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BERATUNGSPRAXIS

Mundinfektion

Nicht immer harmlos


Von Annette Immel-Sehr / Wenn die Mundschleimhaut entzündet ist, können Essen und Trinken so schmerzhaft sein, dass Betroffene lieber ganz darauf verzichten. Auslöser solcher Erkrankungen sind in der Regel Viren oder Pilze. Kleinkinder, alte Menschen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind besonders empfänglich für derartige Infektionen.

 

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Mit dem unappetitlichen Begriff »Mundfäule« bezeichnet der Volksmund die Symptome, die durch eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 (HSV-1) im Mund ausgelöst werden. Die Bezeichnung Mundfäule geht wahrscheinlich auf den fauligen Mundgeruch zurück, der mit der Erkrankung einhergeht. Ärzte sprechen von Stomatitis aphthosa oder Gingivostomatitis herpetica.




Foto: Shutterstock/Africa Studio


Kleinkinder haben meist im Alter von zwei bis vier Jahren erstmals Kontakt mit HSV-1. Dieses Virus ist weit verbreitet, weswegen sich fast jeder damit infiziert. Oft stecken sich Kinder unbemerkt durch engen Kontakt innerhalb der Familie an, zum Beispiel über infektiösen Speichel. Die Herpes-Viren lassen sich in den Nervenganglien nieder und können Jahre später einen Ausbruch von Lippenherpes verursachen. Bei einem kleinen Teil der Kinder und Jugendlichen führt die Erstinfektion mit HSV-1 jedoch direkt zum Ausbruch von Mundfäule. Erkranken hingegen Erwachsene an Mundfäule, liegt die Infektion meist lange zurück; dann ist eine Immunschwäche der Grund für die Aktivierung des Virus.

Charakteristisch für eine Stomatitis aphthosa sind wunde Stellen im Mundraum. Zu Beginn zeigen sich allerdings nur allgemeine Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten am Hals. Dann bilden sich auf den Schleimhäuten im Mundraum, manchmal auch an den Lippen, viele kleine Bläschen. Diese platzen auf, und es entstehen schmerzhafte, stecknadelkopf- bis linsengroße Schleimhautschäden mit weißlichem oder gelb-grauem Belag und einem rötlichen Rand. Mediziner bezeichnen diese als Aphthen. Der gesamte Mundraum kann davon befallen sein. Des Weiteren stellen sich starker Speichelfluss und Mundgeruch ein. Die Aphthen sind sehr schmerzhaft, vor allem bei Berührung. Aus diesem Grund verweigern Kinder oft das Essen und Trinken. Neuge­borene und Babys gehören in jedem Fall in ärztliche Behandlung.

Wenn HSV-1 über eine Schmierinfek­tion auf Oberlippe, Naseneingang oder in das Auge gelangt, kann sich die Stomatitis aphthosa ausbreiten. Die schwerste Verlaufsform der Mund­fäule bezeichnen Mediziner mit dem Begriff »Aphthoid Pospischill-Feyrter«. Dabei geht die Entzündung auf den Rachen­, die Speiseröhre, die Gesichtshaut über und manchmal auch auf die Genitalien. Gefährlich wird es, wenn HSV-1 ins Gehirn gelangt und eine Gehirn­entzündung auslöst. Diese schwere Verlaufsform ist glücklicherweise sehr selten.

In der Regel heilt Mundfäule innerhalb von zwei bis drei Wochen ohne Folgeschäden ab. Eine ursächliche Arznei­mitteltherapie steht nicht zur Verfügung. Medikamente können jedoch­ helfen, die Symptome zu lindern. Eingesetzt werden Paracetamol oder Ibuprofen gegen das Fieber sowie das Lokalanästhetikum Lidocain in Form von Spray, Creme oder Gel. Des Weiteren können die Kinder – sofern sie dies technisch schon hinbekommen – Mundspülungen mit Chlorhexidin anwen­den. Bettruhe unterstützt die baldige Genesung. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass ihr krankes Kind genug trinkt. Tipp: Manchmal fällt es den Kindern leichter, mit einem Strohhalm zu trinken. Ansonsten sind milde, kühle Speisen empfehlenswert, wie Eis, Joghurt oder Grießbrei.

Wenn das Kind keine Flüssigkeit zu sich nimmt, sollten die Eltern mit ihm den Arzt aufsuchen. Manchmal ist ein Klinikaufenthalt erforderlich, um dem kranken Kind Flüssigkeit zu infun­dieren. Treten Komplikationen auf, setzen Ärzte im Krankenhaus mitunter das Virustatikum Aciclovir ein. Es eignet sich allerdings nicht für alle Patienten.

