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BERATUNGSPRAXIS

Erkältungen bei Kindern

Harte Zeiten für besorgte Eltern


Von Ulrike Viegener / Mehr als zehn Atemwegsinfekte pro Jahr gelten bei Säuglingen und Kleinkindern als normal, bei Kindern über zwei Jahren sind es im Schnitt vier bis acht. Die vielen Infekte stellen die Geduld der Eltern auf eine harte Probe. In der Apotheke sollten sie erfahren, welche Medikamente sinnvoll sind und wann sie den Arzt aufsuchen müssen.

 

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Kaum ist eine Erkältung überstanden, da geht es schon wieder los: Das Kind wird quengelig, fängt an zu schniefen, und die Temperatur steigt an. Das sich entwickelnde Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern braucht die Auseinandersetzung mit Krankheitserregern geradezu, um später gegen sie gewappnet zu sein. Das sollten Eltern wissen. Viele von ihnen sind heutzutage überbesorgt und möchten am liebsten alle Krankheiten von ihren Kindern fernhalten. Da ist es die Aufgabe von PTA oder Apotheker, im Beratungsgespräch zu versuchen, übertriebene Sorgen zu entkräften. Das gelingt meist am besten mit verständnisvollem Zuhören, aber auch mit dem nötigen Nachdruck vorgetragener Argumente. Der Hinweis, dass der Körper bis zu 14 Tage brauchen kann, um eine banale Erkältung auszukurieren, ist sinnvoll, um falsche Erwartungshaltungen zu korrigieren. Antibiotika sind in aller Regel nicht indiziert, da über 90 Prozent aller Erkältungskrankheiten durch Viren verursacht werden – auch das sollten die Eltern wissen.




Fieber muss nicht immer sofort medikamentös entgegengewirkt werden.

Foto: Shutterstock/George Rudy



Mit einigen gezielten Fragen lässt sich zumeist herausfinden, ob eine Selbstmedikation gerechtfertigt oder ein Arztbesuch anzuraten ist. Der Kinder­arzt muss wiederholte schwere beziehungsweise verschleppte Atemwegsinfekte unbedingt abklären, denn dahinter könnte zum Beispiel eine Mukoviszi­dose stecken oder sich eine chronische Erkrankung anbahnen. Auch eine Nasennebenhöhlenentzündung ist möglich. Ihr geht oft ein länger als zehn Tage anhaltender Schnupfen oder eine besonders schwer erscheinende Erkältung voraus. Etwa ein Drittel der von einer Sinusitis betroffenen Kinder leidet unter Kopfschmerzen, in bis zur Hälfte der Fälle steigt die Körpertempertur mäßig an. Bei 40 Prozent der Kinder tritt gleichzeitig eine Otitis media auf. ­Weil die Erreger vom Rachen über die Ohrtrompete, die Eustachische Röhre, bei Kindern nur eine kurze Distanz zurücklegen müssen, klagen sie bei Erkältungen häufig auch über Ohrenschmerzen. Dennoch sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, um einer Chronifizierung einer Nebenhöhlen- oder Mittelohr-Symptomatik infolge einer Belüftungsstörung rechtzeitig entgegenzuwirken.

Arztbesuch bei Fieber

Auch in punkto Fiebersenkung gibt es Aufklärungsbedarf: Eltern sollten wissen, dass Kleinkinder bei banalen Infekten häufig mit hohem Fieber reagieren. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt, bei einem Kind, das jünger als drei Monate ist, bereits ab einer Körpertemperatur von 38°C den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen. Bei älteren Kindern steht der Arztbesuch ab Temperaturen oberhalb von 39°C an. Tritt Fieber schubweise beziehungsweise wiederholt auf, hält es bei einem unter zweijährigen Kind länger als einen Tag an oder bei einem älteren Kind über drei Tage, sollten Eltern den Rat des Kinderarztes suchen.

Allerdings geht nicht jede schwere Infektion mit Fieber einher, gerade bei Säuglingen. Dann gehört das Baby zum Arzt, wenn es eine ungewöhnliche Hautfarbe aufweist, zu zwei Mahlzeiten nicht trinken will, Hautausschlag bekommt, sich wiederholt erbricht, Durchfall hat oder sich anders als normal verhält, etwa besonders lethargisch ist und wenig reagiert, so der Berufsverband.

