Potenz D3, indem man ein Teil Urtinktur mit neun Teilen Flüssigkeit (Alkohol) mischt (D1); diesem Gefäß wieder ein Teil entnimmt und mit neun Teilen Flüssigkeit versetzt (D2). Aus einem Teil D2 plus erneut neun Teilen Flüssigkeit resultiert schließlich D3. Dabei wird das Mittel nach den Vorstellungen der Homöopathie mit jeder Verdünnungsstufe potenter in Folge der Herstellungsweise. Die Mittel werden nach genauen Vorgaben und Vorgehensweisen geschüttelt oder auf Leder geklopft, wodurch sich ihre Wirkkraft verstärken soll. Bei den D-Potenzen handelt es sich um Niedrigpotenzen für Akuterkrankungen. Bei den C-Potenzen spricht man bei C6 von einer niedrigen, bei C30 von einer mittleren und ab C200 von einer Hochpotenz. Letztere verordnet in der Regel der homöopathisch fachkundige Arzt oder Heilpraktiker, oft als sogenanntes Konstitutionsmittel. Diese Mittel wirken sich auf den physisch-psychischen Konstitutionstyp eines Menschen aus. Q- oder LM-Potenzen kommen häufig zum Einsatz, um chronische Erkrankungen ergänzend zu behandeln.

Die meisten Verdünnungsschritte laufen heute maschinell in großen Produktions­anlagen ab, wobei die europä­ischen Richtlinien der GMP-Regeln berücksichtigt werden müssen. Doch noch immer stellen Mitarbeiter homöopathischer Hersteller Arzneimittel auch von Hand her, exakt nach den Vorgaben des Vaters der Homöopathie, Samuel Hahnemann.

Einzel- oder Komplexmittel

Am Ende des Prozesses stehen verschiedenste galenische Zubereitungen, darunter auch Salben, Zäpfchen, Ampullen, Gele, Lotionen, vor allem aber Tabletten und Globuli. Sie enthalten ­einen oder mehrere homöopathisch potenzierte Subs­tanzen, sind also Einzel- oder Komplexmittel. Einzelmittel sind die Domäne der klassischen Homöopathie. Im Rahmen eines ausführlichen Erstgesprächs sucht der Homöopath mithilfe eines Symptomverzeichnisses individuell den für den Patienten passenden Wirkstoff in der richtigen Potenz heraus. Angaben für Einzelmittel bei verschiedenen Krankheitsbildern existieren auch in Form von für den Verbraucher bestimmten Nachschlagewerken.

Komplexmittel enthalten mehrere, bei einem bestimmten Anwendungsgebiet wirksame Einzelmittel, die sich gegenseitig verstärken sollen. Sie können die homöopathische Therapie vereinfachen, haben eine eindeutige Indikation und sind deshalb verbraucherfreundlich in der Selbst­medikation.

Vereinfachte Zulassung möglich

Homöopathika zählen zur Gruppe der besonderen Therapierichtungen. Für eine Zulassung durch das BfArM muss der Hersteller Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit seines Mittels nachweisen. Dazu kann er klinische Studien vorlegen, alternativ jedoch auch anderes wissenschaftliches ­Erkenntnismaterial, wozu auch nach wissenschaftlichen ­Methoden aufbereitetes medizinisches Erfahrungsmaterial zählt. Das unterscheidet die Zulassung homöopathischer Mittel von derjenigen chemisch-synthetischer Arzneimittel, bei der es klinischer Studien zwingend bedarf. Zugelas­sene homöopathische Arzneimittel erhalten eine Indikation. Eine Zulassung brauchen Präparate geringer Potenzen mit rezeptpflichtigen Inhaltsstoffen (bis D3) sowie Komplexmittel.

Anders diejenigen Homöopathika, die eine Registrierung als vereinfachte Zulassung durchlaufen. Hier muss der Hersteller Qualität und Unbedenklichkeit, jedoch keine Wirksamkeit nachweisen. Im Gegensatz zu Homöopathika mit einer Zulassung darf bei den registrierten Mitteln keine Indikation genannt werden. Ein Grund, warum sich zum Beispiel Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, gegen Vorstöße aus der Politik ausspricht, Homöo­pathika aus der Apothekenpflicht zu entlassen. Patienten brauchten die fachkundige Beratung des pharmazeutischen Personals in Apotheken. Auch, um neben dem Nutzen die Grenzen der Homöopathie aufzuzeigen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 21/2017

 

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