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BERATUNGSPRAXIS

Tiergesundheit

Therapie von Nieren­erkrankungen


Von Verena Arzbach, Offenbach / Haustiere leiden im Alter häufig an einer chronischen Nierenerkrankung. Wird sie diagnostiziert, ist meist schon ein großer Teil des Nierengewebes geschädigt. Bestimmte Therapiemaßnahmen können dann aber das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und dem Tier ein weitgehend normales Leben ermöglichen.

 

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»Meine Katze hat kaum noch Appetit, dafür enormen Durst. Sie trinkt viel mehr als früher. Außerdem habe ich bei ihr einen unangenehmen Mundgeruch bemerkt.« Bei einer solchen Aussage sollten PTA und Apotheker hellhörig werden, besonders wenn die Katze schon älter ist. Die beschriebenen Symp­tome deuten auf eine chronische Nieren­erkrankung (CNE), früher meist als chronische Niereninsuffizienz bezeichnet, hin. Die CNE betrifft mehr als 30 Prozent der Katzen über 15 Jahre, sie ist eine ihrer häufigsten Todes­ursachen. Aber auch Hunde können betroffen sein. Besonders anfällig seien Pudel­, Berner Sennenhunde und Yorkshire Terrier, wie Apotheker Alexander Jaksche aus Darmstadt bei einem Semi­nar zum Thema Tiergesundheit beim Hessischen Apothekerverband in Offenbach berichtete.




Foto: Shutterstock/Africa Studio


Wie beim Menschen übernimmt die Niere auch bei den Vierbeinern viele verschiedene Funktionen: »Sie filtert aktiv giftige Stoffwechselprodukte und Fremdstoffe aus dem Blut und scheidet sie aus«, so Jaksche. Aber die Nieren regulieren auch den Wasserhaushalt des Körpers und sorgen dafür, dass wichtige Stoffe aus dem Primärharn rückresorbiert werden. Nicht zuletzt sind sie an der Regulation des Säure-Base-Gleichgewichts, des Elek­trolyt- und Mineralhaushalts und des Blutdrucks beteiligt. Dazu werden einige Hormone, darunter etwa Erythro­poetin, Calcitriol und Renin, in der Niere­ produziert.

Schleichender Teufelskreis

Schäden der Niere könnten durch alter­s­bedingten Gewebeumbau entstehen, aber auch durch Infektionen mit Bak­terien oder Viren, Bluthochdruck, Tu­moren, Toxine oder Arzneimittel, sagte Jaksche. »Die verbleibenden Nephrone können den Verlust von funktions­fähigem Nierengewebe zunächst durch Mehrarbeit kompensieren. Doch irgendwann sind auch sie überlastet«, erklärte der Apotheker. Der Druck im Nieren­gewebe erhöht sich, und es gelangen verstärkt größere Moleküle wie Proteine in den Urin. Im Blut bleiben Phosphate, Harnstoff und Kreatinin zurück. Dies schädigt das verbleibende Nierenge­webe weiter, ein Teufelskreis entsteht.

Die Erkrankung bleibt meist über Monate bis Jahre unerkannt. »Bei der Diagnose sind meist schon 65 bis 75 Prozent der Nephronen zerstört.« Neben Appetitlosigkeit und verstärktem Durst durch die mangelnde Urinkonzentrierung können auch Übelkeit, Erbrechen, Muskelschwäche, eine schlechte Fellqualität, Schuppen oder ein stumpfes Haarkleid auf eine Nierenschädigung hinweisen. Aufgrund der verminderten Produktion des Hormons Erythropoetin, das bei der Bildung der roten Blutkörperchen eine Rolle spielt, sind die Tiere oft schwach und müde, außerdem erscheint etwa die Mundschleimhaut häufig blass und verwaschen aufgrund der herabgesetzten Zahl roter Blutkörperchen. Zudem könne die erhöh­te Harnstoffmenge im Blut einen starken Mundgeruch beim Tier auslösen, so Jaksche. Berichtet ein Tierhalter in der Apotheke von diesen Symptomen, sollten PTA oder Apotheker ihn umgehend an den Tierarzt verweisen, betonte er.

Die Schädigung des Nierengewebes ist irreversibel, eine Regeneration nicht möglich. »Die Behandlung kann aber das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen und den Patienten ein an­genehmes, weitgehend normales Leben­ ermöglichen«, betonte Jaksche. Je früher die Therapie einsetzt, umso besser sind auch die Aussichten. Zur Früherkennung sollten Tierhalter daher bei allen Katzen und auch Hunden ab dem siebten Lebensjahr regelmäßig Blut- und Urinwerte beim Tierarzt kontrollieren lassen.

Für CNE-Patienten gibt es spezielle Nieren­diäten. Das Futter hat einen reduzierten Phosphatgehalt, um eine Phosphat-Anreicherung im Blut zu vermeiden beziehungsweise eine bereits bestehende Hyperphosphatämie nicht weiter zu intensivieren. Ein weite­res Merkmal des Spezialfutters ist sein reduzierter Proteingehalt. »Weniger Protein soll weniger Arbeit für die Nieren bedeuten«, so Jaksche. Bei Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz sind Experten im Gegensatz dazu von der Empfehlung einer starken Eiweißbeschränkung inzwischen abgerückt, denn Studien haben gezeigt, dass sich das Fortschreiten der Nierenerkrankung dadurch nicht aufhalten lässt.




Viel Durst, aber wenig Appetit: Das können Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung bei der Katze sein.

