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MEDIZIN UND ERNÄHRUNG

Gewässer

Gefahren beim Baden


Von Judith Schmitz / Im Sommer laden neben Freibädern auch Badegewässer zum Schwimmen und Planschen ein. Badegäste sollten ein Auge auf deren Wasserqualität haben und das Wasser auch selbst so wenig wie möglich verunreinigen.

 

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Rund 2000 offiziell gemeldete Bade­gewässer aus Oberflächenwasser gibt es in Deutschland. Die meisten Bade­stellen liegen an Seen oder an den Küsten von Nord- und Ostsee, ein kleiner Teil an Flüssen. Die Badegewässer gehören zum natürlichen Wasserkreislauf, im Gegensatz zu künstlich angelegten Schwimm- und Badebecken. Das heißt auch, dass Krankheitserreger aus der Umwelt leichter in die natürlichen Gewässer gelangen können.




Foto: iStock/TommL



Wie die Hygiene der Badegewässer überprüft wird, legt die Europäische Badegewässer­richtlinie seit 1976 fest. Sie wurde 2006 novelliert. Die zuständigen Behörden der Bundesländer kontrollieren die Gewässer regelmäßig – während der Badesaison mindestens einmal pro Monat – auf die Indikatorbakterien Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Ihr Nachweis zeigt an, dass das Wasser mit Fäkalien und somit möglichen Krankheitserregern verunreinigt ist.

Die Einteilung der Gewässer erfolgt mittels Perzentilberechnung in »aus­gezeichnet«, »gut«, »ausreichend« und »mangelhaft«. Sie basiert unter anderem auf den Ergebnissen der letzten vier Badesaisonen. Die Bevölkerung muss laut Richtlinie über die Wasserqualität informiert werden, etwa durch europaweit einheitliche Symbole und kurzfristige Verschmutzungs­warnungen an der Badestelle. Die Quali­tät deutscher Badegewässer können Interessierte beim Umweltbundesamt (UBA) unter www.umweltbundes­amt.de/wasserqualitaet-in-badegewaessern abrufen. Dort gibt es auch den Link zu allen Badegewässern in Europa.

Aktuell erfüllen 98 Prozent der deutschen Badegewässer die Qualitäts­anforderungen der EG-Badegewässerrichtlinie. Etwa 91 Prozent wurden mit »ausgezeichnet« bewertet, 0,3 Prozent mit »mangelhaft«. Europaweit hielten im Jahr 2017 96 Prozent der Bade­gewässer die Mindestanforderungen der EU-Badegewässerrichtlinie ein, knapp 85 Prozent erhielten das Prädikat »ausgezeichnet«.

Milliarden Organismen

Egal ob in natürlichen Gewässern oder künstlichen Badebecken, jeder Badende sondert beim Aufenthalt im Wasser rund 2 Milliarden Mikroorganismen ab. Sie stammen insbesondere von der Haut, gelangen aber auch von Haaren, Textilfasern, Kosmetika, Sonnenschutzmitteln, Speichel, Schweiß, Urin sowie aus dem Mund-, Nasenrachen- und Analbereich ins Wasser. Meist handelt­ es sich dabei um harmlose Bakte­rien, doch einige der Mikro­organismen können­ abhängig von der Infektions­dosis den Menschen krank machen. Laut UBA liegt die Infektionsschwelle für einen gesunden Erwachsenen zum Beispiel bei 100 000 bis 10 Millionen Salmonellen, 10 bis 200 Shigellen, ein bis zehn Rotaviren, ein bis hundert Krypto­sporidien und Giardien und ein bis zehn Hepatitis-A-Viren.


Hinweise auf verschmutzte Badegewässer

  • sichtbare Einleitungen von Regen- oder Abwasser
  • landwirtschaftliche Nutzung (Gülleausbringung, Viehhaltung) in direkter Nähe
  • viele Wasservögel auf dem Wasser
  • Entenfutterstellen, Verschmutzungen mit Vogel- oder Hundekot am Ufer
  • grün-blaue Trübung (Cyanobakterien)


In künstlich angelegten Badebecken ist die Wassermenge in der Regel ge­ringer und die Badegastdichte viel höher­ als in Badegewässern. Ver­un­reinigungen und Mikroorganismen müssen daher ständig entfernt werden, um hygienisch einwandfreies Bade­wasser zu erhalten. Dies geschieht durch eine technische Aufbereitung mit Desinfektion oder im Naturfreibad durch biologische Reinigung des Badewassers in einem Zusammenspiel aus Pflanzen und Organismen. Laut UBA bewirkt die Desinfektion des Wassers, dass von den Krankheits%shy;erregern, die ein Badegast ins Wasser abgibt, nach einer halben Minute nur noch einer von 10 000 infektiös ist.

