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BERATUNGSPRAXIS

Verbrennung

Erste Hilfe bei Sonnenbrand


Von Elke Wolf / Reagiert die Haut auf zu viel Strahlung mit einem Sonnenbrand, dann ist Schadensbegrenzung nur noch möglich, indem akute Symptome behandelt werden. Das Risiko für einen späteren Hautkrebs bleibt erhöht. Kühlen, pflegen, Entzündung lindern: So ist die Haut nach einem Sonnenbrand am besten zu versorgen.

 

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Ein Sonnenbrand ist keine leichte Hautreizung, sondern eine Verbrennung mindestens ersten Grades der Haut. Doch das scheinen besonders jüngere Erwachsene in Kauf zu nehmen, hat eine repräsentative Forsa-Umfrage der DAK ergeben. So hatten vier von zehn Deutschen im Jahr 2015 mindestens einen­ Sonnenbrand. Während sich bei den 18- bis 29-Jährigen 71 Prozent einen Sonnenbrand eingefangen hatten (bei einem Viertel sogar mehrmals im Jahr), waren es bei den über 60-Jährigen nur 16 Prozent.




Ist die Haut erst einmal verbrannt, können die Beschwerden durch Kühlen und Pflegen nur noch gemildert werden. Das Hautkrebs-Risiko bleibt erhöht.

Foto: iStock/stevecoleimages


Zwar ist den meisten Menschen heute das erhöhte Hautkrebsrisiko bewusst und die Mehrheit weiß, dass Vorsor­ge bereits im Kindesalter beginnen muss. Doch die meisten scheinen die Intensität der Strahlung zu unterschätzen, interpretierte man die Er­gebnisse bei der DAK. Für einen leichten Sonnenbrand reichen je nach Hauttyp bereits 20 Minuten ungeschützt in der Sonne.

Ausgelöst wird der Sonnenbrand ausschließlich durch UV-B-Strahlen. Durch diese entstehen in der Haut freie Ra­di­kale, die die Fettsäuren der Membran­lipide oxidieren. Im Verlauf dieser Reaktion wird unter anderem Arachidon­säure freigesetzt, die am Anfang der Prostaglandinsynthese steht. Prosta­glandine sind wesentlich an der Ent­stehung von Entzündungsreaktionen beteiligt, sodass man einen Sonnenbrand als eine solche definieren kann. Auch die Freisetzung weiterer Entzündungsmediatoren, und zwar vor allem die Zytokine Tumornekrose­faktor-α (TNF-α) und Interleukin 1- sowie -8 (IL-1, IL-8) sowie Neuropeptide und chemotaktische Faktoren, in der Epidermis und Dermis sind dokumentiert. UV-A-Strahlen sind nicht in der Lage, ein Strahlen­erythem auszulösen. Allerdings können sie die akut schädigende Wirkung von UV-B-Strahlen steigern­, ein Phänomen, das Fotoaugmentation genannt wird.

Schmerzhafte Reizung

Histologisch ist die Lichtschädigung des Stratum corneums nach UV-Bestrah­lung charakterisiert durch die Bildung zahlreicher apoptotischer Keratino­zyten, die auch als »Sonnenbrand-Zellen­« bezeichnet werden. Auch wenn das Epithel intakt bleibt, kommt es aufgrund der Reizung freier Nervenendigungen, die in der Epidermis in großer­ Zahl vorhanden sind, bereits bei Verbrennungen ersten Grades zu Schmerzen. Die beim Sonnenbrand entstehenden Prostaglandine sind aller­dings auch in der Lage, die Zell­teilungsrate der strahlengeschädigten Zellen zu drosseln. So wird verhindert, dass Zellen mit veränderter DNA ihre fehlerhafte Erb­information weiter­geben.

Die Kühlung des betreffenden Haut­areals in Form kalter Umschläge ist die primäre Maßnahme bei der Behand­lung des Sonnenbrands. Die Kühle wirkt der Vasodilatation und der Hyper­ämie entgegen, gleichzeitig lässt der Schmerz nach. Die Kühlung begrenzt zudem die Bildung radikaler Sauerstoffverbindungen wie auch die Bildung von Lipidperoxiden, die an der Schädigung der Zellmembranen beteiligt sind. Zudem erhält die Kühlung die Mikrozirkulation aufrecht und redu­ziert damit ödematöse Schwellungen.

Vorsichtig kühlen

Zur Kühlung werden Baumwolltücher in kaltes oder höchstens lauwarmes Wasser (32 bis 35 °C) gelegt. Bei Hautdefekten empfiehlt es sich, das Wasser vorher abzukochen und erkalten zu lassen­. Versehen mit einem Teeaufguss aus Schachtelhalmkraut, schwarzem Tee oder Badezusätzen aus synthe­tischen Gerbstoffen (wie Tannolact® 40 Badezusatz, Tannosynt® flüssig), lassen sich adstringierende Effekte nutzen. Eis oder Cold-Packs sollten bei Verbrennungen nicht zum Einsatz kommen, da die Haut durch Kälte weiteren Schaden nehmen könnte.

