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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Alterungsprozesse bremsen

Runzeln und Flecke kleinhalten


Von Annette Immel-Sehr / Die meisten Menschen möchten alt werden. Alt aussehen gilt hingegen als weniger erstrebenswert. Doch die Haut altert unweigerlich, so wie jedes andere Organ auch. Während man der Genetik der eigenen Alterung nichts entgegensetzen kann, lassen sich externe Altmacher durchaus beeinflussen.

 

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Für das Verständnis der Alterungs­prozesse in der Haut sind deren Aufbau und die Physiologie wichtig. Die Haut des Menschen lässt sich grob in drei Schichten unterteilen: die Ober-, Leder- und Unterhaut. Die Oberhaut (Epi­dermis) setzt sich aus einem mehrschichtigen verhornenden Platten­epithel zusammen und enthält keine Blutgefäße. 




Foto: Fotolia/Robert Kneschke


Ungefähr alle 26 bis 28 Tage erneuert sich die Epidermis komplett, indem neue Hautzellen entstehen und ältere, verhornte abge­stoßen werden. Die Lederhaut (Korium) besteht aus Kollagenfaserbündeln und gewährleistet die Festigkeit und Elastizität der Haut. Der hohe Gehalt an Chondroitin und Hyaluronsäure ermöglicht die Wasserspeicherung, die dazu beiträgt, die Epidermiszellen mit Nährstoffen zu versorgen. Zudem ist die Lederhaut von zahlreichen Blut- und Lymphgefäßen durchzogen. Darunter befindet sich die Unterhaut (­Subcutis), die vor allem aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen besteht und ebenfalls Wasser speichert.

Alle drei Hautschichten verändern sich mit zunehmendem Lebensalter. Die Epidermis wird um 15 Prozent d­ünner, die Erneuerungsrate der Zellen nimmt ab, so auch die Anzahl der Fettzellen. Somit schrumpft das Polster der Haut. Der Stoffwechsel verlangsamt sich insgesamt. In den unterschied­lichen Zelltypen der Haut verändern sich physiologische Abläufe. In der Folge gehen beispielsweise Anzahl und Qualität der elastischen und kolla­genen Fasern zurück, wodurch sich die Bindegewebsstruktur verändert. Außerdem sinkt die Anzahl der Blutge­fäße. Dadurch verschlechtert sich die Versorgung der Haut. Auch die Elastizität nimmt ab, da sich der Flüssigkeitsgehalt der intra- und interzellulären Räume (Turgor) verringert. Die Aktivität der Talg- und Schweißdrüsen lässt nach, und die Produktion wasserbindender hauteigener Feuchthaltefaktoren geht zurück. Zudem verändern sich die Lipidzusammensetzung und der Lipidgehalt insgesamt. Die Haut braucht länger, um sich von exogenen Noxen zu erholen und beispielsweise den physiologischen pH-Wert wieder zu erreichen. Zusätzlich zeigen sich Störungen der Melaninproduktion und der Pigmentverteilung. Die Aktivität der zelleigenen enzymatischen Schutzsysteme (Superoxid-­Dismutase, Glutathion-Peroxidase, ­Katalase) nimmt mit zunehmendem Alter ab. Hinzu kommen immunologische Defizite in der Haut.

Programm der biologischen Uhr

In der Summe dieser zahlreichen Veränderungen entsteht die typische ­Altershaut: erschlafft, faltig, trocken, schuppig, juckend, mit durchsichtiger Beschaffenheit (»Pergamenthaut«) sowie Pigmentunregelmäßigkeiten und sogenannten Altersflecken. Zugleich ist die Haut dünner, empfindlicher und heilt schlechter.

Die Alterung der Haut beginnt meist bereits in der Mitte des dritten Lebensjahrzehnts. Die Alterungsprozesse betreffen dabei natürlich nicht nur die Haut im Gesicht, an Hals, Unterarmen und Händen, sondern genauso die eher verdeckten Bereiche an Rumpf, Oberarmen, Beinen und Füßen. Wie schnell die Haut altert, hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Dermatologen unterscheiden dabei zwischen intrinsischen und extrinsischen Faktoren, also inneren und äußeren Einflüssen.

Zu den intrinsischen Faktoren zählen in erster Linie die Gene, die das Ablaufen der biologischen Uhr individuell programmieren. Alterungsprozesse in der Haut ebenso wie im gesamten ­Organismus werden beispielsweise durch die Anhäufung zellschädigender Stoffe sowie das Absinken der Hormon­produktion verstärkt. Die intrinsische Alterung lässt sich kaum beeinflussen. Anders sieht es bei den exogenen ­Faktoren aus.

