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BERATUNGSPRAXIS

Hormonrezeptur

Creme mit natürlichem Progesteron


Von Andreas Melhorn / Die Nachfrage nach »natürlichen« Produkten ist groß, denn sie genießen­ den Ruf, weniger Nebenwirkungen zu haben und generell weniger gefährlich zu sein als chemisch-synthetische Medikamente. Auf diese Weise pauschalisiert, sind die Aussagen eher fragwürdig, dennoch muss man die Sorgen der Patienten ernst nehmen.

 

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Eine Patientin unterhält sich mit einer PTA über das Thema. Grund für die Nachfrage der Patientin ist ein Rezept, das sie von ihrer Ärztin bekommen hat. Sie soll gegen ihre Brustschmerzen eine Progesteron-Creme auftragen. Sie erzählt, dass sie generell skeptisch ist, was die Anwendung von Hormonen angeht. Sie hätte aber gelesen, dass es »natürliches Progesteron« gäbe und die Ärztin hätte das Rezept entsprechend ausgestellt. Sie fragt die PTA, was es damit auf sich hätte und ob das natürliche Produkt besser sei. Die PTA verspricht der Patientin, sich zu erkundigen.



In welche Grundlage der Wirkstoff eingearbeitet werden soll, ist nicht angegeben – außer dass es sich um eine Creme handelt. Die PTA will zuerst nachforschen, welche Cremegrundlage sich besonders gut eignet. Falls es mehrere Auswahlmöglichkeiten gibt, fragt sie die Patientin nach Unverträglichkeiten und ob sie eher eine fettreiche oder fettarme Creme bevorzugt.

Geeignete Grundlage

Die Patientin berichtet, sie habe schon einmal ein Gel ausprobiert, ein Fertigpräparat, das habe ihre Haut aber nicht vertragen. Als sie mit der Ärztin darüber sprach, meinte diese, sie würde in diesem Fall eine Creme versuchen. Sie stellte daraufhin das Rezept aus. Eine fettreichere Creme wäre der Patientin aufgrund ihrer trockenen Haut lieber.

Ein Blick in das DAC/NRF-Werk führt die PTA zu zwei standardisierten Vorschriften für Progesteron-Zäpfchen, aber nicht zu Cremes oder anderen dermalen Zubereitungen. Sie gibt deshalb den Wirkstoff in das Suchfeld der DAC/NRF-Webseite ein, woraufhin der Rezepturhinweis für Progesteron erscheint. Dort findet sie einen Verweis auf eine leicht herzustellende lipophile, 2%ige Progesteron-Creme auf Grundlage von Hydrophober Basiscreme DAC. Die PTA muss nur die Wirkstoffkonzentration anpassen, woraus sich folgende Rezeptur­zusammensetzung ergibt:

Das Progesteron wird mit dem Jojoba­öl angerieben und anschließend mit der Cremegrundlage verrührt.

Die PTA findet auch Vorschriften für hydrophile Cremes mit den Grundlagen Anionische hydrophile Creme DAB (konserviert mit 0,1 % Sorbinsäure) oder Basiscreme DAC. In beiden Vorschrif­ten wird ebenfalls mit Na­tivem Jojobaöl angerieben. Da sich die Patientin aber eine fettreiche Creme gewünscht hat, entscheidet sich die PTA dazu, die lipophile Creme als Grundlage zu verwenden.

Die Dosierung ist auf dem Rezept angegeben. Der Patientin dürfte es aber schwerfallen, 2,5 g abzuschätzen. Die PTA schlägt auf der Suche nach einem geeigneten Applikator im Bezugs­quellennachweis des DAC/NRF nach. Dort stößt sie auf Vaginalapplikatoren, die sich eignen, Volumina von Cremes abzumessen.

