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BERATUNGSPRAXIS

Blutdruckmessen

Von Systole bis Diastole


Von Caroline Wendt / Ob beim Arzt, in der Apotheke oder zu Hause: Das Messen des Blutdrucks ist für viele Patienten eine Selbstverständlichkeit. Doch wie funktionieren die unterschied­lichen Messmethoden und worauf sollten Patienten achten, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten? PTA und Apotheker können entscheidende Tipps geben.

 

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Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Scipione Riva-Rocci die erste unblutige Blutdruckmessmethode. Dazu schnürte er die Oberarmarterie seiner Patienten ab, bis an der Arterie des Hand­gelenks kein Puls mehr tastbar war. Zum Abbinden nutzte er zunächst einen­ Fahrradschlauch, später eine Gummimanschette. Diese war mit einem Quecksilbermanometer verbunden.

Beim Ablassen der Luft aus der Manschette notierte Riva-Rocci den angezeigten Druck in Millimeter Queck­silbersäule (mmHg), bei dem er den ersten Pulsschlag am Handgelenk wieder tasten konnte. Dieser Wert entspricht dem maximalen Druck einer Herzschlagphase, der Systole. Den diastolischen Wert bestimmte 1905 erstmals der Militär­arzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow. Nach Ablassen der Luft aus der Manschette hörte er mit dem Stethos­kop pulssynchrone, klopfende Strömungsgeräusche in der Arterie, die sogenannten Korotkow-Geräusche. Das erste Auftreten der Geräusche markiert den systolischen Druck, das Ende den diastolischen.

Die Methoden von Riva-Rocci und Korotkow werden auch heute noch ange­wandt. Die Blutdruckmessung mit Armmanschette, Manometer und Stethos­kop ist bei geübter Anwendung sehr genau und gilt bei den meisten wissenschaftlichen Studien als Goldstandard. Viele Ärzte nutzen nach wie vor diese auskultatorische (lateinisch »durch Abhören feststellend«) Methode. Obwohl die Manometer längst kein Quecksilber mehr enthalten, werden die Blutdruckwerte immer noch in mmHg angegeben.

Zu Hause messen

Den Blutdruck zu Hause mit automa­tischen Blutdruckmessgeräten selbst regel­mäßig zu kontrollieren, gilt als Standard­ jeder Hypertonie-Therapie. Die meisten dieser Geräte ermitteln die Werte­ mit der oszillometrischen Methode. Hierbei misst ein elektronischer Drucksensor in der Manschette den durch die Pulswellen des Blutes ver­ursachten Gegendruck. Ausgehend von der größten Oszillation (Druckschwankung), welche dem mittleren Blutdruck entspricht, errechnet das Blutdruckmessgerät mithilfe eines Algorithmus den systolischen und den diastolischen Wert.

Während bei der auskultatorischen Methode der Blutdruck am Oberarm gemessen wird, kann bei der oszillometrischen Methode die Messung auch am Handgelenk erfolgen. Diese Vor­gehensweise ist für die meisten Patienten einfacher zu handhaben. Hochwertige Handgelenk-Blutdruckmessgeräte liefern inzwischen vergleichbar gute Ergebnisse wie die Oberarm-Variante. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) untersucht jedes Jahr neue Blutdruck­messgeräte auf ihre Messgenauigkeit. Eine Liste der getesteten Geräte ist unter www.hochdruckliga.de/blutdruckmessgeraete.html zu finden.

Doch trotz einer hohen Messgenauigkeit gelten Handgelenksmessungen als fehleranfälliger. Verengte oder verhärtete Arterien können bei Blutdruckmessungen am Handgelenk leicht zu falschen Messergebnissen führen. Pa­tienten mit fortgeschrittener Arteriosklerose oder Diabetes mellitus sollten ihren Blutdruck daher besser mit einem Oberarm-Blutdruckmesser prüfen.




Blutdruckmessgeräte mit dem Siegel der Deutschen Hochdruckliga haben ihre Messgenauigkeit im Probanden-Test bewiesen.

Auch bei Herzrhythmusstörungen ist eine Blutdruckmessung am Oberarm zu empfehlen. Durch das unregelmäßig schlagende Herz ist das bei einem­ Herzschlag ausgeworfene Blutvolumen variabel – stark schwankende Blutdruckwerte sind die Folge. Unterschiede von bis zu 40 mmHg sind möglich­. Unabhängig von der Mess­methode rät die DHL deshalb, bei Vorhofflimmern dreimal hintereinander den Blutdruck zu überprüfen. Zwischen den einzelnen Messungen soll eine Pause von mindestens einer Minute liegen. Aus den erhaltenen systolischen und diasto­lischen Werten ist dann jeweils der Mittelwert zu berechnen.