Die Hauptursache der extrinsischen Hautalterung ist UV-Licht, genauer gesagt sind es vor allem die UV-A-Strahlen. Im Vergleich zu den UV-B-Strahlen dringen UV-A-Strahlen tiefer in die Haut ein und steigern unter anderem die Aktivität von Metalloproteinasen. Diese Enzyme bauen kollagene und elastische Fasern ab und fördern so die Faltenbildung und andere Strukturveränderungen. Ein weiterer bedeutender extrinsischer Faktor ist Zigarettenrauch. Er aktiviert ebenfalls die Metallo­proteinasen und damit den ­Abbau von Kollagenfasern. Bei Frauen wirkt sich Rauchen sogar noch ungünstiger auf die Haut aus als bei Männern, weil es auch den Estrogenspiegel beeinflusst.

So wie eine vielseitige Ernährung Voraussetzung für ein gesundes Hautbild ist, führt eine unausgewogene ­Zufuhr der Nährstoffe zu einer suboptimalen Situation und stimuliert Alte­­rungsprozesse. Zu den für die Hautfunktion wichtigen Substanzen zählen vor allem Biotin, Riboflavin, Niacin, Vitamin A, Vitamin C und Zink. Vitamin E und Kupfer schützen die Zellen vor oxidativem Stress. Neben der UV-Strahlung, Tabakrauch und unausge­wogener Ernährung gehören auch Alkohol, Stress und Umweltgifte zu den extrinsischen Faktoren. Insgesamt können sie die Hautalterung erheblich beschleunigen.

Jahre gut machen




Rauchstopp: Der nikotinhaltige Qualm ist nicht nur ungesund, sondern fördert auch die Hautalterung.

Foto: Fotolia/ Knut Wiarda


Im Umkehrschluss gilt: Wem es gelingt, die extrinsischen Faktoren weitgehend auszuschalten, der sieht länger jung und frisch aus. Je eher man damit beginnt, desto besser. Konkret heißt das, konsequent Sonnenschutzmittel zu verwenden, auf Rauchen zu verzichten und sich ausgewogen zu ernähren.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: die Pflege. Die regelmäßige Anwendung geeigneter Kosmetika kann die Hautalterung zwar nicht verhindern, aber doch bremsen und das ­Erscheinungsbild deutlich verbessern. Pflegeprodukte sollten Lipide enthalten, weil sie die Zellmembranen stabilisieren, außerdem Lichtschutzfaktoren gegen UV-A- und UV-B-Strahlung, Feuchthaltefaktoren sowie Antioxi­danzien. Enzyme, Coenzyme, Extrakte aus tierischen Geweben oder Pflanzen sowie Vitamine und Provitamine sollen den Stoffwechsel in der Haut anregen. Ziel der Pflegeprodukte für die sogenannte reife Haut ist es, die ge­schwächte Regenerationsleistung zu verbessern, die Kollagenbildung zu fördern und Falten zu glätten. Hersteller von Anti-Aging-Kosmetik arbeiten ­daran, den UV-Schutz durch neuartige UV-Filtertechnologien weiter zu verbessern. Darüber hinaus versuchen sie, die Zell-Kommunikation in der Haut anzuregen, damit Inhaltsstoffe besser verwertet werden können. Kurze Amino­säure-Sequenzen als Wirkstoffe sollen die Produktion von Kollagen oder Elastin anregen.

Doch bevor der Kosmetikforschung irgendwann möglicherweise der Durch­bruch gelingt, gibt es schon ­heute eine einfache und kostenlose Maßnahme gegen das Altern, die dem ganzen ­Menschen gut tut: ausreichend Schlaf. Im Schlaf erholen sich Körper und Geist. Das bedeutet umgekehrt, dass permanenter Schlafmangel die Regeneration verhindert und Alterungsprozessen Vorschub leistet. Untersuchungen h­aben gezeigt, dass auch die Haut über einen zirkadianen Rhythmus verfügt. Nicht ausgeschlafene Menschen wirken auf ihre Umwelt nachweislich ­weniger attraktiv. Zudem wurde gezeigt, dass langdauernde schlechte Schlafqualität die Hautfunktion beeinträchtigt und Zeichen der Hautalterung hervorruft. Es könnte also etwas dran sein, am »Schönheitsschlaf«. /


Mit Gesichtsgymnastik gegen Falten

In Zeiten vor Botox® und Hyaluronsäure-Unterspritzung scheint Gesichtsgymnastik als Maßnahme für ein jüngeres und frischeres Aussehen unter dem Begriff »Faceforming« ein Revival zu erleben.

Das menschliche Gesicht verfügt über 26 Muskeln, die ihm Kontur und Halt geben. Aus Gewohnheit bewegt der Mensch seine ­Gesichtspartien immer in dieselben Richtungen, entweder der Schwerkraft folgend oder nach typischer ­Mimik. Andere Muskeln – vor allem diejenigen, die nach oben ziehen – werden hingegen selten genutzt. Durch gezieltes Training lässt sich der Spannungszustand auch dieser ­Muskeln verbessern. Dazu sind nur minimale Bewegungen etwa fünf bis zehn Minuten täglich erforderlich. Anhänger des Faceforming behaupten, dass es Falten mildert und T­ränensäcke verschwinden lässt. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2018

 

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