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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Rezepturprobleme

Tipps und Lösungshilfen


Von Caroline Wendt, Düsseldorf / Wie müssen PTA und Apotheker mit einer Erythromycin-Rezeptur umgehen, was ist bei Phenolen zu beachten, und wann kann es zu Wechsel­­wirk­­un­gen durch Ionenbindungen kommen? Apothekerin Iris Cutt, Coach der Apothekerkammer Nordrhein, und Apotheker Dr. Jan Olgemöller, Dozent für Tech­nologie und Galenik an der PTA-Lehr­anstalt Essen, klärten knifflige Rezeptur-Fragen.

 

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Als erste Beispielrezeptur stellten die beiden Referenten in der Pharma-World auf der diesjährigen Expopharm in Düssel­dorf die Verordnung von Ethacridinlactat (Rivanol®) in anionischer hydrophiler Creme DAB vor. Hierbei bilden der kationische Wirkstoff und der in der Grundlage enthaltene anionische Emulgator, Cetylstearyl­alkohol Typ A, ein Salz. Das habe zur Folge, dass sowohl der Wirkstoff als auch der Emulgator ihre Funk­tion verlieren, betonten die Experten. »Die Emulsion bricht«, demons­trierte Olgemöller, indem er die live auf der Bühne hergestellte Creme ausstrich und die Klümpchen zeigte. Als alternative Grundlage könne für diese Rezeptur nichtionische hydrophile Creme DAB verwendet werden, erklärte er. Diese enthält Polysorbat 60, ein Ma­crogol, das als nichtionischer Emulgator fungiert.




Was passt zusammen? Wer sich auskennt, kann Inkompatibilitäten vermeiden.

Foto: iStock/wilpunt


Macrogole wiederum vertragen sich nicht mit phenolischen Substanzen, hier kommt es zu Nebenvalenz­bindungen. Das heißt, es entstehen Wasserstoffbrückenbindungen, wodurch Wirk­stoff und Emulgator inak­tiviert werden. Dies zeigten Olgemöller und Cutt am Beispiel­ von Hydrochinon in nichtionischer hydro­philer Creme DAB. Auch hier bildeten sich kleine Klümpchen in der Creme. Eine Rezeptur mit Hydrochinon und anionischer hydro­philer Creme DAB hingegen­ lieferte ein homogenes Er­gebnis.

Klare Kennzeichnung

Um solche Inkompatibilitäten schon vor der Herstellung zu erkennen, lohnt ein Blick ins Neue Rezeptur Formu­larium (NRF), so Cutt. In den »Tabellen für die Rezeptur« könnten PTA und Apotheker alle wichtigen Informa­tionen finden und sich so einen Überblick über mögliche Wechselwirkungen verschaffen. Sinnvoll sei es auch, die Rezepturgefäße zu kennzeichnen: »Das ist einmal etwas Arbeit, aber dann sieht man auf einen Blick, wo es zu Problemen kommen kann«, sagte die Apothekerin. So könne man beispielsweise alle kationischen Wirkstoffe mit einem »K« kennzeichnen und alle anionischen Grundlagen mit einem »A«. Genauso sei es auch bei Wechselwirkungen durch Neben­valenzbindung: Ein »P« kommt auf die Gefäße mit phenolischen Substanzen, ein »M« auf Macrogole. »Das erleichtert die tägliche Arbeit enorm«, ergänzte Olgemöller.

Probleme mit Erythromycin

Bei einer Rezeptur mit Erythromycin müssen PTA und Apotheker besonders auf die Wahl einer geeigneten Grund­lage achten. »Erythromycin ist eine Mimo­se, sowohl ein etwas zu hoher als auch ein zu niedriger pH-Wert ist problema­tisch«, betonte Olgemöller. Erythro­mycin ist nur bei pH-Werten zwischen 8 und 9 stabil. Doch reagiert Erythromycin in Lösung selbst basisch und weist dann einen pH-Wert über 9 auf, erklärte Olgemöller. Daher sieht das NRF die Zugabe einer 0,5-prozen­tigen Citronensäure-Lösung (NRF 11.77) vor, um die Creme auf einen pH-Wert von 8,5 einzustellen. Aber auch das in der entsprechenden Grundlage enthaltene Konservierungsmittel kann von Bedeutung sein. Aufgrund der Säureempfindlichkeit ist Sorbin­säure als Konservierungsmittel ungeeignet. Zu bevorzugen sei eine Konservierung mit Propylenglykol, sagten die Referenten.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Verarbeitung von Erythromycin ist dessen schlechte Benetzbarkeit. Der Wirkstoff sollte daher immer zunächst von Hand angerieben werden, so Cutt. Das NRF empfiehlt hierfür mittelkettige Triglyceride (Mygliol®). Erst danach könne die Substanz in ein automatisches Rührsystem überführt werden. Dabei sei allerdings darauf zu achten, dass zwischen die Erythromycin-Verreibung und die Citronensäure-Lösung eine Schicht Grundlage kommt: »Ansonsten kann die punktuelle Säurebelastung schon zu hoch sein«, erklärte die Apothekerin.

Autokatalytische Reaktion

Ein weiterer Dauerbrenner in der Rezeptur ist Harnstoff (Urea). Die Substanz löst sich sehr leicht in Wasser (etwa im Verhältnis 1:2), ist aber thermo­labil. Eine einmal erwärmte Lösung kristallisiert in großen Kristallen wieder aus. Zudem zersetzt sich Urea unter Wärme autokatalytisch. »Aus einem Teil Harnstoff werden zwei Teile Ammoniak«, sagte Olgemöller. Je mehr Ammoniak entstehe, desto schneller laufe die Reaktion ab, erklärte er. Deshalb empfehle das NRF eine schwach saure Milchsäure-Pufferlösung (NRF 11.71). Eine Verarbeitung mit einem auto­matischen Rührsystem sei jedoch unproblematisch, da der Lösungsvorgang bei Harnstoff eine endotherme Reaktion sei, das heißt, der Ansatz kühlt durch das Lösen ab. Die Reibungswärme würde dadurch ausgeglichen und könne keinen Einfluss auf die Reaktion nehmen.

Vorsichtig öffnen

Abschließend erläuterten die Re­ferenten, welche Fehler bei der Verwendung eines automatischen Rührsystems passieren können. So sollten PTA und Apotheker etwa zum Öffnen einer Topitec®-Kruke nicht das Ge­winde des Gefäßes nutzen. Besser geeignet sei der Rührstab, erklärte Olgemöller. »Wenn sich die Kruke mit einem lauten Knacken öffnet, haben Sie schon etwas falsch gemacht«, sagte er. Bei zu rabiatem Umgang könne leicht der Dichtungsring der Kruken kaputt­gehen. Wirkstoff und andere Rezeptur­bestandteile sollten im Sandwich-Verfahren eingewogen und idealer­weise ringförmig in die Kruke eingebracht werden. Beim Verschließen sei ebenfalls Achtsamkeit an­gebracht, fügte Cutt hinzu. Der Herstellende solle­ durch vorsichtiges Wiegen­ beim Andrücken des Bodens die Kruke langsam und ohne Luft­einschlüsse verschließen. /




Eine klare Kennzeichnung der Rezepturgefäße spart Arbeit.

Foto: PZ/Müller





Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2017

 

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