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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Haustiere

Hitzeschutz im Hochsommer


Von Carina Steyer / Hohe Temperaturen belasten nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Die meisten von ihnen können nicht schwitzen, und ihre natürlichen Instinkte sind bei starker Hitze eingeschränkt. Für Tierhalter ist es deshalb besonders wichtig, für Erfrischung und optimale Umgebungsbedingungen zu sorgen.

 

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Klettert das Thermometer in die Höhe, beginnen Menschen zu schwitzen. Sie nutzen den Kühleffekt, der beim Verdunsten von Schweiß entsteht. Was bei Menschen gut funktioniert, ist bei ­Tieren jedoch nicht weit verbreitet. Nur Pferde und Menschenaffen können ebenfalls schwitzen. Hunde hingegen nutzen die wenigen Schweiß­drüsen unter ihren Fußballen lediglich zur Kommunikation mit Artgenossen. Schweine und Kaninchen besitzen gar keine Schweißdrüsen. Als Alternative zum Schwitzen haben sich bei Tieren zahlreiche andere Strategien entwickelt, um überschüssige Wärme abzuleiten.




Wer im Sommer mit Hund unterwegs ist, sollte unbedingt darauf achten, dass genug Trinkwasser zur Verfügung steht.

Foto: Fotolia/chalabala.cz


Gut bekannt und weitverbreitet ist das Hecheln. Durch die schnellen Atembewegungen bei geöffnetem Maul oder Schnabel verdunstet Speichel im Rachenraum und verschafft Abkühlung. Katzen befeuchten zusätzlich ihr Fell mit Speichel. Kaninchen und ­Elefanten geben überschüssige Wärme über ihre großen Ohren ab. Zusätzlich weiß man inzwischen von Elefanten, aber auch von Kamelen, Antilopen und kleinen Wüstennagetieren, dass sie den Mechanismus der adaptiven Hetero­thermie nutzen. Diese Fähigkeit macht es möglich, die Körpertemperatur je nach Außentemperatur zu verändern. In den kühleren Nachtstunden senken die Tiere ihre Körpertemperatur deutlich ab und bauen damit eine Art thermische Reserve auf, die es ihnen erlaubt, tagsüber Wärme zu speichern und damit Hitzestress zu vermeiden. Seesterne leiten die Hitze von ihrem Körperzentrum weg in ihre Arme. Bei hohen Temperaturen kann es passieren, dass die Hitze die Arme so stark schädigt, dass sie abgeworfen werden. Glücklicherweise wachsen neue nach.

Optimaler Standort

Trotz der cleveren Abkühlungs­strategien suchen die meisten Tiere bei hohen Temperaturen schattige, kühle Orte auf. Haustiere sind dabei in ihrer Wahl nicht so frei wie Wildtiere. Insbesondere Tiere in Käfigen, Aquarien oder Terrarien sind auf eine gute Standortwahl ihres Besitzers angewiesen. Nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt sollte er sein. Eine gute Belüftung muss sichergestellt sein, im Durchzug sollte der Käfig jedoch auch nicht stehen. Die Experten vom Deutschen Tierschutzbund raten zudem, immer den Stand der Sonne im Tagesverlauf zu bedenken. In Aquarien kann direkte Sonnen­einstrahlung das Wasser erwärmen, was viele Fische nicht tolerieren. Als Sofortmaß­nahme sollte in diesem Fall vorsichtig etwa 1 bis 3° C kühleres Wasser nachgefüllt werden, raten Tiermediziner. Vorbeugend kann an heißen Sommer­tagen auch die Abdeckung des Beckens geöffnet werden.

Auch bei Außengehegen sollte es immer einen Teil im Schatten geben. Schutzhäuschen, kühle Steine oder feuchte Handtücher über dem Gehege spenden den Tieren zusätzliche Abkühlung. Außerdem ist es wichtig, dass sie ihren natürlichen Instinkten folgen können. Kaninchen graben Erdmulden, in denen sie heiße Tage verbringen und brauchen deshalb eine Stelle zum ­Graben. Ratten und Vögel gehen gerne baden. Gut geeignet dafür sind flache Wasserschalen, zum Beispiel Blumenuntersetzer, die im Käfig aufgestellt und regelmäßig erneuert werden.

In großen Ställen werden oft ­Ventilatoren eingesetzt, die frische Luft einleiten und damit Temperatur und Luftfeuchtigkeit absenken. Vor ­allem Milchkühe geraten schnell unter Stress. Sie reagieren bereits auf ­Temperaturen ab 24° C und 70 Prozent Luftfeuchte mit einer geringeren Milchbildung.

Auf der Weide sind Pferde, Schafe oder Kühe zwar wesentlich mobiler als im Stall, können aber der Sonne kaum ausweichen. Fehlen Bäume oder Hecken, sollten künstliche Schatten­spender errichtet werden. Um Kühen Hitzestress zu ersparen, raten Agrarwissenschaftler, die Weidezeit in die frühen Morgen- und späten Abendstunden zu verlegen.