Die relative Dichte von Hydrophober Basiscreme DAC ist mit 0,98 nahezu 1. Natives Jojobaöl ist etwas leichter. Die PTA rechnet aus, dass 2,5 ml ungefähr 2,4 g Creme ent­sprechen. Sie kann nicht einschätzen, ob die Abweichung zu groß ist. Theoretisch könnte sie die Konzentration des Hormons in der Creme anpassen. Dazu müsste sie aber die Ärztin kontaktieren. Die PTA bespricht sich kurz mit der diensthabenden Apothekerin und gemeinsam beschließen sie, die Ärztin anzurufen. Diese bittet die Apotheke, die Creme wie verordnet herzustellen und der Patien­tin den Applika­tor abzugeben. Eine Dosis­anpassung wünscht sie nicht.




Yamswurzel liefert Diosgenin, aus dem Progesteron synthetisiert werden kann.

Foto: Okapia/Hans Reinhard


Halbsynthetisch gleich natural

Zum Thema »natürliches Progesteron« steht auch etwas in dem Rezepturhinweis. In den USA ist der Begriff »natural progesterone« gebräuchlich. Er wird benutzt, um das körpereigene Progesteron von anderen körperfremden Gestagenen wie zum Beispiel Levonorges­trel zu unterscheiden. Der Begriff ist missverständlich und suggeriert, dass es sowohl ein »natürliches« als auch ein »künstliches« Progesteron gibt.

Progesteron ist ein »naturidentisches« Hormon, das halbsynthetisch hergestellt wird. Die Ausgangsstoffe werden aus Pflanzen gewonnen. Aus bestimmten Yamswurzeln (Dioscorea-Arten) kann das Steroidsapogenin Diosgenin extrahiert werden. Aus der Sojabohne gewinnt man Phytosterole, die als Ausgangsstoffe verwendet werden können. Insofern gibt es einen »natürlichen« Hintergrund für die halbsynthetische Herstellung, der unter Umständen auch gemeint sein könnte. Dieses reine, halbsynthetisch hergestellte Progesteron ist mit dem Begriff »natural progesterone« gemeint.

Kein klinischer Nachweis

Der hohe Gehalt an Diosgenin in Yams hat zur Folge, dass die Pflanze oft als natürliche Steroidhormon-Quelle bezeichnet wird. Das Diosgenin kann allerdings nur im Labor, nicht aber im Körper in Progesteron oder DHEA (Dehydroepiandrosteron) umgewandelt werden. Es gibt Berichte über östrogenartige Verbind­ungen in einer bestimmten Yams-Art. Im Labor konnte der Extrakt einer anderen Yams-Art eine schwache Aktivität von Progesteron-Rezeptoren verursachen. Eine klinisch nachge­wiesene Wirksamkeit von pflanzlichen Progesteron-Präparaten gibt es nicht. Abgesehen davon, dass klinische Nachweise bisher fehlen, existieren für diese Präparate auch keine offiziellen Richt­linien zur Standardisierung.

»Natürliches Progesteron« bedeutet also etwas anderes als »pflanzliches Progesteron«. Es handelt sich um das naturidentische Hormon, das zum Beispiel­ im Fertigarzneimittel Progestogel® Verwendung findet.

Nach dem üblichen Anfertigen der Protokolle und kurzer Rücksprache mit der diensthabenden Apothekerin stellt die PTA die Creme her. Die Herstellung verläuft problemlos. Die Gebrauchsanweisung auf dem Etikett weist ausführlich auf die Anwendung hin, damit es wegen des Applikators nicht zu Verwechslungen kommt. Die PTA fügt der Bestellung außerdem eine Notiz hinzu, dass die Patientin bei Abgabe auch mündlich aufgeklärt werden soll.

Als die Patientin die Creme am nächsten Tag abholt, sprechen die beiden kurz über das »natürliche« Progesteron. Die PTA erläutert, dass der Begriff eine manchmal missverstandene Abgrenzung zu anderen Gestagenen darstellen soll, und dass der Grundstoff des Progesterons aus Pflanzen gewonnen wird. Der Patientin genügt das als Erklärung. /


Neue Rezeptur

Progesteron 1,0 g

Natives Jojobaöl 10,0 g

Hydrophobe Basiscreme DAC (Vorschrift S.41.) zu 100,0 g

Vom 10. bis 25. Zyklustag täglich 2,5 ml mit dem Applikator entnehmen und auf jede Brust auftragen



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2018

 

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