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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Ernährung

Tipps für die Lebergesundheit


Von Andrea Pütz / Knapp ein Viertel aller Erwachsenen hierzulande ist von einer Fettleber betroffen – Tendenz steigend. Unter den stark Übergewichtigen und Diabetikern sind es sogar rund 85 Prozent. Nicht immer ist Alkohol der alleinige Sündenbock. Auch zu viel Fett und Zucker sind Gift für die Leber. Mit ein paar einfachen, aber effektiven Ernährungs- und Bewegungstipps können PTA und Apotheker betroffenen Kunden helfen, ihre Leber wieder in Form zu bringen.

 

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Die Leber ist eines der wichtigsten Stoffwechselorgane: Drei Millionen Leberzellen können mehr als 500 biochemische Prozesse durchführen. Sie entgiften den Körper, produzieren und speichern Eiweiße und verwerten Fette. Umso er­schreckender ist, dass sich die Leberverfettung zur Zivilisationskrankheit gemausert hat. Ihre Ursachen liegen größtenteils in der modernen Lebens- und Ernährungsweise.




Foto: iStock/Lisovskaya Natalia


Der wohl bekannteste Auslöser für eine Fettleber ist Alkoholmissbrauch. Als risikoarm gelten 0,5 Liter Bier pro Tag be­ziehungsweise 0,25 Liter Wein für Männer, bei Frauen sollte es nicht mehr als 0,25 Liter Bier beziehungs­weise 0,125 Liter Wein sein. Wer dauerhaft mehr trinkt, riskiert unter anderem eine Leber­verfettung.

Im Überschuss

Daneben können aber auch zahl­reiche andere Faktoren den Fettgehalt in der Leber erhöhen. So entfacht vor allem das durch mangelnde Bewegung und Übergewicht entstandene Bauchfett immer wieder entzündliche Prozesse im Körper – so auch in der Leber. Dann kann eine nicht-alkoholische Fettleber, auch Mastfettleber genannt, entstehen. Zu viele schnell verfügbare Kohlenhydrate, die etwa in Limonaden­, Säften, Snacks, Süßig­keiten, Weißbrot und Fertigprodukten enthalten sind, sind ebenfalls ein Risikofaktor: Überschüssige Mengen an Kohlenhydraten baut der Körper zu Fett um und lagert sie in Leber oder Fettgewebe ein. Vor allem Fructose ist hier problematisch: Die Leber ver­wertet den Fruchtzucker ähnlich wie Alkohol. Das Organ wird überernährt und schwillt an – in schweren Fällen bis auf die doppelte Größe.




Foto: Shutterstock/Anna Shepulova


Für viele überraschend: Auch schlanke und sportliche Menschen können von einer Fettleber betroffen sein. Ein Eiweißmangel – beispielsweise durch Unterernährung oder einseitige Fasten­kuren – kann auf Dauer zu einer Mangelfettleber führen. Weitere Risiko­faktoren sind Störungen des Fett­stoffwechsels mit gesteigerter Fett­bildung sowie Diabe­tes mellitus. Be­stimmte Medikamente wie Statine oder eine Überdosierung von Paracetamol (mehr als 4 g pro Tag) belasten die Leber und können ebenfalls in Zusammenhang mit der Entstehung einer Fettleber stehen.

Die Fettleber-Erkrankung kann über Jahre unbemerkt bleiben. Die Verän­derungen durch den hohen Fettgehalt werden in drei Stufen aufgeteilt. Auf der Anfangsstufe 1 wird die Leber größer­ und schwerer und bekommt eine gelbliche Farbe. Sie ist aber noch nicht entzündet. Das Organ leidet meist noch im Verborgenen, allenfalls Müdigkeit und Konzentrationsstörungen treten mitunter auf, selten auch Übelkeit, Appetitlosigkeit und Druckgefühl im rechten Oberbauch.

Entgleiste Leberwerte

Bei rund einem Drittel der Betroffenen entzündet sich das Organ im weite­ren Verlauf (Stufe 2). Es ent­wickelt sich eine Fettleber-Hepatitis (Steatohepatitis). Dann treten mitunter Symptome einer Gelbsucht auf. Da eine ver­fettete Leber ihren Aufgaben bei der Stoffwechselkontrolle nicht mehr richtig­ nachkommen kann, entgleisen allmählich die Blutzucker- und Blutfettwerte.