In Badegewässern gibt es diese Art der Desinfektion nicht. Hier besteht vor allem die Gefahr, an Magen-Darm-Infek­tionen zu erkranken, wenn durch Fäkalien Krankheitserreger in das Gewässer gelangen, etwa über Abwasser (Kläranlagen entfernen die Krankheits­erreger aus menschlichen Fäkalien nur zum Teil), Regenwasser­überläufe nach Starkregenfällen oder Abschwemmungen aus landwirtschaftlichen Flächen. Denn neben den Badenden können auch Vögel zu fäkalen Ver­unreinigungen beitragen. In heißen Sommern­ sind in Brackwasser wie der relativ salzarmen Ostsee in seltenen Fällen auch schwere Wundinfektionen oder gar eine Sepsis durch das Bakterium Vibrio vulnificus möglich. Ist die Keimbelastung etwa in einem Badesee zu hoch, werden Gegenmaßnahmen ergriffen, beispielsweise werden die Badegäste informiert oder es wird ein Badeverbot ausgesprochen. Die Ur­sachen werden dann soweit möglich bekämpft.

Grün-blau getrübt

Gewässer mit einem hohen Nährstoffgehalt, zu dem etwa auch Stick­stoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft beitragen können, ermög­lichen es Cyanobakterien (früher: Blaualgen), sich massenhaft zu ver­mehren. Das Wasser sieht dann oft grün aus. Eini­ge Cyanobakterienarten produzieren für den Menschen giftige Cyano­toxine. Wird Wasser mit einer hohen Cyanotoxin-Konzentration verschluckt oder gelangt es in die Atemwege, können die Toxine Übelkeit, Durchfall oder Entzündungen von Hals, Augen­ und Ohren auslösen. In der Folge­ sind Magen-Darm-Entzündungen, Atemwegs­erkrankungen und aller­gische Reaktionen möglich; bei Kindern besteht Lebensgefahr, wenn sie viel Wasser verschluckt haben. Aber auch Wasserskifahrer, Windsurfer, Taucher­ und Segler haben ein höheres Risiko, die Toxine aufzunehmen.




Wer den Sprung ins kühle Nass wagt, sollte sich zuvor mit dem Gewässer vetraut machen und mögliche Gefahren beachten.

Foto: iStock/TommL


Die meisten Cyanobakterien sammeln sich im Flachwasser an. Das UBA empfiehlt Badegästen, sich vor dem Baden über die jeweiligen kontrollierten Badestellen zu informieren und Bade­verbote zu beachten. Wer knietief im Wasser steht und die Füße wegen einer grün-blauen Trübung nicht sieht, verzichtet besser auf das Baden. Eltern sollten insbesondere die flachen Bereiche auf solche trüben Stellen absuchen, da Kinder beim Toben oftmals Wasser verschlucken. Wer aus dem Wasser kommt, sollte­ sich und seine Badesachen ab­duschen. Reste von Cyano­bakterien werden so weggespült und spätere Hautreizungen vermieden. Treten nach dem Baden Beschwerden auf, sollte man einen Arzt aufsuchen und das Gesundheitsamt informieren.

Dermatitis durch Wurmeier

Auch Zerkarien können Beschwerden auslösen. Die winzigen Larven von Saugwürmern kommen gelegentlich in deutschen Badegewässern vor, insbesondere dort, wo sich viele Wasser­vögel aufhalten. Die Wurmeier ge­langen über Vogelkot ins Wasser, wo sie im Uferbereich lebende Schnecken­ als Zwischenwirt infizieren. In der Schnecke vermehren sich die Zerkarien zahlreich und schwärmen bei lang anhaltendem Sommerwetter mit Wassertemperaturen über 20° C aus, um ihren Endwirt, Enten und andere Wasservögel, zu suchen. Dabei bohren­ sie sich manchmal irrtümlicherweise auch in Menschenhaut.

Dort sterben sie zwar kurze Zeit später ab, können aber eine sogenannte Zerkariendermatitis (Badedermatitis) auslösen. Bei Erstkontakt entstehen kleine rote Pusteln, bei mehrmaligem Kontakt größere­ juckende, ein bis zwei Wochen anhaltende Quaddeln. Vorsichtshalber sollten Badende sich nicht längere Zeit in flachen Uferbereichen mit Pflanzen aufhalten, die Kleidung nach dem Baden wechseln und sich kräftig mit einem Handtuch abtrocknen. Betroffene sollten bei entsprechenden Symptomen die zuständige Überwachungs­behörde des Gewässers informieren, die dann gegebenenfalls ein Bade­verbot verhängt.


