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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Junge Mütter

Wenn Teenager schwanger werden


Von Carina Steyer / Teenager-Schwangerschaften entstehen meist ungeplant und verändern das Leben der jungen Frauen grund­legend. Eine frühe Beratung ist wichtig, um junge Mütter nicht nur medizinisch, sondern auch in sozialen und finanziellen Fragen zu unterstützen.

 

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Jedes Jahr werden weltweit 7,3 Millionen Babys geboren, deren Mütter jünger als 18 Jahre alt sind, schätzt der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. Die meisten von ihnen kommen in Ent­wicklungsländern zur Welt. Materielle Armut der Familie, geringe Bildung und ein Leben auf dem Land sind wichtige Faktoren, dass Mädchen früh schwanger werden. In vielen Ländern sind zudem Kinderehen sozial akzeptiert.




Foto: iStock/Katarzyna Bialasiewicz


Im internationalen Vergleich sind Schwangerschaften und Geburten bei Teenagern in Deutschland verhältnismäßig selten. Nach Angaben des Statis­tischen Bundesamtes wurden im Jahr 2016 insgesamt 12 458 Babys von Frauen unter 20 Jahren geboren. Dazu kommen 8065 Schwangerschaftsabbrüche in dieser Altersgruppe. Minderjährige Mütter sind unter jungen Eltern eher die Ausnahme. Im Geburtenjahr 2016 hatten 3215 Neugeborene eine Mutter, die jünger als 18 Jahre alt war.

Die meisten Jugendlichen in Deutschland verhüten verantwortungsbewusst. Experten bemängeln jedoch, dass einige Teenager nur mangelhaftes Wissen über die fehlerfreie und zuverlässige Anwendung von Verhütungsmitteln sowie Fertilität und Schwangerschaft haben. In einer älteren quantitativen Erhebung des Verbands Pro Familia wurden von 2004 bis 2007 insgesamt 2340 junge Frauen unter 18 Jahren zu ihrer Schwangerschaft befragt. Dabei gaben mehr als 60 Prozent der Befragten an, mit der Pille und/oder dem Kondom verhütet zu haben als sie schwanger wurden. Das deutet da­rauf hin, dass Anwendungsfehler bei Kondom und Pille häufig vorkommen.

In Deutschland gelten ein geringer Bildungsstand und ein sozial schwaches Umfeld als Risikofaktoren für eine frühe Schwanger- und Mutterschaft. So zeigt eine Studie der Pro Familia, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hauptschülerin minderjährig schwanger wird, etwa fünfmal höher ist als bei einer Gymnasiastin. Mädchen mit vermeintlich eher schlechter Zukunftsperspektive entscheiden sich zudem eher für das Austragen des Kindes als für einen Schwangerschaftsabbruch.

Selten geplant

In den meisten Fällen ist eine Teenager­-Schwangerschaft eine Über­raschung. Etwa 5 Prozent sind jedoch geplant, weitere 4 Prozent bewusst »in Kauf genommen« worden. Für viele dieser Mädchen gilt die Mutterschaft als sinnerfüllende Möglichkeit der Lebens­gestaltung. Manche nutzen sie, um Perspektivlosigkeit durch schlechte Berufsaussichten zu entkommen oder um ihre eigene Herkunftsfamilie verlassen zu können. Durch das Kind wird eine Welt erschaffen, in der die Mädchen gebraucht, geliebt und anerkannt werden.

Laut der Weltgesundheitsorgani­sa­tion WHO gehören Komplikationen während­ einer Schwangerschaft oder Geburt in Entwicklungsländern zu den häufigsten Todesursachen bei jungen Frauen unter 19 Jahren. In industria­lisierten Ländern gibt es derzeit aber keine Hinweise darauf, dass junge Schwangere einem größeren Kom­plikationsrisiko unterliegen. Ein erhöhtes Gesundheits­risiko tragen allerdings die Ungeborenen von jungen Müttern, besonders dann, wenn die Schwangerschaft erst spät bemerkt wird. Ungesunde Ernährung, Alkohol-, Nikotin-, oder Drogen­gebrauch können über einen langen Zeitraum auf das Unge­borene einwirken und dauerhafte Gesundheitsschäden verursachen. Zudem werden wichtige Vorsorgeunter­suchungen verpasst.

Keine Frau, egal welchen Alters, darf zu einem Schwangerschaftsabbruch oder zur Fortsetzung einer Schwangerschaft gezwungen werden. Ein Abbruch der Schwangerschaft ist bei minder­jährigen Mädchen wie bei erwachsenen Frauen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen und nach einer Schwangerenkonfliktberatung möglich. Die Zustimmung der Eltern wird nur benötigt, wenn eine Minderjährige nicht in der Lage ist, die Be­deutung und Tragweite eines Abbruchs zu erfassen.

