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BERATUNGSPRAXIS

Wimpernwachstum

Augen auf bei Prostaglandin-Seren


Von Caroline Wendt / Ein verführerischer Augenaufschlag gilt seit jeher als Attraktivitätsmerkmal. Neben Wimperntusche, Lidstrich und künstlichen Wimpern gibt es Seren, die Wimpernwachstum versprechen. Was enthalten diese Präparate?

 

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Prostaglandinderivate wie Latanoprost (zum Beispiel in Xalatan®) oder Bimato­prost (zum Beispiel in Lumigan®) gehören zu den Mitteln der ersten Wahl zur Behandlung des chronischen Offenwinkelglaukoms. Sie verbessern den Abfluss des Kammer­wassers und senken so den Augeninnendruck um bis zu 40 Prozent. Eine sehr häufig beobachtete Neben­wirkung dieser Medikamente hat sich nun die Kosmetikindustrie zunutze gemacht: das verstärkte Wimpernwachstum. Angeboten werden Seren, die beispielsweise Bimatoprost oder andere Prostaglandinanaloga (zum Beispiel Isopro­pyl-Cloprostenat, Dechloro-Dihydroxy-Difluoro-Ethylcloprostenolamid oder Methyl­a­mido-Dihydro-Noralfaprostal) enthalten.




Kosmetische Seren versprechen lange Wimpern. Sie können aber auch Nebenwirkungen haben.

Foto: Shutterstock/Serg Zastavkin


Die Wachstumsseren werden wie ein Eyeliner am oberen Wimpernkranz aufgetragen. Nach einmal täglichem Auftragen auf das Augenlid seien bereits nach vier bis sechs Wochen­ erste Erfolge zu bemerken. Insgesamt soll dabei die Länge der Wimpern bis zu einem halben Zentimeter zunehmen, versprechen die Her­steller. Wahrscheinlich verlängern die prostaglandinhaltigen Seren die Wachstumsphase der Wimpern, doch der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt.

Funktionsarzneimittel

Das Problem: Die Kosmetik­hersteller setzen in ihren Produkten pharma­kologisch wirksame Substanzen ein. Bereits 2014 stufte das Bundes­institut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Produkte als Funktions­arzneimittel ein, die eine Zulassung mit einem Nachweis wissenschaftlicher Studien zu Wirksamkeit und Neben­wirkungen benötigen. Doch aufgrund des Wider­spruchs eines Herstellers ist dieser Beschluss bis heute noch nicht rechtskräftig. Bis zu einer endgül­tigen Entscheidung dürfen die Wimper­seren deshalb weiterhin als Kosmetika verkauft werden.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) warnt inzwischen auf seiner Internetseite vor dem Gebrauch prostaglandinhaltiger Seren. Denn neben des verstärkten Wachstums der Wimpern sind aus den klinischen Studien der Glaukom­-Augentropfen noch weitere Nebenwirkungen bekannt. Hier werden unter anderem Kopfschmerzen, gereizte oder gerötete Augen, verminderte Sehschärfe und eine verstärkte Pigmen­tierung der umliegenden Haut als Neben­wirkungen beschrieben. Diese Effekte scheinen allerdings nach Absetzen der Augentropfen reversibel zu sein. Eine bedeutende irreversible Neben­wirkung ist aber die verstärkte Pigmen­tierung der Iris: Während einer zwölfmonatigen Anwendung von Bimato­prost-Augentropfen 0,3 mg/ml verdun­kelte sich bei 1,5 Prozent der Anwender die Augenfarbe, heißt es in der Fach­information des Medikaments. Durch einen erhöhten Melaningehalt in den Melanozyten können blaue Augen sogar zu braunen werden.

Gereizte Augen

Inwieweit diese Nebenwirkungen auch bei der Anwendung von Wimpernseren auftreten können, ist nicht bekannt. Ledig­lich in den USA gibt es ein Präparat (Latisse®), welches durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA als Arzneimittel zugelassen ist. Der Hersteller Allergan konnte in einer doppelt verblindeten Studie mit 278 Probanden ein deutlich verbessertes Wimpernwachstum gegenüber Placebo nachweisen. Doch traten in dieser Studie auch Nebenwirkungen auf. Bei 3 bis 4 Prozent der Probanden kam es unter­ anderem zu geröteten oder gereizten Augen und Überpigmentierung der Haut. Ebenfalls berichtet die Fachinformation über abnormales Haarwachstum und Irisüberpigmentierung.

Auch Kosmetika dürfen gemäß der europäischen Kosmetikverordnung »bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung die mensch­liche Gesundheit nicht schädigen«. Doch anders als bei Arznei­mitteln, bei denen Studien über Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität klare Voraussetzungen erfüllen müssen, können die Hersteller von kosmetischen Produkten die Unter­suchungs­methoden weitest­gehend selbst bestimmen.

Auch müssen die Kosmetikhersteller die Ergebnisse ihrer Untersuchungen nicht öffentlich machen. Dementsprechend sind die Informationen, die auf den Webseiten der Hersteller zu finden sind, unterschiedlich. Einige raten von der Verwendung der Seren nach Augenoperationen oder während Schwangerschaft und Stillzeit ab. Mal wird auch von möglichen Reizungen der Haut berichtet. Bei einigen Produkten sind allerdings gar keine Hinweise zur Produkt­sicherheit zu finden.

Wachstums-Alternativen

Nicht alle Wimpern-Wachstumsseren enthalten Prostaglandine. Einige Prä­­pa­rate sollen mit Inhaltsstoffen wie Panthenol, Hyaluronsäure und Vitaminen ebenfalls die Wachstumsphase der Wimpern verlängern (zum Beispiel Medi­pharma Cosmetics Wimpern Booster, La mer Ultra Beautiful Lashes oder Biomed Wunder Wimpern Aufbauserum). Tra­ditionell kommt auch Rizinus­öl zum Einsatz­. Schon bei den Ägyptern wurde das Öl in Salben und Cremes verwendet. Es soll eine haarwuchsfördernde Wirkung haben. Ob Rizinusöl Haare und Wimpern allerdings wirklich besser wachsen lässt oder ob das Öl lediglich ein geschmei­digeres Aussehen verleiht, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. /


Definitionen

Definition Kosmetika laut Artikel 2 der EG-Kosmetik-Verordnung:

»Kosmetika sind Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind, äußerlich am Körper des Menschen oder in seiner Mundhöhle angewendet zu werden. Ihre ausschließliche oder überwiegende Aufgabe ist es, Haut, Haare, Nägel, Lippen, die äußeren Intim­regionen oder die Zähne und die Mundschleimhäute zu reinigen, zu schützen, in gutem Zustand zu erhalten, zu parfümieren, deren Aus­sehen zu verändern oder den Körper­geruch zu beeinflussen.«

Definition Arzneimittel nach Arzneimittelgesetz § 2, Absatz 2a:

»Arzneimittel sind Stoffe oder Zu­bereitungen aus Stoffen­, die im oder am menschlichen oder tierischen Körper angewendet oder einem Menschen oder einem Tier ver­abreicht werden können, um die physiologischen Funktionen durch eine pharmakologische, immuno­logische oder metabolische Wirkung wiederher­zu­stellen, zu korrigieren oder zu beeinflussen.«



Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2017

 

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