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BERATUNGSPRAXIS

Gebissreinigung

Auch die Dritten brauchen Pflege


Von Annette Immel-Sehr / Nicht nur die natürlichen Zähne, auch ein künstliches Gebiss braucht täglich Pflege, denn schmutzige Gebisse leisten Mundgeruch, Zahnfleischentzündung und Karies Vorschub.

 

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Zahnärzte unterscheiden zwischen Teil- und Totalprothesen. Eine Teil­prothese ersetzt einzelne fehlende Zähne. Sie sitzt auf dem Kieferkamm und wird mit Hilfe von Klammern und Bögen an verbliebenen Zähnen fixiert. Dagegen ersetzt eine Totalprothese alle Zähne des Ober- oder Unterkiefers. Den Halt einer solchen Prothese er­zeugen weitgehend Adhäsionskräfte zwischen Mundschleimhaut und Prothesenmaterial.




Foto: Fotolia/blende40


Zwei Hilfsmittel spielen die Hauptrolle, um Prothesen zu reinigen: Wasser und Zahnbürste. Nach den Mahlzeiten nimmt man die Prothese am besten stets heraus und spült sie unter fließendem Wasser ab. Diese schnell durchzuführende Routinemaßnahme lässt sich fast überall umsetzen. Steht, wie in Restaurants oder Büros, meist kein separiertes Waschbecken zur Verfügung, so dass man die Prothese nicht ausziehen kann, sollte man den Mund dennoch gut spülen.

Feuchte Prothesen sind rutschig und gleiten schnell aus der Hand. Fallen sie auf harten Grund, brechen sie. Um kein Risiko einzugehen, sollten sich Prothesenträger deswegen angewöhnen, vor dem Reinigen etwas Wasser in das Waschbecken einlaufen zu lassen. Gleitet die Prothese dann beim Säubern aus der Hand, mildert das Wasser den Aufprall. Grundsätzlich gilt: Zahnprothesen mit beiden Händen nur an den stabilen Kunststoff- und Metallteilen anfassen. Befestigungsteile sind sehr empfindlich und verbiegen oder brechen deshalb leicht.

Noch wirkungsvoller, als die Prothese unter fließendes Wasser zu halten, reinigt man sie mit der Bürste, und zwar zweimal am Tag. Dazu reicht eine normale Zahnbürste aus, es gibt jedoch auch spezielle Prothesenbürsten. Letztere passen sich dem Zahnersatz durch ihre besondere Form und Anordnung ideal an. Diese Bürsten erleichtern gerade auch Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit die Reinigung, weil sich schwer zugängliche Prothesenflächen damit gut erreichen lassen. Zudem haben Prothesenbürsten härtere Borsten. Das verbessert den Reinigungseffekt.

Das richtige Reinigungsmittel

Zahnpasta eignet sich nicht, um Prothesen zu säubern, da die enthaltenen Putzkörper den Zahnersatz schädigen können. Zudem ist das in der Zahnpasta enthaltene Fluorid für Prothesen ohne Nutzen. Zur Reinigung mit der Zahn- oder Prothesenbürste wählt man deshalb am besten spezielle Prothesenpasten oder Schäume. Auch Handseife eignet sich, sollten Kunden danach fragen. Ergänzend können Anwender ihre Prothesen auch mit einer Reinigungstablette in ein Glas Wasser von Raumtemperatur oder für zehn Minuten in eine Mischung aus einem Teil Wasser und zwei Teilen farblosem Essig einlegen. Danach schrubbt man den Zahnersatz mit einer Zahnbürste ab. Sowohl bei Reinigungstabletten als auch bei Essigwasser darf der Zahnersatz nicht zu lange in der Lösung bleiben. Sonst kann er sich verfärben oder die Kunststoffbasis wird in Mitleidenschaft gezogen. Da sich Prothesenreinigungsmittel in der erforderlichen Einwirkzeit zum Teil deutlich unterscheiden, gilt es, vorab immer den Beipackzettel zu studieren.

Bei Mundinfektionen sollte die Zahnprothese täglich desinfiziert werden. Dazu kann der Anwender sie für fünf Minuten in gebrauchsfertige Chlorhexidinlösung einlegen. Achtung: Eine Prothese darf niemals in heißes Wasser gelegt oder ausgekocht werden. Eine solche Behandlung schadet dem Material.

