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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Präeklampsie

Komplikation in der Schwanger­schaft


Von Verena Arzbach / Bluthochdruck in der Schwangerschaft kann zu Komplikationen bei Mutter und Kind führen. Kommt eine erhöhte Proteinausscheidung über den Urin hinzu, ist die Situation besonders gefährlich.

 

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Ab der 22. Schwangerschaftswoche litt Anna S. fast täglich unter starken Kopfschmerzen. Sie nahm ab und zu ein Flimmern vor den Augen wahr, manchmal auch Lichtblitze. Die Gynäkologin überprüfte den Blutdruck der Schwangeren: 160/100 mmHg. »Das ist viel zu hoch!« Eine Urinprobe zeigte außerdem vermehrte Eiweißausscheidungen.




Foto: iStock/DragonImages


Die Diagnose stand schnell fest: Anna S. litt unter einer Präeklampsie, früher als Gestose oder Schwangerschafts­vergiftung bezeichnet. Es handelt sich um eine Kombination von erhöhtem Blutdruck nach der 20. Schwanger­schafts­woche und einer vermehrten Proteinausscheidung über den Urin (Proteinurie) von mehr als 300 mg Protein innerhalb von 24 Stunden. In Deutschland erkranken etwa zwei bis drei Prozent aller Schwangeren daran.

Verwaschene Symptomatik

Typische Symptome sind neben Kopfschmerzen und Augenflimmern Benommenheit, Schwindel, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Auch starke Wassereinlagerungen (Ödeme) können auf eine Präeklampsie hindeuten, sie kommen allerdings bei vielen Schwangeren vor und sind daher keine eindeutigen Beschwerden. Bei vielen Präeklampsie-Patientinnen treten auch gar keine Symptome auf. Bei ihnen wird die Erkrankung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen festgestellt.

Die Präeklampsie kann zu gefähr­lichen Komplikationen bei Mutter und Kind führen. Bei der Mutter können das Herz-Kreislauf-System, die Nieren, die Leber und die Blutbildung in Mitleidenschaft gezogen werden. Im Extrem­fall ist sogar eine Hirnblutung möglich. Weil die Präeklampsie auch die Funktionsfähigkeit der Plazenta einschränkt, kann es beim Kind zu einer Mangelversorgung kommen: Dann werden die kindlichen Organe nicht ausreichend durchblutet, der Fetus­ wächst langsamer. Die Plazenta kann sich zudem vorzeitig von der Gebärmutter ablösen.

Ursache unklar

Wie eine Präeklampsie entsteht, ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass der Erkrankung eine Autoimmunreaktion der Mutter zugrunde liegen könnte. Bekannt ist, dass die Einnistung des Em­bryos zu Beginn der Schwangerschaft gestört ist. Bei Erstgebärenden, übergewichtigen Müttern, Mehrlingsschwangerschaften, älteren Müttern über 35 Jahre, familiärer Vorbelastung sowie einer Präeklampsie in einer vorherigen Schwangerschaft ist das Risiko erhöht. Gleiches gilt bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Autoimmunerkrankungen, die schon vor der Schwangerschaft bestanden.

Eine lebensbedrohliche Komplikation der Präeklampsie ist die Weiterentwicklung zur Eklampsie. Dabei treten neurologische Störungen auf, vor allem Krampfanfälle. Die Betroffenen sollten bei Krämpfen, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein sofort in ein Krankenhaus gebracht werden, denn es drohen Komplikationen wie akutes Nierenversagen, Hirnödeme, Throm­bosen, Netzhautschäden, Blutungen und Plazentainsuffizienz.

Das HELLP-Syndrom – H für Hämo­lyse, EL für erhöhte Leberwerte (elevated liver function tests) und LP für niedrige Thrombozytenzahl (low platelet counts) – ist eine weitere schwerwiegende, mitunter lebensbedrohliche Komplikation. Die Leber der Schwangeren arbeitet nicht mehr richtig­, es kommt zu heftigen Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Da das HELLP-Syndrom meist im letzten Trimenon auftritt, kann die Schwangerschaft häufig per Kaiserschnitt beendet werden. Die Symptome verschwinden dann in der Regel wenige Tage nach der Geburt, bleibende Schäden sind selten.




Die Einleitung einer medikamentösen Therapie erfolgt in der Klinik unter Beobachtung.

Foto: Shutterstock/Pressmaster


Anna S. blieb von schwer­wiegenden Komplikationen verschont. Ihre Ärztin riet ihr dazu, eine Woche Bettruhe einzuhalten und sich generell zu schonen. Es ging ihr bald besser, der Blutdruck sank wieder, Medi­kamente musste sie nicht einnehmen. Eine me­dikamentöse Therapie ist gemäß der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie hyper­tensiver Schwangerschafts­erkrankungen (wird zurzeit aktualisiert) erst nötig, wenn die Blutdruckwerte längere Zeit über 150 mmHg systolisch und/oder 100 mmHg diastolisch ­bleiben, spätestens bei Blutdruck­werten ab 160/110 mmHg. Die Ein­leitung einer Therapie soll ausschließlich in der Klinik unter Beobachtung erfolgen, um das Ungeborene nicht zu gefährden.

Medikamentöse Therapie

Mittel der ersten Wahl zur Dauertherapie ist alpha-Methyldopa. Der selektive Betablocker Metoprolol und der Calciumantagonist Nifedipin in Retardformulierung sind laut der Leitlinie nur »eingeschränkt geeignet«. Bei den Betablockern wird ein erhöhtes Risiko einer fetalen Wachstumsrestriktion diskutiert, bei den Calciumantagonisten ein mögliches teratogenes Risiko im ersten Trimenon. Letzteres konnten Untersuchungen bisher allerdings nicht bestätigen.

Schwere Blutdruckkrisen werden in der Klinik akut mit peroralem Nifedipin oder intravenös mit Urapidil oder Dihydralazin behandelt. Die Leitlinienautoren raten zu Nifedipin oder Urapidil, da Dihydralazin signifikant häufiger als die anderen beiden Wirkstoffe Nebenwirkungen bei der Mutter hervorruft. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor­antagonisten sind in der Schwangerschaft, besonders im zweiten und dritten Trimenon, kontraindiziert, da sie potenziell teratogen und nephrotoxisch für das Neugeborene sind. Auch Diuretika sollten aufgrund einer möglichen Beeinträchtigung der Plazentadurchblutung nicht eingesetzt werden. Die einzige kausale Therapie der Prä­eklampsie ist die Entbindung: Hat die Schwangere die 34. Schwangerschaftswoche vollendet, raten Ärzte, möglichst bald zu entbinden.

Schwangere mit hohem Präeklampsie-Risiko profitieren von der präventiven Einnahme von 100 bis 150 mg Acetylsalicylsäure (ASS) pro Tag. Untersuchungen zeigen, dass dies die Rate von Schwangerschaftskomplikationen vor der 37. Schwangerschaftswoche senken kann. Wichtig: Die Anwendung von ASS in Dosen ab 500 mg als Schmerzmittel ist im Gegensatz zu dieser Niedrigdosis-Prophylaxe in der Spätschwangerschaft kontra­indiziert. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2018

 

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