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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Apnoetauchen

Mit einem Atemzug in die Tiefe


Von Carina Steyer / Das Tauchen mit »Luftanhalten« ist in den vergangenen Jahren zum beliebten Trendsport ge­worden. Apnoisten messen sich in Wettkämpfen und stellen Welt­rekorde im Tief-, Lang- und Weittauchen auf. Dafür benötigen sie zwei Dinge: körperliche Fitness und mentale Stärke.

 

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Apnoetauchen ist die älteste, ursprünglichste Form des Tauchens. Das Sammeln von Muscheln, Perlen und Schwämmen oder das Speerfischen waren­ vor der Entwicklung von Tauchhelmen und Pressluftgeräten gar nicht anders möglich. Heute findet man berufsmäßige Apnoetaucher nur noch in wenigen Regionen der Erde. So tauchen etwa die traditionsreichen japanischen Meerfrauen zwar noch nach Delikatessen wie Seeschnecken und Austern, aber es rücken kaum noch junge Frauen nach.




Foto: iStockphoto/crisod


Im Gegensatz dazu erfreut sich das Apnoetauchen im Breiten- und Extremsport zunehmender Beliebtheit. Viele Sporttauchverbände bieten die neue Trendsportart in eigenständiger Aus­bildungssparte an. Der größte Verband der Apnoetaucher, die Association Internationale pour le Developpement de l’apnée (AIDA), organisiert zudem regelmäßig Wettbewerbe mit eigenem Regel­werk. Die Apnoisten messen sich nach strengen Regeln in verschiedenen Leistungsdisziplinen und versuchen, möglichst lange Tauch­zeiten, hohe Tauchweiten oder große Tauchtiefen zu erreichen.

Begrenzte Tauchtiefe

Bei untrainierten Menschen liegt die natürliche Tauchgrenze bei etwa 30 Metern Tiefe. Dort wird die Lunge durch den Druck so stark komprimiert, dass ihr Volumen dem sogenannten Residual­volumen entspricht. Dabei handelt es sich um die Luftmenge, die nach dem Aus­atmen immer in der Lunge verbleibt. Wird das Residualvolumen unter­schritten, kommt es zu einem Unterdruck-Barotrauma mit Symptomen wie Atemnot, Brustschmerzen, Husten mit schaumigem Auswurf oder Schock.

Für Wettkampf-Apnoisten sind 30 Meter lediglich Trainingstiefen. Der aktuelle Weltrekord im Tieftauchen mit unbegrenztem Gewicht liegt bei 160 m (Frauen) beziehungsweise 214 m (Männer). Um derart tief tauchen zu können, müssen im Körper enorme physiologische Anpassungsreaktionen ablaufen, die Apnoisten durch intensives Training erreichen.

Beim Blood-pooling kommt es beispielsweise zu einer vermehrten Blutfüllung der Lungengefäße. So kann das Residualvolumen deutlich unterschritten werden, ohne dass es zu einem Baro­trauma kommt. Das als Tauch­reflex bekannte Phänomen des Ab­sinkens der Herzfrequenz beim Tauchen mit angehaltenem Atem wirkt als Sauerstoffsparmechanismus und tritt bei Menschen natürlicherweise auf. Apnoisten trainieren diese Anpassungsreaktion, indem sie immer wieder tauchen gehen. Zusätzlich kann die Ausprägung des Tauchreflexes durch Ausdauertraining verbessert werden.

Spezielle Techniken

Darüber hinaus nutzen Apnoisten Techniken, die den Atemreiz so lange wie möglich hinauszögern. Der Atemreiz wird durch den Anstieg des Kohlendioxidpartialdruckes und den Abfall des Sauerstoffpartialdruckes in den Arterien ausgelöst. Unter Wasser erfährt ein Taucher durch den erhöhten Umgebungsdruck einen deutlich erhöhten Sauerstoffpartialdruck, weshalb dieser als Atemreizauslöser wegfällt. Es zählt hier nur noch der Anstieg des Kohlendioxidpartialdruckes. Diesen senken Apnoisten gezielt ab, indem sie unmittelbar vor dem Abtauchen hyperventilieren. Die Gefahr dieser Technik liegt darin, dass die Sauerstoffreserven durch die Hyperventilation nur minimal verbessert werden. Verbraucht der Taucher zu viel Sauerstoff, kann er bewusstlos werden. Häufig ist dies erst kurz vor dem Erreichen der Wasseroberfläche der Fall, kann aber bei starker Belastung in der Tiefe bereits dort eintreten.

Viele Apnoetaucher nutzen außerdem ein Atemmanöver, mit dem sie ihr Lungenvolumen aktiv vergrößern. Nach der maximalen Einatmung drücken­ sie die Luft im Mundraum durch die Kehlkopföffnung in die unteren Atemwege. Untersuchungen an Mitgliedern der deutschen Apnoe- Nationalmannschaft haben gezeigt, dass sich die Lungenkapazität damit um 3 bis 4 Liter erhöhen lässt.


