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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Wasser in der Rezeptur

Saubere Sache


Von Caroline Wendt / Wasser ist eine klare, farblose Flüssigkeit – so schreibt es das Europäische Arzneibuch. Doch für die Verwendung in der Rezeptur muss Wasser pharmazeutische Qualität aufweisen. Hierfür sind geeignete Herstellungs­verfahren und mikrobielle Reinheit entscheidend.

 

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Egal ob Creme, Gel oder Augen­tropfen: Wasser ist ein wichtiger Bestandteil vieler­ Rezepturen. Zur Herstellung wird meistens gereinigtes Wasser (Aqua purificata) oder Wasser für Injektions­zwecke (Aqua ad iniectabilia) verwendet. Sie sind über den Großhandel zu bestellen oder können in der Apotheke her­gestellt werden. Doch worin unterscheiden sich die beiden Wasser­qualitäten?

Als Ausgangsstoff dient bei beiden Leitungswasser. Die Qualität des Leitungs­wassers wird in Deutschland über die Trinkwasserverordnung ge­regelt und unterliegt regelmäßigen Kontrollen. Um es für die Rezeptur­herstellung nutzen können, muss das Wasser jedoch zusätzlich aufbereitet werden. Gemäß dem Europäischen Arznei­buch (Ph. Eur.) kann gereinigtes Wasser mittels Destillation, Ionen­austauscher oder Umkehrosmose gewonnen werden. Es dient zur Her­stellung von Arzneiformen, die weder steril noch pyrogenfrei sein müssen (zum Beispiel Cremes oder Suspen­sionen). Für parenterale Arzneimittel muss gemäß dem Ph. Eur. Wasser für Injektionszwecke verwendet werden, das nicht nur keimfrei, sondern auch pyrogenfrei ist. Das NRF empfiehlt Wasser für Injektionszwecke zudem auch für die Herstellung von Augentropfen oder anderen mikrobiologisch kritischen Arzneiformen. Wasser für Injektionszwecke kann lediglich durch Destillation gewonnen werden.

Wasserdampf

Bei der Destillation verdampft Wasser und kondensiert in einem getrennten Gefäß. Nicht flüchtige Bestandteile wie Mineralsalze bleiben im Erhitzungs­gefäß zurück. Organische Verbindungen, Mikroorganismen oder Pyrogene werden durch die Hitze überwiegend zerstört. Das erhaltene Destillat ist dadurch nahezu keimfrei. Damit das auch so bleibt, muss das Auffanggefäß keim­arm – oder am besten steril – sein. Ein Umfüllen in Lagerungsgefäße ist nicht empfohlen.

Vielen Apotheken stellen auch ­mithilfe eines Ionenaustauschers gereinigtes Wasser her. Doch Vorsicht: Das erhaltene Wasser ist nach der Passage zwar entmineralisiert, aber nicht keimfrei. Zudem bietet die poröse Oberfläche des Ionenaustauscher­harzes ein ideales Nährmedium für ­Mikroorganismen. Deshalb ist es ­wichtig, dass das Wasser vor der Verwendung in der Rezeptur entkeimt wird. Gemäß den Angaben des Ph. Eur. kann das durch Filtration durch einen Bakterien-zurückhaltenden Filter (normierte Porengröße 0,22 μm) ge­schehen oder durch Abkochen. Dafür muss das Wasser fünf Minuten bei konstanter Hitze kochen. Das bedeutet, es muss fünf Minuten sprudelnd ­kochen und abgedeckt abkühlen. ­Pyrogenfrei ist das Wasser dadurch dennoch nicht. Fiebererzeugende ­Endotoxine sind zum Teil bis zu Temperaturen von 250 °C ­stabil.

Unter Druck

Bei der Umkehrosmose fließt das ­Wasser in einem Zweikammersystem durch eine semipermeable Membran, die nur für Wassermoleküle durch­lässig ist. Dafür wird auf der Kammerseite, die das unbehandelte Leitungswasser enthält, Druck aufgebaut. So diffundieren die Wassermoleküle entgegen des Konzentrationsgefälles in die zweite Kammer. Diese enthält dann das gereinigte Wasser.

Direkt verbrauchen

Das Europäische Arzneibuch schreibt eine Reihe von Inprozesskontrollen für die Herstellung von Wasser mit pharmazeutischer Qualität vor. Der Rezepturhinweis des NRF weist jedoch darauf hin, dass diese im Apothekenalltag kaum zu realisieren sind. Deshalb wird empfohlen, das Wasser direkt nach der Herstellung, spätestens aber am Gewinnungstag, zu verbrauchen.

Die zur Herstellung verwendeten Geräte müssen qualifiziert und die Prozesse validiert sein. Der NRF-Rezepturhinweis empfiehlt, über Stichproben die Qualität des Wassers regelmäßig zu überprüfen. Mögliche Prüfkriterien sind Leitfähigkeit, Keimzahl und Gesamtzahl an organischen Kohlenstoffen (siehe entsprechende Monogra­phien im Ph. Eur.). Um die mikrobielle ­Qualität des in der Rezeptur verwendeten Wassers extern überprüfen zu ­lassen, können Apotheken Proben an das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) schicken. Mögliche Termine für die Untersuchung sind unter www.zentrallabor.com zu finden. /




Foto: Shutterstock/Africa Studio




Wasser auf Bestellung

Bestellen Apotheken gereinigtes Wasser oder Wasser für Injektionszwecke über den Großhandel, sollten sie darauf achten, die Bestellmenge an den täglichen Bedarf anzupassen. Auch hier gilt, dass Anbrüche der Verkeimungsgefahr ausgesetzt sind. Bei Flaschen mit einem Durchstechstopfen sollte zudem für jede Wasser­entnahme eine neue sterile Kanüle verwendet und der Stopfen vor jeder Entnahme mit 70-prozentigem Iso­propanol abgewischt werden.

Eine Alternative für gereinigtes Wasser in Glas- oder Plastikflaschen ist das Bag-in-Box-System (BIB). Hier ist ein keimfreier, aseptischer Innenbeutel durch einen Pappkarton geschützt. Das Wasser aus dem Beutel kann über einen Auslaufhahn drucklos entnommen werden. Doch auch hier ist das Einhalten von Hygienerichtlinien wichtig: Am Auslaufhahn kann sich durch hängenbleibende Tropfen ein Biofilm aus Mikroorganismen bilden. Deshalb muss der Hahn vor jeder Wasser­entnahme mit 70-prozentigem Isopropanol gereinigt werden. Sterile oder desinfizierte Handschuhe sind beim Umgang mit Wasser immer Pflicht.



Beitrag erschienen in Ausgabe 14/2018

 

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