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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Medizinische Nasenchirurgie

Freie Nase dank OP


Von Barbara Erbe / Beim Thema Nasenoperation denken viele Menschen zunächst an Schönheitschirurgie. Dabei geht es bei vielen Eingriffen vor allem darum, dass Patienten besser atmen, riechen und schlafen können.

 

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Rund jeder siebte Deutsche leide einmal pro Jahr an einer Entzündung der Nasennebenhöhlen, einer Sinusitis, berich­tet der Freiburger Hals-Nasen-Ohren Arzt Dr. Michael Deeg im Gespräch­ mit PTA-Forum. Für ungefähr eine Woche ist dann die Nase verstopft, der Kopf schmerzt, und Betroffene spüren einen starken Druck auf Stirn und Wangen. Treten derlei Beschwerden vier Mal pro Jahr oder häufiger auf und werden damit chronisch, können die Schleimhäute dauerhaft anschwellen. In der Nase oder in den Nasen­nebenhöhlen können sich auch Polypen oder Zysten bilden. »Diese gut­artigen Schleimhautwucherungen behindern die Nasenatmung und führen manchmal auch zu Schnarchen und Geruchsstörungen. Deshalb sind sie ein häufiger Grund für Nasen-Opera­tionen«, sagt Deeg, der Sprecher des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohren Ärzte.




Foto: iStock/PhotoTalk



Zwar lassen sich kleinere Polypen und Zysten oft per Nasenspülungen mit Salzlösung, Glucocorticoiden in Form von Nasenspray oder Tabletten, gegebenenfalls auch mit Antibiotika, bekämpfen. Reicht das aber nicht aus, können die Wucherungen chirurgisch entfernt werden. »Die Eingriffe dauern je nach Umfang der erforderlichen Maßnahmen unterschiedlich lang und erfolgen unter Narkose«, erläutert Deeg. Bei der Operation entfernt der Arzt die Polypen nicht nur innerhalb der Nase, in der Regel durch die Nasen­löcher, sondern auch mithilfe endos­kopischer Optiken in den Nasen­nebenhöhlen. Dabei beseitigt er häufig weitere Schleimhautwucherungen und vergrößert die Öffnungen zwischen Nasennebenhöhlen und Nasenhöhle, sodass die Nebenhöhlen wieder besser belüftet werden. »Das alles hat zum Ziel, den Atemfluss durch die Nase zu verbessern und das Sekret wieder gut aus Nebenhöhlen und Nase abfließen zu lassen, sodass sich möglichst keine Polypen mehr bilden.« Die OP wird fast immer stationär in einer Klinik durch­geführt, die die Patienten aber meist nach ein bis zwei Nächten wieder verlassen können.

Verengte Nebenhöhlen

Ein weiterer häufiger Grund für chro­nische Nebenhöhlenentzündungen sind Engstellen innerhalb der Nasen­nebenhöhlen. Die Nebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Knochen, die über enge Öffnungen (Ostien) mit der Nasenhöhle verbunden sind, erklärt der Plas­tische Chirurg Dr. Henning von Gregory aus Berlin. »Sie dienen zur Gewichts­verminderung der Schädelknochen und als Resonanzraum für den Klang der Stimme.« Sind die Nebenhöhlen verengt, staut sich – ebenso wie bei den bereits erwähnten Schleimhautwucherungen –dauerhaft Sekret – das bietet einen Nährboden für Bakterien. Besonders häufig ist das Siebbein betroffen, ein luftgefüllter Knochen zwischen Nase und Augen. Bei einer Operation werden verengende Knochenstrukturen ebenso wie kranke Schleimhaut entfernt. Werden­ dabei aber tragende Knochen be­einträchtigt, können die entstehenden Hohlräume nach einiger Zeit wieder in sich zusammensacken, sodass die Operation auf Dauer nicht erfolgreich ist. Deshalb rät von Gregory nach Mög­lich­keit zur sogenannten biostatischen Chirurgie, »einer sanfteren und nach­haltigeren Operation bei chronischer Sinusitis­«. Dabei werden keine tragenden Knochenstrukturen, sondern nur kranke Schleimhaut und verengte Knochen­wände entfernt.

Nasennebenhöhlen-OPs seien heute Routineeingriffe mit sehr guten­ Erfolgs­chancen, betont der Nasen­chirurg. »Nach Abklingen der Ent­zündung und Ausheilen der Wunde­ verspüren die meisten Patienten eine sofortige Besserung.« Trotz aller Sorgfalt ließen sich aber auch hier gewisse Risiken nicht vollständig ausschließen. »In sehr seltenen Fällen können Verletzungen benachbarter Strukturen, etwa Augenhöhle, Hirnhäute oder Gefäße, zum Beispiel Tränen­kanäle, auftreten, sodass es vorübergehend zu einem erhöhten­ Tränenfluss oder zu Seh­störungen kommen kann.«

