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BERATUNGSPRAXIS

Haarpflege im Alter

Grau braucht Schutz


Von Elke Wolf / Es ist nicht nur die Haut, die mit zunehmenden Jahren ein Mehr an Pflege verlangt. Auch an den Haaren geht das Alter nicht spurlos vorüber. Was die reichhaltige Anti- Aging-Creme für die Haut, ist eine gewissenhafte Pflege mit aufbauenden Inhaltsstoffen für das Haar.

 

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Im Alter werden die Haare kürzer und dünner, und die Haardichte nimmt ab. Die Haare verlieren ihre natürliche Biegsamkeit und büßen Glanz ein. Sie wirken mitunter strohig und porös. Das gilt umso mehr, wenn die Haare chemisch vorbehandelt sind – seien sie blondiert, gefärbt oder dauergewellt. Altes Haar ist strukturell geschwächt. Eine Tatsache, die bei der Pflege oft nicht berücksichtigt wird. Denn kommen ungeeignete Substanzen zum Einsatz, werden die Haare zusätzlich belastet und können abbrechen oder ausgehen.



Verminderte Pigmentbildung und zahlreiche Lufteinschlüsse lassen das Haar grau aussehen. Dabei gibt es graue Haare im eigentlichen Sinne gar nicht, grau erscheint ein Nebeneinander von weißen und normal pigmentierten Haaren. Mit zunehmendem Alter stellen die Melanozyten die Produktion des farbgebenden Melanins ein und verkümmern schließlich ganz. Anstelle der Melanozyten findet man bei älteren Menschen in der Matrix Lufteinschlüsse. Haare, die kein Melanin mehr bilden können, sind farblos und erscheinen dem Betrachter weiß.

Glanz im Grau

Wer feine, empfindliche Haare stärken will, der braucht milde, hautverträgliche Präparate, die dem Schopf mehr Volumen verleihen. Was früher Frisiercremes oder Haaröle zu schaffen versuchten – sie beschwerten allerdings die Haare unnötig –, erfüllen heute spezielle Shampoos, die sogenannte Konditionierer enthalten. Ihr Clou: Sie enthalten in der Regel Kationentenside. Da brüchig-poröse Haare negativ geladen sind, können die positiv ge­ladenen kationischen Tenside oder Polymere an der Haaroberfläche haften bleiben und das Haar mit einem Schutzfilm überziehen. Durch den Ladungs­ausgleich wird die elektro­statische Aufladung verringert. Zusätzlich in den Shampoos enthaltene Pflegestoffe wie Eiweißhydrolysate, Weizenproteinhydrolysate, Feuchtigkeitsspender wie Milchproteine, Rückfetter wie Lipide aus Weizen oder Panthenol erhöhen den pflegenden Effekt.

Auch Shampoos, die Kräuteraus­züge etwa aus Salbei, Amaranth, Sanddorn oder Ringelblumen enthalten, sind Balsam für geschädigte Haare. Malvenextrakte sind bekannt für ihren hohen Gehalt an Schleimstoffen, die sanft reinigen, reizmildernd wirken und das Haar schützen. Da aufgrund der in Shampoos verwendeten Basistenside die Konzentration von Kationentensiden limitiert ist, wird ein Shampoo allein als pflegende Maß­nahme bei trockenem, brüchigen Haar jedoch nicht ausreichen. Dann helfen ab und an eine Spülung sowie Haar­festiger und Fönlotionen weiter. Sie sorgen für mehr Spannkraft.




Foto: iStock/shapecharge


Für die Pflege eignen sich Präparate von leichter Konsistenz, die die Haare stützen und schützen, aber nicht beschweren. Das Haar darf auf keinen Fall überpflegt werden. Nach dem Waschen wird zum Beispiel ein Festiger oder ein Tonikum auf das feuchte Haar aufgetragen und gut durch­gekämmt. Sie überziehen den Haarschaft mit einem unsichtbaren elastischen Film. Das macht das Haar formbeständiger, außerdem verliert es seine elektrostatische Aufladung.

Flüssige Haarfestiger enthalten als Lösungsmittel meist Ethanol oder Isopropanol, als filmbildende Substanzen komplexe Mischpolymerisate wie Polyvinylpyrrolidon (PVP)/­Vinylacetat-Copolymer. Kationentenside sollen die Kämmbarkeit verbessern und den Haarglanz intensivieren. Polyglykole und Wollwachsderivate dienen als Weichmacher und geben dem Film mehr Elastizität. Auch hier kommen zusätzlich Extrakte etwa aus Salbei, Meerestang, Thymian, Malve und Hirse, aber auch Auszüge aus der Ringelblume, der Brennnessel, aus Birkenrinde und Klettenwurzel zum Einsatz.

UV-Filter und blaue Pigmente

In jedem Fall wichtig: Pflegeprodukte für das reifere Haar sollten UV-Absorber enthalten. Diese reduzieren die schäd­lichen Einflüsse von Sonnenstrahlen. UV-Filter von außen müssen gewissermaßen das abhandengekommene Haarpigment Melanin ersetzen, das natürlicherweise als UV-­Absorber dient und das Haar vor Sonnenschäden wie einem Gelbstich bewahrt. Anti-Grau-Shampoos und -tönungen enthalten blaue Pigmente, um den Gilb-Effekt zu mindern. Als Komplementärfarbe zu Gelb heben Blau-Pigmente die Verfärbungen wieder auf.

Fönlotionen haften besser als Haarfestiger, sodass das Haar während des Trocknungsvorgangs mit einer Bürste bearbeitet werden kann, ohne dass der Filmbildner entfernt wird. Während das Haar trocknet, verdampft das Lösungsmittel, und der Filmbildner bleibt auf der ganzen Länge des Haares zurück. Dadurch wird das Gleiten der Haare aneinander verhindert, die Frisur bekommt einen besseren Halt. Haarfestiger in Schaumform warten meist mit einem erhöhten Anteil an Pflegsubstanzen auf. Weitere Vorteile sind die leichtere Anwendung und bessere Dosierbarkeit. Schaumfestiger müssen vor Gebrauch geschüttelt werden.

Zweite Chance fürs Grau

Wer sich mit seinen grauen Haaren (noch) nicht abfinden, sie aber auch nicht färben möchte, für den bietet das Haarsegment in der Apotheke eine Alternative. Sogenannte Anti-Grau-Shampoos und Tönungsfestiger versprechen, dass sich bei regelmäßigem Gebrauch Farbpigmente in den für die weiße Farbe verantwortlichen Lufträumen des Haares anlagern können, um die dort fehlenden Farbpigmente zu ersetzen. Sogenannte Naturtonprodukte versuchen dagegen eine Repigmentierung, indem die enthaltenen Substanzen mit speziellen Proteinen des Haarschaftes reagieren. Die entstehenden Verbindungen ersetzen die Lufteinschlüsse im Haar und fungieren als Pigmentersatz.

Sowohl das Anlagern von Farbpigmenten als auch die Repigmentierung können höchstens bei leicht ergrautem Haar eine Alternative sein, aber auch nicht bei ursprünglich hellblondem oder schwarzem Haar. Zudem kann sich der Prozess der Farbveränderung über mehrere Tage und mehrere ­Anwendungen hinziehen. Eine völlige Grauabdeckung kann nur mit permanenten Colorationen der Haltbarkeitsstufe III erreicht werden, was nicht davor bewahrt, den weiß nachwachsenden Haaransatz alle vier bis sechs Wochen nach­zufärben. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2017

 

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