Haut braucht Feuchtigkeit

Nach der initialen Kühlung gilt es, die Haut topisch mit stark wasserhaltigen Gelen, Lotionen oder Schaumsprays zu versorgen. Am besten geeignet sind O/W-Emulsionen mit hohem Wassergehalt. Sie kühlen durch die entstehende Verdunstungskälte und unterstützen durch enthaltene Lipide die Wieder­herstellung der Permeabilitätsbarriere. Schaumsprays (wie Bepanthen® Schaumspray, Panthenol Jojoba Spray) haben den Vorteil, dass der Kontakt­ mit der entzündeten und berührungs­empfindlichen Haut ver­mieden wird. Sehr fetthaltige Präparate sind dagegen nicht geeignet, da sie durch ihre okklusive Wirkung die Wärme­abgabe behindern und die Entzündungsreaktion verstärken.



Après-Sun-Präparate, vor allem solche­ mit verschiedenen Pflanzen­extrakten, sind in diesem Stadium unge­eignet: Sie enthalten oft Parfumstoffe und irritieren die Haut zusätzlich. Auch Quark ist nicht geeignet, da es aufgrund der darin lebenden Bakterien zu Infektionen kommen kann. Und enthaltene Eiweißstoffe können auf der geschwächten Haut zu Un­verträglichkeiten und allergischen Reaktionen führen.

Bei lediglich leichten Hautreizungen haben­ sich entzündungshemmende Präpa­rate mit Panthenol, Aloe vera, Kamillen­- oder Hamamelisextrakten bewährt­. Zubereitungen mit dem Algen­enzym Photolyase unterstützen die Repa­raturmechanismen in der Haut (wie in Ladival® Apres Akut Regenera­tion und Pflege). Um die loka­len Schmerzen örtlich zu be­täuben, sind Lotionen etwa mit Polidocanol (wie Anaesthesulf® Lotio) oder Gerbstoffen (wie Tannolact® Lotio, Tannosynt® Lotio)­ zu empfehlen. Polidocanol ist weniger sensibil­i­sierend als andere­ synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain.

Leichte Verbrennungen lassen sich auch homöopathisch angehen: Der ethanolische Frischpflanzenauszug aus Arnica montana zusammen mit der Urtink­tur des Krautes der Kleinen Brennnessel (Combudoron® Gel) lindert Hitzeschmerz und reguliert Entzündungen. Belladonna D6 und D12 sowie Cantharis­ D6 sind bewährte Einzel­mittel, wenn die Haut heftig brennt und klopft.

Der Einsatz topischer Antihistaminika bei Sonnenbrand ist umstritten. Zum einen sind Photosensibilisierungen und allergische Kontaktekzeme dokumentiert. Zum anderen beruht die Wirkung im Wesentlichen auf dem Kühleffekt der meist eingesetzten Gelgrund­lage, aber einen direkten Einfluss­ auf die Pathologie der Ver­brennung nehmen die Antihistaminika nicht. Wie man heute weiß, spielt das Gewebshormon Histamin keine wesent­liche Rolle bei der Entstehung des Sonnenbrands. Sinnvoll sind Antihistaminika (wie Fenistil® Gel, Soventol® Gel, Systral® Creme) jedoch, um den starken Juckreiz bei einer poly­morphen Lichtdermatose oder der Mallorca­-Akne zu lindern.

Topische Corticoide

Sinnvoller erscheint da der Einsatz von topischen Corticosteroiden, auch wenn eine klinische Wirksamkeit bei dieser Indikation in Studien nicht zweifelsfrei dokumentiert ist. Hydrocortison-haltige Zubereitungen sind als Cremes, Sprays oder Lotionen (wie Soventol® HydroCort 0,5 %, Fenistil® Hydro­cort Creme 0,5 %, Ebenol® 0,5  % Spray) erhältlich. Auch hierbei hat ein Spray den Vorteil, dass der Kontakt mit der irritierten Haut beim Auftragen umgangen wird.

Systemische nicht steroidale Antirheumatika können PTA und Apotheker empfehlen, wenn sonnengeschädigte Kunden über stärkere Schmerzen, schwerere Verbrennungen oder Blasen berichten. Als Erste Hilfe em­pfiehlt sich etwa Acetylsalicylsäure 2 x 500 mg/d über 48 Stunden. Der Verweis an den Arzt sollte bei der Abgabe nicht fehlen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2018

 

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