Gegen Abbau und Entzündung

Künstliche Zähne können zwar keine Karies entwickeln, sind aber wie die natürlichen Zähne anfällig für Zahnstein. Bildet er sich an den Verbindungselementen und Kontaktflächen, die den Halt der Prothese an den Träger-­­, beziehungsweise Pfeilerzähnen sichern, stören bereits minimale Ab­lagerungen dieses auf Bruchteile von Millimetern gearbeitete Gefüge. Lässt sich die Prothese nicht mehr so leicht wie am Anfang herausnehmen, weist das auf Zahnstein hin. Dann sucht der Prothesenträger am besten so bald wie möglich seinen Zahnarzt zur professionellen Prothesenreinigung auf. Denn mit einer normalen Zahnbürste wird er sich vergeblich mühen, Zahnstein am natürlichen Zahn oder am Zahnersatz zu entfernen. Überhaupt ist eine professionelle Reinigung der Prothese in regelmäßigen Abständen empfehlenswert. Zahnärzte und Zahntechniker benutzen dazu Ultraschallgeräte. Wer selbst ein solches Gerät besitzt, kann die Prothese damit auch zu Hause reinigen. Meist kommt dazu eine dreiprozentige Wasserstoffsuperoxid-Lösung zum Einsatz.

Prothesen üben bei jeder Kaubewegung einen gewissen Druck auf die Mundschleimhaut aus. Das macht diese empfindlicher und anfällig für Entzündungen. Vollprothesen schränken zudem den Speichelfluss am Gaumen ein, was die Selbstreinigung behindert. Deswegen sollten Prothesenträger einmal täglich das Zahnfleisch und gegebenenfalls den Gaumen mit einer weichen, angefeuchteten Zahnbürste massieren und reinigen. Damit regen sie die Durchblutung an, beseitigen Speisereste und unerwünschte Keime. Für alte Menschen ist diese Pflege besonders wichtig. Denn alterstypische Abbauprozesse im Kieferkamm lassen sich deutlich verlangsamen, wenn das Zahnfleisch immer wieder massiert und dadurch gut durchblutet wird. Wenn ältere Menschen die Zahnfleischmassage nicht mehr selbst durchführen können, sollten pflegende Angehörige oder der Pflegedienst dies übernehmen. Bei Schwellung, Rötung oder Schmerzen lautet der Rat immer: Gehen Sie zum Zahnarzt.

Die Frage, ob man mit Prothese schläft oder sie vorab herausnimmt, bespricht der Patient am besten mit seinem Zahnarzt, denn es gibt keine allgemeingültige Regel. Wer die Prothese auch nachts trägt, stärkt seinen Kieferknochen – das spricht dafür, sie im Mund zu belassen. Wenn sich der Zahnersatz am Kiefer festsaugt, entsteht ein Unterdruck. Dieser Zug auf den Kiefer verhindert oder bremst den Abbau des Kieferknochens. Manche Anwender, besonders von Teilprothesen, befürchten, sie könnten die Prothese im Schlaf verschlucken und nehmen sie aus diesem Grund nachts heraus. Früher lautete die Empfehlung, die Prothese in ein Glas Wasser zu legen, während sie nicht getragen wird. Immer mehr Zahnmediziner raten allerdings mittlerweile dazu, den Zahnersatz nachts trocken an der Luft aufzubewahren, um Bakterien und Pilzen keinen Nährboden zu bereiten. Keinesfalls darf die Prothese über Nacht in Reinigungsflüssigkeit liegen.

Nicht zu vergessen ist die Pflege der verbliebenen natürlichen Zähne. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Haltezähne, damit sie lange gesund und stabil bleiben. Für die regelmäßige Reinigung der Zwischenräume eignen sich Zahnseide und Interdentalbürstchen. Einmal wöchentlich kann ein fluoridhaltiges Gel den Schutz vor Karies verstärken. Manche Zahnärzte empfehlen, das Gel punktuell an der Stelle auf die Prothese aufzutragen, die mit dem Pfeilerzahn in direktem Kontakt steht. /


Richtig reinigen

  • Zweimal täglich Prothese gründlich reinigen, besonders die Flächen, die auf Gaumen und Zahnfleischkamm aufliegen
  • Zur Reinigung Prothesen- oder Zahnbürste mit flüssiger Seife oder speziellem Produkt für dritte Zähne (Reinigungsflüssigkeit, Pflegeschaum) verwenden. Reinigungsmittel anschließend gut abspülen. Alternativ Prothese im Wasserbad mit Reinigungstablette oder Essigwasser reinigen. Anwendungsvorschriften beachten.
  • Von der Prothese bedeckte Mundschleimhaut und den Zungenrücken täglich mit einer weichen Zahnbürste reinigen und massieren.
  • Nach jeder Mahlzeit Zahnersatz unter­ fließendem Wasser abspülen, vorher Wasser in das Waschbecken füllen.
  • Niemals harte Beläge mit Messern oder harten Gegenständen vom Zahnersatz abkratzen. Nicht in die Spülmaschine stecken!
  • Von Zeit zu Zeit: professionelle Prothesenreinigung
  • Übergänge zwischen verbliebenen Zähnen und Zahnersatz besonders gründlich reinigen. Zahnzwischenräume nicht vergessen!



Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2017

 

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