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POLITIK UND BERUF

Zukunftskongress

Diskussion um Rx-Versandverbot


Von Cornelia Dölger, Bonn / Die Bundestagsfraktionen wollen die Apotheke vor Ort stärken. Wie genau das aber geschehen soll, darüber wurde beim 10. Zukunftskongress Öffentliche Apotheke in Bonn Mitte Februar heftig diskutiert. Ein Rx-Versandverbot ist nicht für alle der einzig gangbare Weg.

 

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Die Diskussion um ein Rx-Versand­verbot verstellt nach Ansicht der grünen Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink den Blick auf andere wichtige Probleme der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Beim Zukunftskongress Öffentliche Apotheke des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) plädierte sie dafür, das Augenmerk auf ihrer Ansicht nach drängendere Probleme wie die Neuausrichtung des Medikationsplans zu legen. »Da ist bereits viel Zeit verschenkt worden«, kritisierte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen.




Diskutierten in Bonn über die Zukunft der Apotheken (von links): Georg Kippels, (CDU), Dirk Heidenblut (SPD), Thomas Preis (AVNR), Sylvia Gabelmann (Die Linke), Maria Klein-Schmeink (Die Grünen), Katrin Helling-Plahr (FDP) und Jörg Schneider (AfD).

Foto: PZ/Müller


De facto werde beim Medikationsplan das pharmakologische Know-how ausgeklammert, das Primat liege ganz klar bei der Ärzteschaft – ein Umstand, den es schnellstmöglich zu ändern gelte, betonte sie. Im Vergleich mit dem von den Apothekern geforderten und im Entwurf des Koalitionsvertrags genannten Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneien stelle der zugunsten der Ärzte ausgerichtete Medikationsplan ein weitaus größeres Problem dar. »Ich hoffe, dass das Rx-Versandverbot nicht alles andere blockiert«, sagte Klein-Schmeink in Bonn bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern aller Bundestagsfraktionen.

Alternativen prüfen

Auch Dirk Heidenblut von der SPD mahnte, sich beim Engagement für den Erhalt der Apotheke vor Ort nicht allein auf das Versandverbot zu beschränken. Nach wie vor sehe seine Partei das Vorhaben kritisch, nicht nur weil die Durchsetzung juristisch schwierig sei, sondern vor allem, weil es ein anderes politisches Ziel hemme, das Voranbringen der Digitalisierung. »Ich bin dafür, Alternativen zu einem Verbot mit zu prüfen«, so Heidenblut.

Deutlich hat sich stets die FDP gegen ein Rx-Versandverbot ausgesprochen, so auch in Bonn. Gesundheits­expertin Katrin Helling-Plahr nannte das Vorhaben »rückwärtsgewandt« und plädierte wie Heidenblut dafür, die Apotheke vor Ort auf anderem Wege zu stärken. Sie bekam für ihre Haltung reichlich Unmutsäußerungen aus dem Plenum. Jörg Schneider von der AfD sprach sich ebenfalls gegen ein Verbot aus und betonte, die Diskussion zeige, »welchen absurden Einfluss die europäische Rechtsprechung auf unsere politischen Vorgänge nimmt«.

Linke wie CDU stellten sich beide bei der Diskussion als klare Befürworter eines Rx-Versandverbots dar. Die CDU hatte sich hiermit bei den Koalitionsgesprächen bekanntermaßen gegen die Sozialdemokraten durchgesetzt. Ihr Vertreter beim Zukunftskongress, der Bundestagsabgeordnete Georg Kippels, warb für das Verbot, das aus seiner Sicht kein Hemmnis für die Digitalisierung darstellt, sondern die Lösung für ein Wettbewerbsproblem. Sylvia Gabelmann von der Linken erklärte, es gehe bei der Frage nach einem Rx-Versandverbot auch um Menschlichkeit, die in der direkten Beratung viel eher gegeben sei als beim Online-Versand.

Er sei »erleichtert« gewesen, als bekannt wurde, dass das Verbot in den Koalitionsvertrag aufgenommen wird, sagte der AVNR-Vorstandvorsitzende Thomas Preis. Damit könne der »Amazonisierung des Gesundheitswesens« Einhalt geboten werden.

Reform der Honorierung

Einig waren sich alle Fraktionsvertreter darin, die Apotheke vor Ort stärken zu wollen – wozu auch eine Reform der Honorie­rung gehöre, sagte Klein-Schmeink. Auch die Liberale Helling-Plahr betonte, die Vergütungsstruktur müsse geändert werden, etwa müsse die Beratungsleistung in der Apotheke vergütet werden. Die Linke Gabelmann, selbst Apothekerin, forderte, dass die Apothekerschaft mehr Selbstbewusstsein entwickeln müsse. »Sie sind ein unverzichtbarer Teil für eine gute Gesundheitsversorgung«, sagte sie. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2018

 

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