Um Fieber zu senken, kommen die Klassiker Paracetamol oder Ibuprofen zum Einsatz. Von einer alternierenden Gabe beider Medikamente bei hohen Fieberzuständen ist in der Selbstmedikation abzuraten. Kliniken wenden dieses Verfahren teilweise an.

Wadenwickel eignen sich nur bedingt als Alternative zur medikamentösen Fiebersenkung. Oft haben Kinder trotz hohem Fieber kalte Hände und Füße, was auf eine Zentralisierung des Kreislaufs hindeutet. Dann und wenn die Kinder stark frösteln, sollen Eltern Wadenwickel nicht anwenden.




Kinder zur Ruhe zu bewegen, ist selbst dann schwierig, wenn sie krank sind. Zuhause sollten sie aber in jedem Fall bleiben.

Foto: Shutterstock/Olesia Bilkei


Bei hohem Fieber gleicht Trinken durch das starke Schwitzen bedingte Flüssigkeitsverluste aus. Gut eignen sich Tees und Wasser, eventuell mit etwas Apfel- oder Birnensaft zur Geschmacksverbesserung. Doch bei Fieber trinken Kinder nicht gerne. Eltern müssen bei schlechtem Allgemeinbefinden dann mitunter teelöffelchenweise in kürzeren Zeitabständen Flüssigkeit anbieten. Gut wäre es, Kinder hielten bei einer schweren Erkältung Bettruhe ein. Leider ist das meist eine Utopie. Kaum wirkt der Fiebersaft, sind die Kleinen vorübergehend wieder munter. Allerdings sollte das Eltern nicht dazu verführen, den scheinbar wieder genesenen Nachwuchs unter dem Einfluss eines Fiebersenkers in die Schule zu schicken. Auch bei Kindern gilt: Möglichst viel Ruhe hilft, Komplikationen zu verhindern, zu denen schlimmstenfalls infektiös bedingte Herzerkrankungen gehören.

Vor allem nachts frei ­ atmen können

Nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen den Kindern, ihre Erkältung zu überwinden – trotzdem ist in aller Regel eine Symptomlinderung mit den entsprechenden Medikamenten erforderlich. Abschwellende Nasentropfen mit alpha-Sympathomimetika machen die Nase in kurzer Zeit frei. Die Wirkung beruht auf einer Engstellung der nasalen Blutgefäße, in deren Folge die Schleimhaut abschwillt und die Nebenhöhlen wieder besser durchlüftet werden. Die abschwellenden Nasentropfen wirken sogar bis in die Eustachische Röhre hinein und eignen sich, den Druck im Ohr zu verringern, falls sich die Infektion ausgeweitet hat.

Ein immer noch unterschätztes Problem sind Gewöhnungseffekte, die sich unter alpha-Sympathomimetika binnen kurzer Zeit einstellen: Weil die Schleimhäute stark wieder anschwellen, wenn das Nasenspray nicht mehr wirkt, benötigt die Nase immer neue Sprühstöße. Um das zu verhindern, sollen die Eltern Nasentropfen oder -sprays mit alpha-Sympathomimetika nicht länger als sieben Tage hintereinander anwenden. Zwar werden Oxymetazolin und Xylometazolin in kindgerechten Konzentrationen angeboten, doch auch hier gilt die zeitliche Begrenzung. Kinderärzte empfehlen, die abschwellenden Tropfen möglichst nur zur Nacht einzusetzen, um den Kindern einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen.

Nach Alter gestaffelt

Nasentropfen sind ohne Altersbegrenzung anwendbar. Nasensprays dagegen eignen sich nicht für Kinder unter zwei Jahren. Für Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren stehen Oxymeta­zolin als 0,01-prozentige Lösung und Xylometazolin als 0,025-prozentige Lösung zur Verfügung. Für Kinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr betragen die Konzen­trationen 0,025 beziehungsweise 0,05 Prozent, und ab dem sechsten Lebensjahr sind Tropfen sowie Sprays mit 0,05 beziehungsweise 0,1 Prozent vorgesehen. Bei höherer Dosierung drohen ernste systemische Nebenwirkungen. Deshalb sollten Eltern auch dann anwesend sein, wenn Kinder in einem Alter sind, in dem sie das Spray selbst anwenden können und wollen. Begleitend sind Kochsalz- oder Meerwasserlösungen zur Befeuchtung der Schleimhäute sinnvoll, und bei sehr wunden Nasen fördert Dexpanthenol den Heilungsprozess.

