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POLITIK UND BERUF

Duzen oder Siezen

Die wichtigsten Regeln


Von Andreas Nagel / Im Berufsleben ist es manchmal gar nicht so leicht zu entscheiden, wann das »Du« und wann das »Sie« angebracht ist. Mit der falschen Anrede tritt man schnell in das sprichwörtliche Fettnäpfchen. Wenn Sie die folgenden Grund­regeln beachten, wird Ihnen das sicherlich nicht passieren.

 

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Für das Duzen oder Siezen sprechen ­jeweils gute Gründe. Das »Du« schafft ein Gefühl der Vertrautheit und Zusammen­gehörigkeit. Es baut Hemmschwellen ab und erleichtert die Inte­gration neuer Kollegen. Für viele Menschen ist das »Du« auch ein Zeichen persönlicher Freundschaft und Nähe. Der partnerschaftliche Umgang führt oft zu einer besseren Zusammenarbeit im Team. Das »Sie« schafft eine ­größere Distanz und wirkt respektvoller, be­sonders bei Meinungsverschieden­heiten oder in schwierigen ­Gesprächen. Es erschwert zudem negative Äußerungen gegenüber dem Gesprächspartner, denn es sagt sich leichter »Du ­Angeber« als »Sie Angeber«.




Foto: Shutterstock/Stock-Asso


In vielen Apotheken gibt es einheit­liche Regeln oder Gepflogenheiten für die persönliche Anrede. Die Standard­anrede ist nach wie vor das »Sie«. In Apotheken mit überwiegend jüngeren Mitarbeitern hat sich allerdings das »Du« immer stärker durchgesetzt. Das Duzen gehört hier zum allgemeinen Umgangston und hat keine besondere Bedeutung. Es sagt dann auch nichts darüber aus, wie sympathisch man sich ist oder wie lange man schon zusammenarbeitet.

Gibt es in der Apotheke keine internen Regeln für die gegenseitige ­Anrede, so gelten meist folgende Grundsätze. Neue Mitarbeiter sprechen zunächst alle Kollegen und Chefs mit »Sie« an. Das »Du« kann dann der Chef dem Mitarbeiter anbieten. Unter gleichrangigen Kollegen geht das Angebot stets vom älteren Kollegen aus oder vom ­Kollegen mit der längeren Betriebszugehörigkeit.

Bevor Sie sich jedoch mit einzelnen Kollegen duzen, sollten Sie zunächst die möglichen Auswirkungen durchdenken, die das »Du« mit sich bringt, denn einmal angeboten, lässt es sich nicht mehr rückgängig machen. Im Berufsleben ist es manchmal durchaus sinnvoll, bewusst beim »Sie« zu ­bleiben, um eine gewisse Förmlichkeit und Distanz zu bewahren. Fragen Sie sich ­daher: Warum möchte ich diese Kollegin duzen? Welche Auswirkungen wird das »Du« auf das Arbeitsklima haben? Was werden Kollegen und Chefs über das Du-Verhältnis denken? Kann der Anschein entstehen, dass Sie diese ­Person bevorzugen oder dass Sie selbst bevorzugt werden? Ist vielleicht mit plumpen Vertraulichkeiten zu rechnen? Sinkt die Hemmschwelle für verbale »Ausrutscher«? Besteht die Gefahr, dass die Kollegin Ihr Angebot ablehnt, und welche Auswirkung hätte das auf die zukünftige Zusammenarbeit?

Geschickt formulieren

Wenn Sie das »Du« nach diesen Über­legungen für angebracht halten, wird es Ihnen wahrscheinlich leicht fallen, die richtigen Worte zu finden. Beispiel: »Liebe Frau Müller, wir arbeiten jetzt schon längere Zeit gut zusammen. Ich fände es schön, wenn wir uns duzen würden. Wenn Sie lieber beim ›Sie‹ ­bleiben möchten, verstehe ich das natürlich und respektiere Ihre Einstellung. An unserem guten Verhältnis wird sich dadurch bestimmt nichts ändern.« Mit dieser Formulierung lassen Sie der ­Kollegin die Möglichkeit, das »Du« anzunehmen oder abzulehnen, ohne dass sich durch eine Ablehnung ihr persönliches Verhältnis verschlechtert. So fällt es Ihrer Gesprächspartnerin leicht, eine ehrliche Antwort zu geben. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Kollegin das »Du« ebenfalls möchte, können Sie das Thema auch ansprechen, ohne das »Du« direkt anzubieten. Fragen Sie in einem entspannten Moment: »Liebe Frau Müller, wir arbeiten nun schon längere Zeit gut zusammen. Wie geht es Ihnen eigentlich mit der Sie-Anrede zwischen uns?« Aus der Reaktion der Kollegin erkennen Sie, wie sie zu dieser Frage steht.

Fängt eine neue Mitarbeiterin in ­einer Apotheke an, in der sich alle Kolleginnen bereits duzen, sollte die neue Mitarbeiterin trotzdem nicht ungefragt geduzt werden. In diesem Fall kann eine langjährige Mitarbeiterin die neue Kollegin über die übliche Anrede informieren und zunächst das Einverständnis zum Duzen einholen. Umgekehrt sollten Sie als neue Mitarbeiterin das »Du« nicht von sich aus einfordern. Sie können das Thema aber indirekt ansprechen. Beispiel: »Mir ist aufgefallen, dass sich hier in der Apotheke alle ­duzen.« Aus der Reaktion Ihres Gesprächspartners werden Sie erkennen, ob das »Du« auch für Sie gelten soll.

