Ein Magazin der

www.pta-forum.de

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

www.pta-forum.de
Ein Magazin der 
 

BERATUNGSPRAXIS

Hormontherapie

Zuraten bei starken Beschwerden


Von Isabel Weinert / Studienergebnisse der Women’s Health Initiative (WHI) konstatierten 2002 ein erhöhtes Brustkrebs- und Herz-Kreislauf-Risiko durch eine Hormontherapie. Die Verordnungen gingen daraufhin stark zurück. Heute stellen sich die Daten anders dar. Überlegt eingesetzt, kann die Hormonersatz-Therapie mehr nutzen als schaden.

 

Anzeige

 

Teilt man Frauen in den Wechseljahren in Symptomgruppen ein, so zeigt etwa ein Drittel keinerlei Beschwerden, ein weiteres Drittel milde Symptome, die sich über den Lebensstil gut regulieren lassen, und das letzte Drittel starke Wechseljahresbeschwerden, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. In den vergangenen 15 Jahren bekamen diese Frauen nur noch selten medikamentöse Hilfe in Form von Estrogen und Gestagen. Die Folge: Der Verbrauch an Antidepressiva und Schlafmitteln stieg stark an, um in der Zeit der Wechseljahre auftretende Beschwerden wie Hitzewallungen, Depressionen und Schlafstörungen in den Griff zu bekommen.




Gelassen durch die Wechseljahre – Frauen mit starken Symptomen können von Hormonen profitieren.

Foto: Shutterstock/racorn


Jedes Mittel schien Ärzten besser als die Behandlung mit Hormonen. Ein Vorgehen, das sich heute nicht mehr uneingeschränkt halten lässt. In der WHI-Studie von 2002, an der 16 000 Frauen teilnahmen, untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die damals gängige Hormontherapie auf die Gesundheit der Frauen auswirkt. So erhielt die eine Hälfte der Probandinnen Hormone, die andere nicht. Weil sich die Rate an Brustkrebs, Thrombosen, Schlaganfall und Herzinfarkten in der Hormongruppe deutlich erhöhte, wurde die Studie nach fünf Jahren abgebrochen.

Effekte auch altersabhängig

Bei der Interpretation der WHI-Studie berücksichtigten die Wissenschaftler damals nicht, dass das Durchschnittsalter der Probandinnen mit 63 Jahren zu Beginn der Studie zu hoch lag, denn üblicherweise tritt die Menopause um das 50. Lebensjahr herum ein. Zudem rauchte die Hälfte der Studienteilnehmerinnen, ein Drittel litt an Bluthochdruck, ein Prozent an einer koro­naren Herzerkrankung. Hinzu kam das verwendete Medikament: ein hoch dosiertes Kombipräparat, wie es zwar in den USA, aber nicht in Europa zum Einsatz kam.

Deshalb wiesen zwei führende Autoren der WHI-Studie, JoAnn E. Manson und Andrew M. Kaunitz, 2016 auf die Folgen der fehlerhaften Interpretation ihrer Studiendaten hin. Der Nutzen der Ersatzbehandlung übersteige deutlich deren Risiken, schrieben sie im New England Journal of Medicine.

Betrachtet man nämlich die Daten für Frauen zwischen dem 50. und 59. Lebensjahr, zeigt sich, dass sich eine frühe Hormontherapie in der Menopause nicht nachteilig, sondern eher günstig auswirkt in Bezug auf das Herz-Kreislauf-Risiko und die Todesrate. Es treten weniger Knochenbrüche auf, weniger Frauen bekommen Diabetes, und bei einer alleinigen Gabe von Estrogen sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, verglichen mit der Placebogruppe. Die alleinige Estrogengabe ist bei Frauen möglich, denen die Gebärmutter entfernt wurde und die deshalb neben einem Estrogen kein Gestagen brauchen. Letzteres schützt die Gebärmutter vor Schleimhautwucherungen, die unter alleiniger Estrogengabe entstehen und sich zu Tumoren auswachsen können.

Dennoch ist die Hormontherapie nicht derart rehabilitiert, als dass sie flächendeckend bei jeder Frau eingesetzt werden sollte, denn zum Beispiel das akute Risiko für eine Thrombose existiert nach wie vor. Doch wer stark unter vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen leidet, profitiert von einer Hormonzufuhr, so die britischen NICE-Empfehlungen (National Institute of Health and Care Excellence). Auch Schlafstörungen, Depressionen, wiederkehrende Harnwegsinfekte sowie Muskel- und Gelenkschmerzen können sich unter der Therapie bessern. Laut NICE ist die Hormontherapie anderen Behandlungen über­legen, wie derjenigen mit SSRI und SNRI, mit Phytoöstro­genen, pflanzlichen Präparaten und nicht-pharmakologischen Verfahren. Die Autoren beziehen sich dabei auf Metaanalysen.

Immer ausschleichen

Für die Therapie gilt: Sie sollte wenn möglich direkt mit Eintritt der Wechseljahre beginnen und nach spätestens fünf Jahren ausgeschlichen werden. Wer die Hormone dann abrupt absetzt, riskiert, dass die Wechseljahressymp­tome zurückkehren. Laut NICE-­Empfehlungen steigen das kardiovaskuläre Risiko und auch dasjenige für Diabetes nicht, wenn die HRT vor dem 60. Lebensjahr beginnt. Frauen, bei denen Ärzte besondere Vorsicht in der Verordnung walten lassen müssen, sind zum Beispiel Diabetikerinnen und Frauen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Risiken. Bei Frauen, die bereits einmal an Brustkrebs erkrankt waren, verbietet sich die Therapie. Unter HET sollten Frauen Vorsorge- und Screening-Untersuchungen konsequent wahrnehmen.

Verschwinden die Beschwerden unter einer HET nicht binnen weniger Wochen, liegt die Ursache für die Symptome nicht in den Wechseljahren. Um das 50. Lebensjahr herum streikt häufiger auch die Schilddrüse, was Wechseljahres-ähnliche Symptome auslösen kann.

Frauen, denen vor allem die Schleimhautveränderungen im Uro-Genital-Trakt Schmerzen beim Sex oder häufige Blasenentzündungen bescheren, brauchen keine systemisch wirksamen Hormone, sondern profitieren von einer lokalen Gabe, wie dem Einsatz von hormonhaltigen Cremes und Ovula in der Scheide. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2018

 

Das könnte Sie auch interessieren

 


© 2018 Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH

Seiten-ID: http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=11474