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BERATUNGSPRAXIS

Schwangerschaftstests

Schnelle Gewissheit


Von Verena Arzbach / Frauen, die vermuten, schwanger zu sein, wollen sich meist so schnell wie möglich Klarheit verschaffen. Apotheken und Drogerien bieten dafür eine große Auswahl an verschiedenen Schwangerschaftstests. Frühtests sollen schon bis zu sechs Tage vor der erwarteten Periode angewendet werden können, liefern dann aber oft kein zweifelsfreies Ergebnis.

 

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Ein Schwangerschaftstest bestimmt den Gehalt von humanem Choriongonadotropin (hCG) im Urin oder Blut. Das Hormon, das für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist, wird nach der Befruchtung von Trophoblastzellen in der Plazenta produziert. Es ist ein Glykoprotein, das aus zwei Untereinheiten besteht: der α-Untereinheit (α-hCG) mit 92 Aminosäuren und der β-Untereinheit (β-hCG) mit 145 Aminosäuren. Spezifisch für hCG ist die β-Untereinheit, der α-Teil ist auch Bestandteil anderer Hormone, etwa dem follikelstimulierenden Hormon (FSH), dem luteinisierenden Hormon (LH) und Thyreotropin (TSH) aus der Schilddrüse.




Zeigt der Test zwei deut­liche Streifen, ist das Ergebnis eindeutig.

Foto: iStock/Johanna Kiefer


HCG kann etwa acht Tage nach der Empfängnis im Blutserum nachge­wiesen werden. Die Konzentration beträgt­ dann etwa 10 mIU/ml. In den ersten Wochen der Schwangerschaft verdoppelt sich die Konzentration an hCG alle zwei Tage. Zwischen der neunten und zehnten Schwanger­schaftswoche erreicht sie ihr Maximum von 100 000 mIU/ml. Danach sinkt sie wieder auf etwa 20 000 mIU/ml, und in diesem Bereich bleibt sie bis zum Ende der Schwangerschaft. Im Urin steigt der hCG-Spiegel nach einem ähnlichen Muster wie im Blut, allerdings ist die Konzentration hier geringer. Verschiedene Normwerttabellen, die man im Internet findet, geben eine Konzen­trationsspanne von 1,4 bis 5,3 mIU/ml im Urin neun Tage nach der Empfängnis an. Untersuchungen zeigen allerdings, dass der Wert auch oft darunter liegt: In einer Studie aus Groß­britannien mit rund 100 Frauen lag der Mittelwert mit 0,93 mlU/ml an Tag 9 beispiels­weise deutlich niedriger.

Antigen und Antikörper

Schwangerschaftstests arbeiten nach dem Antikörper-Antigen-Prinzip (Lateral­ Flow Test). Wird der Test­streifen mit Urin befeuchtet, bindet das ent­haltene hCG-Antigen an einen Farbstoff-markierten hCG-Antikörper. Dieser Antigen-Antikörper-Farbstoff-Komplex wandert zur Test­zone, in der ein zweiter hCG-Anti­körper fixiert ist. Dieser immobilisierte Antikörper bindet­ den wandernden Antigen-Anti­körper-Farbstoff-Kom­­plex und färbt diese­ Zone an. Überschüssige Farbstoff-markierte hCG-Antikörper wandern weiter­ zur Kontrollzone, in der ein Anti-Fc-Antikörper fixiert ist. An diesen bindet der überschüssige Farbstoff-markierte hCG-Antikör­per und färbt die Kontroll­zone an (siehe auch Grafik). Letzteres funktioniert nur, wenn genug Flüssigkeit in den Teststreifen gelangt ist. Färbt sich die Kontrollzone nicht, ist der Test fehlerhaft.

Zeigen sich also zwei farbige Streifen nach dem Test, heißt das Ergebnis »schwanger«. Ist kein Hormon im Urin nachweisbar, färbt sich nur der Kontrollstreifen. Tests mit digitaler Anzeige übersetzen die Antigen-Antikörper-Reaktion etwa in die Worte »schwanger« oder »nicht schwanger«. Tests mit Wochen­bestimmung zeigen abhängig von der hCG-Konzen­tration auch, wann die Empfängnis ungefähr stattgefunden hat.