Dauerbewohner Candida

Eine andere, relativ häufige Erkrankung der Mundschleimhaut, die Kinder, aber auch immunschwache Erwachsene betrifft, ist Mundsoor. Diese Erkrankung wird durch den Hefepilz Candida ausgelöst und daher auch als orale Candidose bezeichnet. Charakteristischerweise entsteht Mundsoor an der Innenseite der Wangen oder Lippen. Doch auch der Rachen, die Zunge oder der Gaumen können betroffen sein. Me­diziner unterscheiden verschiedene Formen von Mundsoor. Die häufigste Form ist die pseudomembranöse Candi­dose. Zu Beginn der Infektion entstehen vereinzelte weiße Flecken auf der Mundschleimhaut, die sich leicht ablösen lassen. Im weiteren Verlauf bilden sich immer größere weiße, cremeartig aussehende Flecken, die beim Ablösen zu Blutungen der Schleimhaut führen können. Unbe­handelt kann sich Mundsoor auf den Rachen, die Speiseröhre oder den ­Magen-Darm-Trakt ausdehnen.


Soor und Mundfäule vorbeugen

  • Sauger oder Schnuller von Kindern nie mit dem eigenen Speichel säubern
  • Temperatur von Milch oder Brei nicht mit den Lippen prüfen
  • Gläser und Besteck nicht gemeinsam benutzen
  • Schmutzflecken im Gesicht von Kindern nicht mit Spucke ent­fernen
  • Mund des Kindes nicht mit einem gebrauchten Taschentuch säubern
  • bei akuten Infektionen: keinen engen Körperkontakt mit Kindern, nicht küssen


Die Infektion verursacht häufig ein pelziges oder brennendes Gefühl im Mund, Mundgeruch, Mundtrockenheit, gesteigerten Durst sowie einen un­­ange­neh­men oder metallischen Geschmack. Hinzu kommen oft geschwollene Lymphknoten sowie Schmerzen beim Essen, Trinken oder Schlucken. Im Gegensatz zur Mundfäule geht Mundsoor bei Kindern allenfalls mit leichtem Fieber einher.

Der Auslöser von Mundsoor, der Pilz Candida albicans, lebt bei vielen gesunden Menschen friedlich im Mundraum, im Darm oder auf der Haut. So lange das Immunsystem gut funktioniert, ist Candida albicans ein unschädlicher Bewohner des menschlichen Körpers. Ist die Immunabwehr jedoch geschwächt, kann sich der Pilz plötzlich stark vermehren und Beschwerden auslösen. Neben Babys­ und alten Menschen sind beispielsweise Krebspatienten, HIV-­Infizierte, Diabetiker oder Menschen nach Organtransplantation gefährdet. Häufig verschreiben Ärzte immun­geschwächten Menschen ein Anti­mykotikum, um Mundsoor vorzubeugen.

Therapie zu Ende führen

Babys stecken sich manchmal schon während der Geburt mit einem un­erkannten Scheidenpilz der Mutter an oder später über den Schnuller. Um­gekehrt kann sich auch die stillende Mutter bei ihrem Säugling anstecken und Brustsoor entwickeln. Nicht immer sind bei Mutter und Kind Symptome zu beobachten. Trotzdem empfehlen Ärzte häufig, beide zu therapieren, um einen Ping-Pong-Effekt zu vermeiden. Eine Soorinfektion der Brustwarzen (Brustsoor) lässt sich mit einer antimykotischen Salbe behandeln. Das Stillen muss in diesem Fall nicht beendet oder unterbrochen werden.

Bei alten Menschen bieten schlechtsitzende oder schlecht gereinigte Zahnprothesen häufig einen guten Nährboden für Candida. Auch Rauchen und ein trockener Mund befördern das Pilzwachstum. Des Weiteren können bestimmte Medikamente bei lang­dauernder Einnahme das Immun­system und die Mundflora schwächen. Dazu zählen vor allem Antibiotika und cortisonhaltige Asthma-Sprays. Anwendern von Asthmasprays geben PTA deshalb am besten mit auf den Weg, nach der Inhalation stets gut den Mund auszuspülen beziehungsweise die Zähne­ zu putzen. Das verringert die Gefahr für eine Candidose durch haftengebliebenes Cortison.

Mundsoor ist eine eher harmlose Erkrankung. Dennoch sollten Betroffene bei Verdacht darauf bald einen Arzt aufsuchen. Ein früher Behandlungs­beginn verhindert, dass sich der Pilz auf den Rachen und die Speiseröhre ausbreitet oder andere Menschen infiziert werden. Die Therapie erfolgt in der Regel­ lokal mit einem Antimykotikum, etwa in Form von Lutschtabletten, Gel, Mundspülungen oder Suspensionen. Angewendet werden Wirkstoffe wie Nystatin, Miconazol oder Amphotericin B. Wenn die topische Behandlung nicht ausreicht, kann das Antimykotikum als Tablette oder Saft verabreicht werden.

Auch wenn kein Belag mehr zu sehen­ ist, muss die Therapie wie vorgesehen zu Ende geführt werden, sie dauert in der Regel acht bis zehn Tage. Ein früh­zeitiger Abbruch kann ein Rezidiv zur Folge haben. Schnuller, Sauger, Zahnbürsten, Zahnprothesen oder Zahnspangen sollten wenn möglich ausgewechselt oder aber sterilisiert werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2017

 

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