Unbehandelt führt die entzündliche Fettleber in etwa 10 Prozent der Fälle zu einer Leberzirrhose (Stufe 3). Dabei gehen die Leberzellen zugrunde, die Leber vernarbt und schrumpft. Schließlich kann sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen – ein lebensbedrohlicher Zustand, in dem dann oft nur noch eine Lebertransplantation hilft.


Die LOGI-Methode

Vor allem übergewichtige Menschen und Patienten mit einem ­erhöhten Blutzuckerspiegel profitieren von der sogenannten LOGI-Methode – besonders wenn ihre Leber verfettet ist. LOGI steht für »Low Glycemic and Insulinemic Diet«. Es ist eine Ernährungsform – keine Diät. Entscheidend ist eine verringerte Menge an Kohlenhydraten, was den Blutzucker- und Insulinspiegel niedrig halten soll. Die »schlechten« Kohlenhydrate werden komplett gestrichen. In LOGI-Kochbüchern finden Betroffene ­leckere Rezepte.


Eine deutlich vergrößerte Leber kann der Arzt meist ertasten. Häufig wird eine Fettleber jedoch zufällig entdeckt, wenn etwa der Bauchraum per Ultraschall untersucht wird. Mit dem sogenannten Fettleber-Index (FLI) kann zudem leicht und schnell abgeschätzt werden, wie hoch das Risiko ist, dass der Patient bereits von einer Fettleber-Erkrankung betroffen ist. Der Arzt errech­net diesen Index aus den Blutwerten Gamma-Glutamyltransferase (GGT, häufig schon bei Stufe­ 1 erhöht) und Tri­gly­ceriden. Auch der Body-Mass-Index (BMI) und der Taillenumfang spielen dabei eine Rolle. Liegt der FLI über 60 und ist die Leber im Ultraschall ver­größert, liegt die Diagnose Fettleber vor.

Eine Fettleber bildet sich in den meisten Fällen zurück, wenn Betroffene die entsprechenden Auslöser meiden und ihren Lebensstil ändern. Häufig ge- ­nügen eine ausgewogene, gesunde Er­nährungs­weise und der Verzicht auf Alkohol­. Generell sollte die Kost fett- und zucker­reduziert sein, dafür aber reich an Gemüse­, Vollkornprodukten, Fisch, magerem­ Fleisch und Milch­produkten. Schon nach wenigen Wochen fühlen sich die meisten Patienten deutlich wohler und leistungsfähiger. Folgende Tipps können­ PTA und Apotheker Pa­tienten mit auf den Weg geben.

Alkoholverzicht

Da Alkohol die Leber immer belastet, sollte vorerst wenn möglich komplett darauf verzichtet werden. Dies gilt bei allen Formen der Fettleber, auch wenn kein Alkoholmissbrauch zugrunde liegt. Die Leberentlastung steht an oberster Stelle.

Gewicht reduzieren

Laut der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) kann bereits eine Gewichtsabnahme von 4 bis 14 Prozent den Leberfettgehalt um bis zu 81 Prozent senken. Besonders dem Bauchfett sollte der Kampf an­gesagt werden, um Entzündungen vorzubeugen, die eine Leberverfettung fördern. Pflanzenöle, wie Raps- und Olivenöl, sind tierischen Fetten vorzuziehen. Auf kalorienreiche Fertigprodukte oder Fast Food sollten Patienten mit einer Fett­leber möglichst ganz verzichten.




Foto: iStock/domin_domin


In manchen Fällen verordnet der behan­delnde Arzt ein kurzzeitiges Leber­fasten mit speziellen Eiweiß-Drinks, bevor die eigentliche Kostumstellung beginnt. Dies ist aber nur in Einzelfällen notwendig, zum Beispiel bei sehr starkem Übergewicht. Das Leber­fasten sollte dann unter medi­zinischer Kontrolle stattfinden.

Weniger Weißmehl

Weißbrot, helle Brötchen, Burger, Baguette­, helle und lange gekochte Nudeln, Kuchen und Kekse sollten bei Fettleber-Patienten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Vollkornprodukte sind die leberfreundlichere Variante. Auch in mehligen, matschigen Kar­toffeln sind die Kohlenhydrate schon zu stark aufgespalten – sie lassen dann den Blutzucker- und Insulinspiegel zu schnell hochschnellen. So sollte nicht nur Pasta, sondern auch Kartoffeln möglichst »al dente« gekocht werden.