Hund und Katze

Hunde und Katzen, die als Haustiere gehalten werden, können sich in Haus und Garten meist frei bewegen. Sie suchen sich dabei instinktiv einen Ort, an dem sie mit den Temperaturen gut umgehen können. Die große Bewegungsfreiheit kann allerdings auch Gefahren bergen. So kommt es immer wieder vor, dass neugierige Katzen in gekippten Fenstern steckenbleiben oder vom Balkongeländer stürzen. Um derartige Unfälle zu vermeiden, wird das Anbringen von Schutznetzen oder -gittern empfohlen.




Ein stark aufgeheiztes Auto kann für Tiere zur tödlichen Falle werden.

Foto: Shutterstock/Dora Zett


Für lange Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten mit dem Hund gelten dieselben Regeln wie für Menschen. An heißen Tagen werden sie besser in den Morgen oder Abend verlegt, wenn die Sonnenintensität geringer ist. Weil auch Hunde einen Sonnenbrand bekommen können, sollte ihr Fell im Sommer nicht zu kurz geschoren werden. Wald- und Wiesenwege eignen sich für ausgedehnte Ausflüge am besten, da der Untergrund im Gegensatz zu Asphalt nicht so schnell aufheizt. Eine Wasserflasche und ein Trinkgefäß sollten auch für den Hund nicht fehlen.

Geparkte Autos werden im Sommer immer wieder zur lebensbedrohenden Gefahr für darin zurückgelassene Tiere. Schuld daran ist die Kombination aus Sonnenstrahlung und geschlossenem Raum: Die Sonnenstrahlung dringt durch die Glasscheiben des Autos und trifft auf die Oberflächen im Innenraum. Diese werden schnell auf mehr als 60° C erwärmt und geben die Wärme stetig an die Luft im Fahrzeug­innenraum ab. Weil die erwärmte Luft aus einem geschlossenen Auto nicht entweichen kann, heizt sich der Innenraum innerhalb kurzer Zeit schnell auf. Ein Fensterspalt oder auch vollständig geöffnete Fenster schaffen es nicht, den Wärmeaufbau im Auto zu kompensieren. Innerhalb von 30 Minuten können die Temperaturen in geschlossenen Autos bis auf mehr als 50° C ­ansteigen. Nach einer Stunde besteht bereits akute Lebensgefahr. Katzen und Kleintiere, die in Käfigen im Auto transportiert werden, sind aufgrund der fehlenden Luftzirkulation in den Kisten sogar noch höheren Temperaturen ausgesetzt.

Warnsystem für Autos

Immer wieder unterschätzen Tierhalter, vor allem an bewölkten Tagen, die Gefahr­, die im Auto entstehen kann. Wissen­schaftler der Veterinärmedi­zinischen Universität Wien haben ein ­dynamisches Modell entwickelt, das den Temperaturanstieg vorher­sagen kann. Das Team um Günther ­Schauberger von der Arbeitsgruppe Umwelt­gesundheit der Ab­teilung für Physiologie und Biophysik nutzt die Para­meter Wind­geschwindig­keit, Außentemperatur und Strahlungs­intensität, um die Temperatur im Inneren eines Fahrzeugs zu berechnen. Ziel ist es, das Modell als Warnsystem in Autos und als App verfügbar zu machen. Zudem nutzt es auch Forensikern, da die ­Kopplung des Modells mit der Thermo­regulation von Tieren (und von Kindern­) es ermöglicht, die Körper­temperatur des betroffenen Tieres­ (oder Kindes) zu berechnen und damit das Auftreten eines Hitzschlags nachzuweisen.

Schnelle Hilfe

Ein Hitzschlag entsteht, wenn ein ­Organismus stark aufgeheizt wird, gleichzeitig aber die Wärmeabgabe ­behindert ist. Auch Tiere können ­davon betroffen sein. Ursache sind häufig niedrige, überhitzte Ställe, schlecht ­belüftete Tiertransporter oder das ­Zurücklassen im Auto.

Hecheln Hunde mit gestrecktem Hals, verfärbt sich die Zunge dunkelrot oder wird der Blick glasig, sollten sie umgehend an einen kühlen Ort ­gebracht werden. Ein Hitzschlag ­äußert sich durch Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen und Bewusstlosigkeit. Bei Katzen gelten unruhiges Umhergehen und starkes Hecheln in Bauchlage als Alarmzeichen. Überhitzen Katzen, ­erhöhen sich außerdem Herzschlag und Körpertemperatur.

Auch Pferde, die lange in der ­prallen Sonne stehen, können einen Sonnenstich bekommen. Bei Schweinen ist der Auslöser meist eine starke, direkte ­Sonneneinstrahlung in zu kleinen Ausläufen. Die Tiere wirken ermattet oder apathisch, sie taumeln oder brechen zusammen. Betroffene Tiere sollten in den Schatten gebracht werden und mit etwa 15° C kaltem Wasser berieselt oder abgerieben werden bis der Tierarzt eintrifft. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2018

 

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