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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Neu auf dem Markt

Neuer Wirkstoff bei überaktiver Blase


Von Sven Siebenand / Schon seit einigen Jahren ist mit Toviaz® ein Fesoterodin-haltiges Präparat für die Behandlung der über­aktiven Blase auf dem deutschen Markt erhältlich. Der primäre aktive Metabolit dieser Substanz ist Desfesoterodin. Dieser ist nun in einem Medikament enthalten, das im März in den Handel kam: Tovedeso® 3,5 und 7 mg Retardtabletten von Ratiopharm.­

 

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Das neue Präparat ist wie Toviaz zur symptomatischen Behandlung von ­erhöhter Harnfrequenz, imperativem Harndrang und/oder Dranginkontinenz bei Erwachsenen mit überaktiver Blase zugelassen. Desfesoterodin gilt als wichtigster pharmakologisch aktiver Metabolit von Fesoterodin und wirkt als spezifischer Muskarin-Rezeptor­anta­gonist.



Im Vergleich zu Fesoterodin ist ­seine Affinität zum Muskarin-Rezeptor um zwei Zehnerpotenzen höher. Der antagonistische Effekt an den Rezep­toren führt zur Entspannung der Muskeln, die pathophysiologisch dafür sorgen, dass Urin aus der Blase gedrückt wird. Dies erhöht in der Folge die Blasen­kapazität. Dadurch trägt das neue Medikament ebenso wie Toviaz zur Vorbeugung von unerwünschtem Harnlassen bei.

Nach acht Wochen prüfen

Die empfohlene Anfangsdosis von Desfesoterodin beträgt 3,5 mg einmal täglich. Je nach Ansprechen des Patienten kann die Dosis auf maximal 7 mg einmal täglich erhöht werden. Die Retard­tabletten sind unzerkaut zu schlucken. Mit der vollen Wirksamkeit ist nach zwei bis acht Wochen zu rechnen. Es wird daher empfohlen, den Behand­lungserfolg erst nach acht Wochen­ zu überprüfen.




Foto: iStock/Gpoint Studio


In der Fachinformation gibt es In­formationen zu den empfohlenen ­Tagesdosen bei Patienten mit einer Nieren- oder Leberfunktionseinschränkung. Ebenso spielt es eine Rolle, ob zusätz­lich ein mäßiger oder starker CYP3A4-Hemmer eingenommen wird. Ist dies der Fall, ist auch bei Patienten ohne Einschränkung der Nieren- oder Leberfunktion die maximale Tageshöchstdosis erniedrigt.

Nicht zum Einsatz kommen darf Desfeso­terodin, bei bestimmten Grunderkrankungen wie Colitis ulcerosa, ein schweres Leberleiden oder ein nicht ausreichend behandeltes oder unbe­handeltes Engwinkelglaukom. Die komplette Auflistung der Kontra­indikationen enthält die Fachin­formation. Mit Vorsicht angewendet werden sollte Desfesoterodin unter anderem­ bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie, gastroösophagealem Reflux und/oder Behandlung mit Bisphos­phonaten oder mit autonomer Neuropathie. Vorsicht ist zudem ge­boten bei Patienten, die starke oder mäßige CYP3A4-Hemmer oder ­einen starken CYP2D6-Hemmer einnehmen. Zudem sollte die gleichzeitige ­Anwendung von Desfesoterodin mit anderen Antimuskarinika oder Arzneimitteln mit anticholinergen Nebenwirkungen, zum Beispiel trizyklischen Antidepressiva, mit Vorsicht erfolgen, da es zu verstärkten therapeutischen Wirkungen und Nebenwirkungen kommen kann.

Aufgrund der pharmakologischen Eigen­schaften des Wirkstoffs kann die Behandlung antimuskarinische Effekte verursachen: in Studien sehr häufig Mundtrockenheit, sowie unter anderem häufig trock­ene­ Augen, Dyspepsie oder Verstopfung. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2018

 

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