So kann jeder zu einer guten Wasserqualität beitragen

  • Cremes oder Lotionen nicht unmittelbar vor dem Baden auf­tragen. Wasserfeste Produkte verwenden. Optimal ist eine vollständige Körperreinigung mit Seife vor dem Schwimmen. Cremes, Harnstoff und Mikro­organismen können so von der Haut gewaschen werden.
  • Abfall gehört in den Mülleimer, nicht ans Ufer oder ins Wasser.
  • Badegäste benutzen eine Toilette.
  • Keine Fische, Enten oder andere Vögel füttern. Fischfutter und Fäka­lien der Vögel begünstigen das Blaualgenwachstum.


Badegewässer können auch antibiotikaresistente Bakterien enthalten. Das UBA teilt jedoch mit, dass ein Kontakt mit diesen Bakterien beim Schwimmen in Badegewässern mit aus­gezeichneter oder guter Qualität unwahr­scheinlich ist, da die fäkale Belastung dort ins­gesamt niedrig ist. Zudem führen antibiotikaresistente Bakterien nicht häufiger zu Infektionen als nicht antibiotikaresistente Krankheitserreger, entsprechende Infek­tionen sind aber schwie­riger zu behandeln. Forscher untersuchen derzeit­, welche Rolle der Weg über die Umwelt bei der Entstehung und Verbreit­ung antibiotika­resistenter Krankheitserreger spielt im Vergleich zur Entstehung und Verbreitung in Klinik oder Tier­haltung und der Übertragung durch direkten Kontakt oder Lebensmittel.

Vielfältige Maßnahmen haben die Wasserqualität in deutschen Seen und Flüssen in den vergangenen Jahren verbessert. Nach Angaben des UBA sind viele Gewässer hierzulande aber auch heute noch »weit von einem guten ökologischen Zustand entfernt«. Der ökologische Zustand meint gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie die Gewässerqualität unter Prüfung der Zusammensetzung und Qualität der Lebensgemeinschaft im Wasser, Eigen­schaften wie Wasserhaushalt, Strömung, Tiefe und Beschaffenheit des Gewässerbetts, der national re­levanten chemischen Schadstoffe und der physikalisch-chemischen Komponenten wie Nährstoffverfügbarkeit, Sauerstoffhaushalt, Salzgehalt und Temperatur.

Unfallgefahr

Trotz eventueller Keimbelastung: Die größten Risiken für Badegäste sind Badeunfälle, von leichteren Schnitt­verletzungen und Schürfwunden bis hin zum Ertrinken. Unfälle passieren, wenn etwa das eigene Leistungs­vermögen überschätzt, in zu flaches Wasser gesprungen oder alkoholisiert oder bei Gewitter ge­badet wird. Hinzu kommen Gefahren durch Strömungen und Schifffahrt. Wie das UBA mitteilt, sind Unfälle an bewachten Badestellen jedoch selten­. Das Amt empfiehlt Badegästen, die Baderegeln der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesell­schaft zu beachten (siehe Kasten­). Eltern­ sollten ihre Kinder immer im Auge behal­ten. /


Baderegeln

  • Sich mit den Regeln zur Selbst­hilfe im Wasser für unerwartete Situationen vertraut machen (Krampf, Strudel, Strömungen)
  • Nicht mit vollem oder leerem Magen baden
  • Sich abkühlen, bevor man ins Wasser geht und das Wasser verlassen, wenn man friert
  • Nichtschwimmer sollten nur bis zur Brust ins Wasser gehen
  • Nur ins Wasser springen, wenn es tief genug und frei ist
  • Sumpfige und pflanzendurchwachsene Gewässer meiden
  • Brückenpfeiler, Schifffahrts­wege, Schleusen und Wehre sind keine Schwimm- und Badezonen
  • Bei Gewitter nicht ins Wasser gehen: Lebensgefahr
  • Kraft und Können im Wasser nicht überschätzen
  • Badesachen nach dem Baden ausziehen und sich abtrocknen
  • Zu intensive Sonnenbäder meiden
  • Nicht um Hilfe rufen, wenn man nicht in Gefahr ist. Anderen helfen, wenn sie Hilfe benötigen, etwa Retter alarmieren



Beitrag erschienen in Ausgabe 14/2018

 

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