Wettkampfdisziplinen

Zeittauchen: Der Taucher liegt mit dem Gesicht nach unten im Wasser und versucht, möglichst lange die Luft anzuhalten. Apnoisten empfinden diese Kategorie als besonders anspruchsvoll, da es vor allem um mentale Stärke und Körperkontrolle geht.

Streckentauchen mit oder ohne Flossen: Hier geht es darum, eine möglichst lange Strecke mit oder ohne Flossen zurückzulegen. Zusätzlich dürfen Schwimmbewegungen mit den Armen ausgeführt werden und ein sogenanntes Nackenblei getragen werden. Dabei handelt es sich um einen Gewichtgurt, der dem Auftrieb der Lunge entgegenwirkt und eine horizontale Wasserlage ermöglicht.

Tieftauchen mit oder ohne Flossen: Die Apnoisten tauchen möglichst tief. Zur Orientierung darf ein Seil benutzt werden, das Tragen von Gewichten ist erlaubt. Verboten ist das Hoch- und Runterziehen am Seil.

Tieftauchen am Seil: Der Taucher darf sich am Seil hinab- und heraufziehen. Das Tragen von Gewichten ist erlaubt, Flossen sind verboten.

Tieftauchen mit variablem Gewicht: Für den Abstieg wird eine Schlittenkonstruktion verwendet, die den Taucher in die Tiefe zieht und dort zurückgelassen wird. Der Aufstieg erfolgt mit Flossen oder durch Hochhangeln am Seil.

Tieftauchen mit unbegrenztem Gewicht: Hier geht es darum, maximale Tiefen zu erreichen. Der Taucher wird von einem Schlitten mit un­beschränktem Gewicht schnell in die Tiefe gezogen, der Aufstieg erfolgt mit einem Aufstiegsballon ohne körperliche Anstrengung.


Gefährlicher Sport

Wer unter Wasser an seine Grenzen geht, muss Sicherheitsregeln und persönliche Limits beachten, sonst kann ein Tauchgang im schlimmsten Fall tödlich enden. Vor allem bei Anfängern passieren immer mal wieder Tauch­unfälle, aber auch Profis kann es treffen. Die mehrfache Weltrekord­halterin Natalja Moltschanowa zum Beispiel verschwand 2015 bei einem Routine-Tauchgang im Mittelmeer spurlos, der erfahrene Apnoist Nicholas Mevoli war nach seinem Welt­rekordversuch 2013 auf den Bahamas zwar noch aufgetaucht, verstarb aber anschließend offenbar an einer Lungen­verletzung, die er sich in der Tiefe zuge­zogen hatte.

Tauchsportverbände empfehlen, Apnoetauchen nicht auf eigene Faust, sondern immer in einem Kurs zu er­lernen. Hier lernen die Teilnehmer zunächst­ die bewusste Wahrnehmung der Atmung sowie Entspannungs- und Konzentrationstechniken. Dazu kommen theoretische Aspekte zu Tauch­disziplinen, Techniken und Sicherheit. Um Tauchunfällen vorzubeugen, müssen Apnoisten ihre Grenzen kennen­lernen. Gemeinsam mit einem Trainingspartner wird deshalb im Wasser trainiert, einen beginnenden Sauerstoffmangel wahrzunehmen und richtig zu reagieren. Gleichzeitig dienen die Wahrnehmungsübungen bereits dazu, die Apnoeleistung zu steigern und die physiologischen Anpassungsreaktionen zu trainieren. Um in die Tiefe tauchen zu können, müssen außerdem Techniken erlernt werden, mit denen der Druck regelmäßig ausgeglichen werden kann. Ansonsten drohen Verletzungen, zum Beispiel das Zerreißen des Trommelfells.

Check-up notwendig

Apnoetauchen stellt eine enorme Belastung für das Herzkreislaufsystem dar, weshalb bei einigen Grunderkrankungen grundsätzlich vom Ausüben des Sports abgeraten wird (siehe Kasten). Ansonsten ist körperliche Fitness eine wichtige Voraussetzung, um den Einstieg in den Sport zu wagen. Diese muss im Rahmen einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung regelmäßig nachgewiesen werden. Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) rät bei unter 18- und über 40-jährigen zu jährlichen Kontrollen, dazwischen reicht ein Check-up alle drei Jahre aus. /


Ausschlussgründe für das Apnoetauchen laut GTÜM

  • Koronare Herzkrankheit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzmuskelschwäche
  • Gefäß- und Kreislauferkrankungen
  • Nicht eingestellter Bluthochdruck
  • Chronische Atemwegs­erkrankungen, Asthma
  • Verletzungen der Lunge nach Operationen oder Druckverletzungen
  • Diabetes mellitus
  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
  • HNO-Erkrankungen
  • Angststörungen, Depressionen, Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Dauerhafte Medikamenten­einnahme



Beitrag erschienen in Ausgabe 14/2018

 

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