Korrektur der Scheidewand

Menschen, die durch die Nase schwer Luft bekommen, könne in vielen Fällen durch eine Korrektur der Nasenscheide­wand geholfen werden, berichtet Deeg. Eine krumme Nasenscheidewand kann Atemprobleme bedingen, die wiederum dazu führen können, dass Betroffene verstärkt durch den Mund atmen und dadurch leichter Halsinfektionen bekommen oder auch schnarchen. »Betroff­ene sollten natürlich als Erstes beim HNO-Arzt die Ursache ihrer Beschwer­den abklären lassen.« Andere mögliche Ursachen wie Allergien oder Polypen müssten zunächst ausge­schlossen werden. Ab­hängig von Art und Grad der Verbiegung, könne eine verkrümmte Nasenscheidewand mit verschiedenen Techniken operiert werden­, erläutert der HNO-Arzt. »Der Eingriff erfolgt durch die Nasenöffnung, sodass äußerlich keine Narben zurückbleiben.« Nach der Operation braucht die Nasenschleimhaut allerdings einige Zeit, um sich zu regene­rieren. Deswegen sei die Pflege der Nasen­schleimhäute mit Salbe­ und Spülun­gen ebenso wichtig wie die ärztliche Nachkontrolle. Im Kindesalter sollte die Nasenscheidewand nicht operiert werden, sondern es sollte zunächst­ der endgültige Befund nach Abschluss der Entwicklung abgewartet werden.


Nach der Operation schonen

Um den Heilungsprozess nicht zu gefähr­den, sollten sich Patienten un­mittel­bar nach einer Nasen-OP schonen. Vor allem nach einer Voll­narkose empfiehlt Dr. Henning von Gregory einen Tag Bettruhe. Häufig bekommen Patienten zur Nach­be­handlung ein cortisonhaltiges Nasenspray oder Nasenspülungen verordnet. Letztere unterstützen die Heilung, indem sie Verkrustungen lösen. Darüber hinaus legt der Chirurg Patienten folgende Checkliste für die Zeit nach der OP ans Herz:

  • Keine blutverdünnenden Wirk­stoffe: Wer nach der Operation Schmerzmittel benötigt, sollte Acetyl­salicylsäure meiden. Blut­verdünnende Schmerzmittel könnten Nachblutungen auslösen oder verstärken.
  • Den Kopf hoch lagern: In den ersten 24 Stunden nach der Operation am besten mit erhöhtem Ober­körper und einem zusätzlichen Kopfkissen schlafen
  • Nicht schnäuzen: Nasensekret besser­ vorsichtig abtupfen.
  • Mit offenem Mund niesen: Der geöffnete Mund verringert den Druck auf die Nase.
  • Schonung: In der ersten Woche nach der OP sollten Betroffene auf körperliche Anstrengungen (Sport, schweres Heben) verzichten, denn das könnte zu verstärkten Blutungen im Naseninneren führen.
  • Schleimhäute schonen und pflegen­: Alles, was die Schleim­häute zu­sätzlich belastet, sollte unterbleiben: Nikotin, Alkohol und schäd­liche Dämpfe gilt es zu meiden. Sinnvoll ist die regel­mäßige An­wendung von pflegenden Nasensprays und -spülungen.


Verkleinerte Nasenmuschel

Nicht nur eine krumme Nasenscheidewand, auch verdickte Nasenmuscheln können die Atmung durch die Nase behin­dern. Sie können entweder ana­to­mische Ursachen wie eine wuchs­bedingte, knöcherne Vergrößerung oder beispielsweise eine Schleimhautschwellung als Folge von Allergien haben­, oder auch Folge hormoneller Umstellungen im Körper oder eines dauerhaften Gebrauchs abschwellender Nasensprays sein. Um die Nasenmuschelschleimhaut zu verkleinern, em­pfiehlt von Gregory die Radio­frequenztherapie. »Sie ist minimal invasiv­, und der Arzt kann sie auch unter örtlicher Betäubung durchführen.« Dabei wird eine Sonde mit einer Elek­trode in die Nasenhöhle eingeführt. Durch sie fließt Strom in einer speziellen­ Frequenz, der das über­schüssige Ge­webe schrumpft. »Die Radiofrequenz- Therapie kann in aller Regel problemlos ambulant durch­geführt werden.« Die Operation dauert­ fünf bis zehn Minuten und bleibt meist unblutig, eine anschließende Nasentamponade ist nicht nötig­. Etwas aufwendiger ist eine operative­ Verkleinerung knöchern vergrößerter Nasenmuscheln. Dabei wird zunächst die für die Atemfunktion wichtige Muschelschleimhaut vom Knochen abgetrennt und präpariert, sodass sie nach Verkleinerung des Nasen­muschelknochens erhalten werden kann. Dann werden überschüssige Teile des Knochens entfernt, dadurch entsteht Platz im Nasengang. Das Verfah­ren wird unter einer kurzen Narkose­ durchgeführt. Anstelle von Tamponaden werden heute Silikonschienen zur Nachbehandlung ein­­­ge­setzt, die nach einer Woche ambulant entfernt werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2018

 

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