Besonders respektlos ist es natürlich, wenn Sie als Mitarbeiterin von ­älteren Kollegen oder von Chefs ein­seitig und ungefragt geduzt werden, obwohl diese Personen von Ihnen gesiezt werden. Das »Du« wird in diesen Fällen entweder aus Gedankenlosigkeit verwendet oder, um die eigene Machtposition und Überlegenheit zu demonstrieren. Wehren Sie sich gegen diese Taktlosigkeit und bitten Sie um eine korrekte Anrede: »Mein Name ist Martina Müller. Bitte nennen Sie mich Frau Müller.«

Das Angebot ablehnen

Es kann vorkommen, dass Ihnen eine Kollegin das »Du« anbietet, mit der Sie sich aber nicht duzen wollen. In diesem Fall müssen Sie Ihre Absage natürlich sehr diplomatisch formulieren, um die Kollegin nicht vor den Kopf zu stoßen und das bisher gute Verhältnis zu bewahren. Drücken Sie zunächst Ihre Freude über den Sympathiebeweis aus und lehnen Sie dann freundlich aber bestimmt ab. Betonen Sie, dass die Ablehnung nicht persönlich gemeint ist und keine Bewertung oder gar Abwertung der anderen Person bedeutet. ­Beispiel: »Ich freue mich sehr, dass Sie mir das ›Du‹ anbieten. Das zeigt mir, wie sehr Sie mir vertrauen. Ich duze mich allerdings nur mit sehr wenigen Menschen – mit meinen Eltern, Verwandten und einigen langjährigen Freunden. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch, aber ich bin einfach kein Du-Fan. Deshalb möchte ich lieber beim ›Sie‹ bleiben. Wir werden sicherlich auch mit dem ›Sie‹ weiterhin gut zusammenarbeiten.«

Vielleicht können Sie als Ablehnungsgrund auch anführen, dass Sie mit dem vertrauten Du an einem früheren Arbeitsplatz schlechte Erfah­rungen gemacht haben und dass Sie deshalb gerne beim »Sie« bleiben möchten. Allerdings dürfen Sie sich dann auch mit anderen Kollegen nicht duzen. Beispiel: »Leider habe ich die Erfah­rung gemacht, dass durch Duz-Verhältnisse oft Gerüchte über Bevorzugung und Ähnliches entstehen. Deshalb möchte ich am Arbeitsplatz lieber beim Sie bleiben.« Besonders schwierig wird es, wenn Ihnen Ihr Chef ein unerwünschtes Du-Angebot macht. Zeigen Sie auch hier zunächst, dass Sie das ­Angebot schätzen, und nennen Sie dann einen plausiblen Grund, warum Sie lieber beim »Sie« bleiben möchten. Vielleicht eignet sich auch hier der ­Hinweis, dass andere Mitarbeiter das »Du« als Bevorzugung missverstehen könnten. Beispiel: »Ich freue mich wirklich sehr über das Vertrauen, das Sie mir mit diesem Angebot beweisen. Ich frage mich allerdings, wie es im Team beurteilt wird, wenn wir uns duzen. Es könnte den Anschein erwecken, dass Sie mich bevorzugen. Mir wäre es daher lieber, wenn wir beim ›Sie‹ bleiben. Ich fühle mich den Kollegen gegenüber damit wohler.«

Wenn Sie als neue Mitarbeiterin in eine Apotheke kommen und sich nicht sofort duzen wollen, so können Sie sich mit einer netten Formulierung zunächst etwas Bedenkzeit erbitten. Beispiel: »Ich finde es sehr nett, dass Sie mir sofort das ›Du‹ anbieten. Lassen Sie mir doch bitte noch etwas Zeit zum Eingewöhnen. Ich kenne das ›Du‹ von meinem bisherigen Arbeitsplatz nicht.« So vertagen Sie die Frage taktvoll auf einen unbestimmten Zeitpunkt, ohne das Angebot direkt abzulehnen.

Einmal Du – immer Du?

Wenn Sie das »Du« ohne Einschränkung angeboten haben, können Sie Ihr Angebot normalerweise nicht widerrufen. Ein Widerruf gilt allgemein als äußerst stil- und taktlos. Nur in Einzelfällen ist es möglich, das Duz-Verhältnis auf bestimmte Situationen oder Zeiten zu begrenzen. Machen Sie in diesen Fällen deutlich, dass das ­Siezen am Arbeitsplatz trotzdem beibehalten werden soll. Beispiel: »Liebe Frau Meier, hier im Sportverein ist es üblich, dass sich alle Mitglieder duzen. Da sollten wir beide keine Ausnah­me machen. In der Apotheke würde ich trotzdem gerne beim ›Sie‹ bleiben, denn ich möchte mit allen Mitarbeitern gleich umgehen und Gerüchte ver­meiden, dass ich Sie als Vereinskollegin bevorzugt behandle.« Gelegentlich wird auch auf Betriebsfeiern unter dem Einfluss von Alkohol leichtfertig das »Du« angeboten. Am nächsten Tag bereuen manche Mitarbeiter und Chefs diesen Schritt. Im Zweifel sollten Sie daher am nächsten Tag zunächst beim bisherigen »Sie« bleiben, bis die Kollegin von sich aus das »Du« erneut an­bietet. Kehrt Ihre Kollegin oder Chefin am nächsten Tag zum »Sie« zurück, dann vergessen Sie das Angebot vom Vortag großzügig und bleiben Sie ohne Kommentar ebenfalls beim »Sie«. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2018

 

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