Einige oszillometrische Blutdruckgeräte erkennen eine Arrhythmie und zeigen im Display ein Warnsymbol an. Je nach Gerätehersteller veranlasst die Automatik dann selbstständig eine Dreifachmessung (zum Beispiel Aponorm® Professionell Touch). Andere auto­matische Blutdruckmessgeräte kombinieren die auskultatorische und die oszillometrische Messmethode (zum Beispiel Tensoval® duo control, Viso­mat® double comfort). Ein in der Manschette enthaltenes Mikrofon erfasst die von Korotkow beschriebenen Geräusche.

Die richtige Vorbereitung

Prinzipiell ist vor jeder Blutdruckmessung Ruhe nötig. Die Patienten sollten fünf Minuten entspannt sitzen, um den Kreislauf zu normalisieren. Achtung: Überschlagene Beine können zu erhöhten Blutdruckwerten führen.

Die Messmanschette sollte sich am unbekleideten Arm auf Herzhöhe befinden. Bei einer Oberarm-Manschette, die sich etwa zwei fingerbreit oberhalb der Armbeuge befinden sollte, ist das nicht weiter schwierig. Anders bei einer Blutdruckmessung am Handgelenk: Hier müssen die Patienten darauf achten­, den Arm im richtigen Winkel zu halten, damit sich die Messmanschette auf der geeigneten Höhe befindet. Dabei sollte das Handgelenk nicht ab­knicken. Mess-ungenauigkeiten bei Handgelenksmessungen sind häufig auf eine falsche Armhaltung zurückzuführen. Idealerweise sitzen die Patienten an einem Tisch, wo sie den Ellen­bogen abstützen können. Ist die Manschette unterhalb der Herzhöhe, sind die Messergebnisse zu hoch. Be­findet sich die Manschette zu hoch, sind die Werte zu niedrig. Einige­ neue Geräte beginnen erst mit der Mess­ung, wenn die Patienten den Arm in der richtigen Position halten (zum Beispiel­ Aponorm® mobile slim oder Omron® RS2).

Neben dem richtigen Sitz der Manschette ist auch ihre Größe entscheidend. Diese ergibt sich aus dem Umfang des Oberarms oder des Handgelenks. Bei einem Oberarmumfang unter 30 cm passt die Standardmanschette mit den Maßen 12-13 x 24 cm. Eine zu schmale Manschette führt zu erhöhten Ergebnissen, eine zu breite Manschette ergibt zu geringe Werte. Messungen am Handgelenk können in der Regel nur bis zu einem Handgelenksumfang von etwa 20 cm durchgeführt werden. Hat ein Patient ein sehr starkes Handgelenk, ist eine Blutdruckmessung lediglich am Oberarm möglich.

PTA und Apotheker sollten den Patienten empfehlen, Blutdruckmessungen regelmäßig und immer zur gleichen Uhrzeit durchzuführen. Denn der Blutdruck unterliegt tageszeitlichen Schwankungen: Am Morgen steigt er an, um die Mittagszeit fällt er ab. Am späten Nachmittag steigt der Blutdruck wieder. Die niedrigsten Blutdruckwerte sind in der Nacht zu erwarten. Die Messun­gen sollten vor der Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente erfolgen, um die Langzeitwirkung der Arzneimittel zu erfassen.

Rechts oder links

Der Blutdruck kann sowohl am rechten als auch am linken Arm gemessen werden. Aber: Um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten, sollten Patienten den Druck immer am selben Arm messen. Es ist jedoch möglich, dass durch muskuläre Unterschiede oder arteriosklerotische Veränder­ungen die Blutdruckwerte variieren können. Dann sollte der Blutdruck an dem Arm mit dem höheren Druck gemessen werden. Bei einer Druck­differenz größer 10 mmHg sollten die Patienten einen Arzt konsultieren.

Während der Messung ist es wichtig­, dass sich die Patienten nicht be­wegen oder sprechen. Der Gerätehersteller Hartmann gibt an, dass Sprechen den Blutdruck um 6 bis 7 mmHg erhöhen kann. Da Nikotin und Koffein generell blutdrucksteigernd wirken, sollten die Patienten schon eine Stunde vor der Messung darauf verzichten. Ein erhöhter Blutdruckwert kann aber auch durch starken Harndrang hervorgerufen werden: Ein Plus von bis zu 10 mmHg ist möglich. /


Richtig messen

  • vor der Messung fünf Minuten ruhig sitzen
  • die richtige Manschettengröße wählen
  • Manschette muss sich auf Herzhöhe befinden
  • am Arm mit dem höheren Blutdruck messen
  • immer zur gleichen Zeit messen
  • aufrechte Sitzhaltung
  • beim Messen nicht bewegen oder sprechen
  • Dokumentation der Werte mit Datum und Uhrzeit



Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2018

 

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