Kommt weder ein Schwangerschaftsabbruch noch das Aufziehen des Kindes für die Mutter infrage, besteht die Möglichkeit, das Baby nach der Geburt einer Pflegefamilie zu übergeben oder zur Adoption freizugeben. Um Frauen in diesen Konflikt­situa­tionen zu helfen, bieten Geburts­kliniken seit 2014 die vertrauliche Geburt an. Das heißt, die Schwangere wird vor, während und nach der Geburt medizinisch betreut und bleibt dabei anonym. Sie hinterlässt lediglich bei einer Beraterin, die an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden ist, ihre persönlichen Daten. Aus diesen Daten wird ein Herkunftsnachweis erstellt, der beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hinterlegt wird. Das Kind kann die Daten ab dem 16. Lebensjahr ein­sehen und so etwas über seine Herkunft erfahren. Die Neugeborenen werden vom Jugendamt in Obhut genommen und an Adoptiveltern über­geben. Bis zum Abschluss des Adoptions­verfahrens kann die leibliche Mutter sich doch noch für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden. Ist die Frist abgelaufen, ist allerdings keine Kontaktaufnahme mehr möglich.

Ungewisse Zukunft

Wie sich ein eigenes Kind auf das Leben von Teenager-Eltern auswirkt, kann sehr unterschiedlich sein. Jugendliche befinden sich in einer Phase der Orientierung, Identitätsfindung und Los­lösung vom Elternhaus. Ein eigenes Kind kann den Schritt zum Erwachsenwerden erleichtern. Es kann die Ab­lösung aber auch erschweren oder gar verhindern. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Mütter sehr jung sind, in ihrer Herkunftsfamilie ver­bleiben und auf die Unterstützung ihrer eigenen Eltern angewiesen sind.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit ist eines der zentralen Probleme junger Eltern­. Wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg in die Schule oder Berufsausbildung ist, muss jede Mutter individuell entscheiden. Bis zur beruf­lichen Integration können nach der Geburt­ durchaus einige Jahre vergehen, in denen vor allem junge Frauen auf finanzielle Unterstützung ange­wiesen sind. Dazu kommt häufig eine mehr oder weniger ausgeprägte Form der sozialen Isolation: Die Paar­beziehung junger Eltern hält den Be­lastungen, die das Aufziehen eines Kindes­ mit sich bringt, oft nicht stand. Alte Freunde sind mit der Schule oder Ausbildung beschäftigt. Zudem unterscheiden sich die Interessen werdender und junger Mütter oft stark von denen gleichaltriger Mädchen. Viele Freundschaften zerbrechen daran. Von älteren Müttern werden junge Mütter wiede­rum oft nicht als gleichwertig anerkannt.

Beratungsmöglichkeiten

Um einer Negativspirale aus Per­spek­tivlosigkeit, finanzieller Not und Überforderung entgegenzuwirken, raten­ Experten­ jungen Schwangeren, möglichst früh eine Schwangerschafts­beratung in Anspruch zu nehmen. Hier können finanzielle, soziale und recht­liche Fragen in Ruhe geklärt werden. In vielen Städten existieren inzwischen Gruppen, die sich speziell an Schwangere und Mütter unter 20 Jahren richten. Viele bieten neben der Möglichkeit zur Vernetzung auch Vorträge und Workshops zum Thema »Eltern sein« an. Für Minderjährige ist außerdem die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wichtig, um sich über Sorgerechtsregelungen zu infor­mieren. Die Mitarbeiter beraten auch bei Unterhaltsfragen oder zum Thema Beistandschaft. Sie helfen bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung, vermitteln Plätze in einer Mutter/Vater-Kind-Einrichtung oder einem betreuten Wohnprojekt und unterstützen junge Eltern, eine geeignete Betreuungs­einrichtung für ihr Kind zu finden. /


Beratungsstellen

In der Beratungsstellen-Datenbank der Bundeszentrale für ge­sund­heitliche Aufklärung (BZgA) finden sich mehr als 1600 Schwangerschaftsberatungsstellen: www.familienplanung.de/ beratung/beratungsstellensuche.

Eine Liste mit speziellen Ein­richtungen für junge Mütter stellt die BZgA unter www.schwanger-unter-20.de/ich-brauche-unterstuetzung/spezielle-hilfen-vor-ort/ zur Verfügung.



Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2018

 

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