Zucker meiden

Fettleber-Patienten sollten große Mengen Haushalts- und Fruchtzucker meiden. Besonders viel Fructose enthalten beispielsweise Äpfel, Birnen, Mangos, Trauben, Trockenfrüchte, Honig­, Birnendicksaft, Apfelkraut, Frucht- und Gemüsesäfte sowie Sportler-Drinks, »Wellness«-Drinks und Smoothies. Süßwaren, Nuss-Nougatcreme, Speise­eis, Fruchtjoghurts und gesüßte Fertig-Müslis sollten ebenfalls gemieden werden. Haushaltszucker besteht zu gleichen Teilen aus Trauben- und Frucht­zucker. Damit enthalten also alle Süßigkeiten neben Glucose auch reichlich Fructose. Betroffene sollten aus diesem Grund ebenso bei Light- und Diät-Produkten, Ge­müsekonserven und Softdrinks (wie Cola-Getränke, Limonaden, Brausen, Erfrischungsgetränke, Nektare) auf die Zutatenliste achten.

Für die industrielle Verarbeitung hat Fruchtzucker einen entscheidenden Vorteil: Er ist preiswerter als Haushaltszucker. Fertigprodukte und stark ver­arbeitete Lebensmittel enthalten also häufig viel Fructose. Das Tückische: Oft ist es für den Verbraucher schwer zu erkennen, wie viel Frucht­zucker ein Produkt enthält. Er versteckt sich häufig auf der Zutatenliste hinter Begriffen wie Maissirup (HFCS, high fructose corn syrup), Frutose-Glucose-Sirup oder Glucose-Fructose-Sirup, Stärke­sirup, Honig, Kunsthonig oder Invertzucker (-sirup).

Wer Lust auf etwas Fruchtiges hat, sollte generell lieber ein Stück Obst essen als Saft zu trinken. Denn während der Herstellung von industriellen Obst­säften gehen viele Ballaststoffe verloren. Genau die sind es aber, welche die Verdauung anregen und den Blut­zuckerspiegel regulieren. Der Frucht­zucker bleibt in Obstsäften erhalten, kann durch den Mangel an Ballast­stoffen aber nicht so schnell abgebaut werden. Dies kann nicht nur das Dia­betes-Risiko steigern, sondern auch die Leber belasten.




Foto: iStock/DNY59


Mindestens 2 Liter Flüssigkeit, vorzugsweise (Mineral-)Wasser oder un­ge­süßte Kräutertees, sollten bei Fett­leber-patienten auf dem Trinkplan stehen­, vor allem, damit der angeregte Stoffwechsel Toxine abbauen kann.

Aktiv im Alltag

Selbst wenn die Kilos auf der Waage trotz aller Anstrengungen nicht so richtig fallen wollen: Regelmäßige körper­liche Aktivität senkt das Risiko für die nicht-alkoholische Fettleber – das zeigen Untersuchungen. Nach acht Wochen Training auf dem Fahrrad­ergometer reduzierte sich der Fettgehalt der Leber von Betroffenen um 13 Prozent. Wer Bewegung in seinen Alltag inte­griert, zum Beispiel Treppen­stufen hi­naufsteigt statt die Rolltreppe zu nehmen und für kurze Strecken auf das Fahrrad umsteigt, der unter­stützt die Ernährungsumstellung perfekt. Optimal ist es, pro Woche mindestens 150 Minuten Sport zu treiben.

Zur Entgiftung und Förderung der Zellregeneration der Leber eignen sich pflanzliche Präparate mit Mariendistel- (Silybum marianum) und Artischockenextrakt (Cynara scolymus) aus der Apotheke­. Auch gekochte Artischocken­herzen schmecken eingelegt als Antipasti gut, ebenso in einem Salat.

Für die Zubereitung einer Tasse Marien­disteltee werden zwei Teelöffel grob zerstoßene Früchte mit einer Tasse­ heißem Wasser übergossen. Nach 10 bis 15 Minuten kann der Tee abgeseiht werden. Bei einer Fettleber kann dreimal täglich eine Tasse Tee zu den Mahlzeiten empfohlen werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2018

 

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