Husten, auch das sollten die Eltern wissen, ist ein Selbstreinigungsmechanismus. Deshalb gilt auch hier: so wenig eingreifen wie möglich. Antitussiva, die den Husten unterdrücken, sind allenfalls bei quälendem Reizhusten indiziert, der dem Kind den Schlaf raubt. Hustensaft mit dem Wirkstoff Pentoxyverin ist ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen.

Hustensaft mit Efeuextrakt dagegen wirkt in erster Linie schleimlösend. Hauptwirkstoff ist alpha-Hederin, das die Produktion von dünnflüssigem Sekret anregt, den Abtransport von Schleim fördert und das Abhusten erleichtert. Bei zähem Schleim ist die kurzfristige Gabe von Expektoranzien wie Ambroxol und Acetylcystein (ACC) zu erwägen. Diese Schleimlöser wirken aber nur, wenn das Kind ausreichend trinkt.




Bei Badezusätzen mit ätherischen Ölen unbedingt auf Produkte achten, die speziell für ­Kinder ausgewiesen sind.

Foto: Shutterstock/Iakov Filimonov


Leiden Kinder vier Wochen nach einer akuten Erkältung immer noch unter Husten, handelt es sich oft um eine ernstere Erkrankung der Atemwege. Deshalb sollten Eltern, deren Kind schon länger als eine Woche hustet auch dann noch einmal mit ihm zum Kinderarzt, wenn sie es bereits zu Beginn des Infekts dort vorgstellt hatten.

Bei Kindern Vorsicht mit ätherischen Ölen

Manche kleinen Patienten lieben Erkältungsbäder mit ätherischen Ölen. In dem warmen Wasser fühlen sie sich wohl, und die Inhalation der aufsteigenden Dämpfe macht die Nase frei. Berichte über (lebens-)gefährliche Reak­tionen auf die Inhalation ätherischer Öle haben Eltern jedoch verunsichert. In der Tat besteht diese Gefahr, wobei es sich teils um allergische Reaktionen, teils um Vergiftungserscheinungen handelt. Schon bei Kontakt mit kleinsten Mengen drohen Verkrampfungen des Kehlkopfs und Atemstillstand. Laut dem Institut für Risikobewertung sind Kampfer, Menthol und Eukalyptusöl besonders problematisch und bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren tabu. Und für alle ätherischen Öle gilt: Die Eltern dürfen entsprechende Präparate bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesicht auftragen und diese dürfen nicht in Kontakt mit den Schleimhäuten von Mund und Nase kommen. Auf jeden Fall sollten sie nur spezielle Kinderprodukte verwenden, zum Beispiel mit Kiefernnadelöl.

Beachten die Eltern die richtige Verdünnung und die Altersangaben, sind Komplikationen nicht zu befürchten. Bei Kindern mit allergischen Erkrankungen oder Asthma müssen die Eltern grundsätzlich einen Arzt zu Rate ziehen.

Bei Müttern sehr beliebt sind bekanntlich Homöopathika. Für den typischen Säuglingsschnupfen mit Schniefen und Schnorcheln infolge verstopfter Nase wird Sambuccus nigra D3 empfohlen. Bei älteren Kindern setzen Homöo­pathen bei wässrigem Fließschnupfen und heftigem Niesreiz auf Allium cepa D6, bei ähnlichen Symptomen und gleichzeitiger Augenbeteiligung ist Euphrasia D6 das Mittel der Wahl. Und Luffa D6 oder D12 hat sich bei Stockschnupfen mit Borken und Krusten bewährt.

Gerade bei Erkältungskrankheiten ist die Homöopathie eine Wissenschaft für sich, in die man tiefer einsteigen muss, um Einzelmittel fundiert empfehlen zu können. Grundsätzlich gilt, dass die Eltern achtsam den Krankheitsverlauf und Gesundheitszustand ihres Kindes beobachten sollten, damit sie rechtzeitig erkennen, wenn die Selbstmedikation an ihre Grenzen stößt und ein Arztbesuch erforderlich ist. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 21/2017

 

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