Herkömmliche Tests detektieren hCG ab einer Konzen­tration von 25 mIU/ml. Sie können ab dem Tag der ausbleibenden Periode, also etwa 14 Tage nach dem Eisprung, eingesetzt werden. Sogenannte Früh- oder auch Pretests (zum Beispiel Clearblue Schwangerschaftstest Frühe Erkennung, Cyclotest Schwangerschaftsfrühtest, Femtest® Frühtest) sind empfindlicher und können laut Herstellerangaben bis zu sechs Tage vor der erwarteten Periode angewendet werden. Sie sollen in der Regel ab einer hCG-Konzentration von 10 mIU/ml po­sitiv ausfallen. Ein wichtiger Hinweis: Für den Test sollte möglichst immer der erste Morgenurin verwendet werden, da die Hormonkonzentration darin am höchsten ist.




Funktionsweise von Schwangerschaftstests

Grafik: PZ/Karches



Bei richtiger Durchführung versprechen viele Hersteller eine Sicherheit von 99 Prozent, allerdings, darauf sei hingewiesen, erst am Fälligkeitstag der Periode. Dann dürfte der hCG-Spiegel bei Werten von etwa 100 mIU/ml und höher liegen. Bei niedrigeren Konzentrationen an den Tagen vor der Periode sind die Ergebnisse der Frühtests oft nicht aussagekräftig, das zeigt etwa eine Untersuchung des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) aus dem vergangenen Jahr. Dabei reichte bei 60 Prozent von 15 getesteten Frühtests die Sensitivität nicht aus, um die deklarierte hCG-Konzentration zu detektieren. Bei den positiven Testergebnissen seien die Linien zudem teilweise so schwach ausgeprägt gewesen, dass eine Fehlinterpretation nicht ausgeschlossen werden könne, bemängeln die Tester des ZL. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass eine hohe Prozentzahl an Frauen bei der Anwendung eines Frühtests trotz Vorliegen­ einer Schwangerschaft ein negatives Ergebnis erhalten könnte, so die Schlussfolgerung.

Fällt der Test negativ aus, ist also eventuell noch nicht genügend hCG im Urin vorhanden, um es nachweisen zu können. Daher sollte der Test, wenn die Menstruations­blutung weiter auf sich warten lässt, zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Fällt der zweite Test trotz ausbleibender Periode wieder negativ aus, empfehlen die Hersteller in der Gebrauchs­information, einen­ Arzt aufzusuchen.

Selten falsch positiv­

Ein falsch positiver Schwangerschaftsnachweis – der Test zeigt also »schwanger« an, obwohl keine Schwangerschaft vorliegt – ist äußerst selten. In einem solchen Fall kann es sein, dass eine Befruchtung und Einnistung stattgefunden hat, sich die Schwangerschaft aber nicht weiterentwickelt hat und abgegangen ist. Bestimmte­ Tu­moren wie Chorionzellkarzinome und andere Keimzelltumore, die hCG pro­duzieren, können ebenfalls zu falsch positiven Ergebnissen führen. Laut Herstellern­ kann der Test auch falsch positiv ausfallen, wenn die Frau kurz vor der Menopause steht. /


Test mit Frosch

Die heute eingesetzten immunolo­gischen Tests gibt es etwa seit den 1960er-Jahren. Zuvor wurden Frösche­ in Apotheken für Schwangerschaftstests verwendet. Der Apotheker­ injizierte den Morgenurin der potenziell schwangeren Frau einem­ geschlechtsreifen Krallen­frosch­weibchen. Laichte der Frosch innerhalb von 18 Stunden, war der Nachweis der Schwangerschaft erbracht.

Der südamerikanische Arzt Dr. Carlos Galli Mainini entwickelte das Verfahren weiter. Er inji­zierte männlichen Fröschen eine kleine Menge Harn der mög­licher­weise schwangeren Frau in den dorsalen­ Lymphsack. Enthielt der Harn hCG, veranlasste dies den Frosch innerhalb von drei Stunden zur Spermienproduktion.

Für die Tests wurden viele Krallen­frösche aus Südafrika nach Europa, Australien, Asien und Nordamerika importiert. In den Apotheken wurden­ sie in einem temperierten Becken oder Aquarium gehalten. Die Tests waren – abgesehen vom Injektionsstich – für den Frosch nicht schmerzhaft. Nach zwei Wochen konnte er für den nächsten Test eingesetzt werden.

Quelle: Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, Wien; de.muvs.org



Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2018

 

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