Foto: Shutterstock/Phensri Ngamsommitr


Der Bedarf an Proteinen sei generell bei der Katze hoch, so Jaksche. Zu stark sollte die Eiweißzufuhr also nicht gesenkt werden, denn nierenkranke Tiere bauten schnell körperlich ab, betonte er. Sie seien auf leicht verdauliche Nahrung mit einem Mindestgehalt an hochwertigen Proteinen angewiesen.Ein weiteres Problem ist, dass die Tiere das proteinarme Diätfutter meist nicht annehmen. Sie sind aufgrund der Erkrankung ohnehin appetitlos, das Füttern der nicht sehr schmackhaften Schonkost stellt den Besitzer in der ­Praxis daher vor eine Heraus­forderung. Jaksche riet, das normale Futter sukzessive auf die Nierendiät umzustellen. Besser seien auch mehrere kleinere Mahlzeiten als wenige große. Eventuell könne es anfangs auch helfen, aus der Hand zu füttern. Man könne auch versuchen, das Futter anzuwärmen, um über den intensiveren Geruch den Appetit zu stimulieren, schlug der Apotheker vor. Geschmacklich verbessern lässt sich das Futter zusätzlich etwa durch Hinzufügen kleiner Mengen Fleisch- oder Fischfond oder Hühnerbrühe.

Tabletten nicht ins Futter

Tabletten für das Tier sollte der Halter­ möglichst nicht unter das Futter mischen, damit das Tier die Nahrung nicht mit einer unangenehmen Erfahrung verbindet. »Am wichtigsten ist aber: CNE-Patienten müssen fressen«, betonte Jaksche. »Wenn sie die Nierendiät überhaupt nicht annehmen, sollten schwer kranke Tiere Nahrung bekommen, die sie akzeptieren, auch wenn es ungesunde Nahrungsmittel wie gekochter Schinken, Leberwurst oder Fleischwurst sind«, riet der Apotheker.




Für nierenkranke Tiere gibt es Spezialfutter mit einem verminderten Phosphat- und Proteingehalt.

Foto: Shutterstock/Alena Lebedzeva


Um die Aufnahme von Phosphaten zu reduzieren, kann den Tieren zusätzlich ein spezieller Phosphatbinder ins Futter gemischt werden. Dieser fängt Phosphat aus der Nahrung im Darm ab, es wird nicht aufgenommen und wieder ausgeschieden. Entsprechende Präpa­rate sind als Pulver oder in flüssiger Form in der Apotheke erhältlich. Bei Verwendung von Calciumcarbonat-haltigen Phosphatbindern sollte der Calciumspiegel regelmäßig kontrolliert werden, riet Jaksche. Besser seien calciumfreie Phosphatbinder. Wichtig: Zur Gabe anderer Arzneimittel sollte immer ein Abstand eingehalten werden.

Wichtig ist auch, auf eine aus­reichende Aufnahme von Flüssigkeit bei den tierischen Patienten zu achten. Die Niere ist unfähig, den Urin zu kon­zen­trieren, daher setzen die Tiere große Mengen Urin ab. Wird nicht genug getrun­ken, droht eine womög­lich lebens­bedrohliche Dehydratation.Jaksches­ Tipps: »Das Tier sollte eher Feucht- als Trockenfutter bekommen, zusätzlich kann der Tierhalter warmes Wasser, Hühnerbrühe oder Fischfond ins Futter mischen. Frisches Trink­wasser sollte ständig verfügbar sein, für geschwächte Tiere kann man mehrere Näpfe in der Wohnung aufstellen.« Auch ein Trinkwasserbrunnen könne die Trinkmenge erhöhen, da viele Katzen bevorzugt fließendes Wasser trinken. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine subkutane Flüssigkeitsinfusion helfen. Deren Verabreichung kann der Tierhalter beim Tierarzt lernen.

Kontrolle beim Tierarzt

Weiter sollten Halter auch auf den Kaliumblutspiegel ihres Haustieres achten. Die meisten Nierendiäten sind mit Kalium angereichert, ansonsten könne auch nach Anweisung des Tierarztes Kalium zugefüttert werden, sagte Jaksche. Zur Appetitanregung könne in manchen Fällen eine Vitamin-B12-Supplementierung nach Rücksprache mit dem Tierarzt gegeben werden. Eventuell muss das Tier zur Blutdruckregulierung ein Medikament bekommen, hier sollte ebenfalls der Tierarzt zurate gezogen werden. Dieser sollte Blutparameter, Medikamente und Ernährung regel­mäßig kontrollieren und eventuell anpassen. So könne man vielen Tieren trotz Erkrankung noch über Monate oder Jahre ein beschwerdefreies Leben ermöglichen, sagte Apotheker Jaksche. /


Die akute Niereninsuffizienz

Im Gegensatz zur chronischen Nierenerkrankung (CNE) kommt es bei der akuten Niereninsuffizienz (ANI) zu einem plötzlichen totalen oder teilweisen Ausfall­ der Nierenfunktion. Dahinter steckt meist eine Vergiftung, etwa durch Ethylenglykol, Rosinen, Thallium (Rattengift) oder Schmerzmittel. Auch eine verminderte Nierendurchblutung durch eine Narkose oder einen Kreislaufschock sowie ein mechanisches Trauma, etwa durch einen Autounfall, können ein akutes Nierenversagen auslösen.

Die ANI verläuft meist akut oder perakut (außergewöhnlich schnell). Das Tier setzt große Mengen unkonzentrierten Urin ab, oder der Urinabsatz ist gar nicht mehr möglich. Dazu können Fieber, Schwäche, Appetitlosigkeit, Austrocknung, Erbrechen, Durchfall, blutiger Kot/Urin kommen, im Endstadium dann schließlich Koma und Tod. Die Behandlung muss symptomatisch er­folgen, das Tier muss so schnell wie möglich zum Tierarzt.



Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2017

 

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