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ARZNEIMITTELTHERAPIE

Bindehautentzündung

Mit besonderer Vorsicht


Von Isabel Weinert / Eine Selbstmedikation am Auge ist streng reglementiert, auch wenn alles auf eine banale Bindehaut­entzündung hinzudeuten scheint. Weiß man nicht um die Ursache der Beschwerden oder bestehen zusätzlich Schmerzen, Gesichtsfeldausfälle oder Ähnliches, muss der Patient zum Augenarzt.

 

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Brennen, Jucken, Kratzen, Sandkorngefühl, ein gerötetes Augenweiß und dazu vor allem morgens verklebte ­Lider – so äußert sich eine Entzündung der Bindehaut. Diese schleimhaltige Schicht bedeckt den vorderen Teil des Augapfels und die Innenseite der Lider. Sie bildet die Schleimschicht im Tränenfilm und übernimmt Aufgaben der Immunabwehr.




Foto: Shutterstock/offstocker


Virale und bakterielle Infektionen, äußere Reize, das »Trockene Auge« und Allergien kommen als häufige Auslöser infrage. Allerdings zeigen sich auch schwerwiegende Augenerkrankungen wie eine Entzündung der Leder-, Horn- oder Regenbogenhaut, ein Glaukomanfall, ein Fremdkörper im Auge sowie ­Erkrankungen der Augenmuskulatur unter anderem mit der Symptomatik einer Konjunktivitis. Beim kleinsten Zweifel vonseiten der PTA beziehungsweise, wenn der Patient die Symptomatik nicht schon häufiger hatte und die Ursache sicher beim Augenarzt abgeklärt wurde, ist eine Konjunktivitis kein Thema für die Selbstmedikation. Häufig verursachen Viren eine Bindehautentzündung. Andere Menschen können sich dann leicht daran anstecken. Adenoviren lösen die sogenannte Augengrippe aus, die hoch ansteckend ist. Neben Viren spielen Bakterien als Erreger eine Rolle bei Bindehautentzündungen. Entweder satteln sie sich auf die bestehende virale Entzündung auf oder sie sind die alleinigen Auslöser. Auch bakterielle Infektionen der Bindehaut sind ansteckend. Hier kann der Augenarzt jedoch antibiotische Augentropfen verschreiben, zum Beispiel Ciloxan® Augentropfen (Ciprofloxacin), Floxal® (Ofloxacin) in verschiedenen Zubereitungen, Refobacin® Augentropfen (Gentamicin) oder Kanamycin-POS®, ebenfalls in verschiedenen Zubereitungen. Häufig geschieht das auch bei viraler Genese, um eine Superinfektion mit Bakterien möglichst zu verhindern.

Betroffene müssen ihre Mitmenschen in jedem Fall vor Ansteckung schützen. Besonders geht es hierbei darum, eine Schmierinfektion zu vermeiden. Bakterien und Viren gelangen leicht von ­Gegenständen über die Hände noch nicht Betroffener in deren Augen. Auf Türklinken, Haltegriffen, Gegenständen, an die das Auge nahe herankommt wie Kameras, aber auch auf Taschentüchern überleben die Keime und haben leichtes Spiel. Die wichtigste Maßnahme besteht im Händewaschen. Darüber hinaus müssen Waschlappen und Handtücher des Infizierten von denen der gesunden Personen im Haushalt getrennt aufbewahrt werden. Augentropfen oder -salbe darf niemals mehr als eine Person benutzen. Die Tropfvorrichtung beziehungsweise Tülle sollte das kranke Auge möglichst nicht berühren.

Bei viralen, oberflächlichen Infektionen mit Herpes simplex kann der Arzt Augensalben verordnen, die Aciclovir (Virupos®, Acic-Ophtal®) oder Ganciclovir enthalten (Virgan® Augengel).

Weißmacher nicht auf Dauer

Bei einer unspezifischen Bindehautreizung liegen die Ursachen in äußeren Reizen wie Rauch, Staub, Zugluft oder Höhensonne. Aber auch bei Schlafmangel kann die Bindehaut ­gereizt reagieren, ebenso beim trockenen Auge. Daneben reizen zu lange getragene und/oder verschmutzte Kontaktlinsen die Bindehaut, aber auch falsche Brillengläser oder eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit.




Beim Trockenen Auge, einer häufigen Ursache für Bindehautreizung, stimmt die Zusammensetzung der Komponenten der Tränenflüssigkeit nicht mehr.


Häufig kommen Tropfen mit Tetryzolin (zum Beispiel in Berberil® N Augentropfen oder in Visine® Yxin Augentropfen) zum Einsatz. Sie beseitigen die Rötung und mindern Augenreizungen. Lässt ihre Wirkung nach, reagiert die Bindehaut auf die medikamentöse Mangeldurchblutung jedoch mit einer vermehrten Durchblutung. Das führt oft dazu, dass Patienten die Tropfen häufiger anwenden und sogar die Dosis steigern. Auf Dauer (Anwendung länger als fünf Tage) trocknet das Auge aus, und die Bindehaut entzündet sich chronisch und verhornt.

Vor Abgabe von Augentropfen mit abschwellenden Wirkstoffen ist es deshalb notwendig, mögliche Auslöser der Bindehautentzündung zu erfragen und dann an der Ursache anzusetzen.

Sehr oft lautet die auch vom ­Augenarzt bestätigte Ursache für Binde­hautreizungen »trockenes Auge«. Meist bevorzugt ein Patient ein bestimmtes Produkt, nachdem er verschiedene ausprobiert hat. Dabei hilft es ihm zu wissen, dass sich die Präparate in Inhaltsstoffen, aber auch in Viskosität und Vorhandensein von Konservierungsstoffen unterscheiden. Für Träger von Kontaktlinsen ­eignen sich nur künstliche Tränen ohne Konservierungsstoffe, weil diese sich in die Linsen einlagern können. Für die Dauer der akuten Bindehautentzündung sollten Kontaktlinsen­träger aber am besten auf eine Brille umsteigen.

Gerade im Frühjahr häufen sich die Fälle allergischer Konjunktividen. Ist dem Patienten bereits aus den Vorjahren bekannt, dass er im Frühjahr unter allergischer Bindehautentzündung leidet, ist eine Selbstmedikation möglich. Vorbeugend helfen Mastzellstabilisatoren wie Vividrin® antiallergische Augentropfen, Cromo-Stulln® UD oder Allergo-Comod® ­Augentropfen. Sie brauchen etwa 14 Tage bis sie ihre volle Wirksamkeit entfaltet haben. Im Akutfall sorgen Augentropfen mit Antihistaminika, zum Beispiel Livocab®-Augentropfen, Allergodil®-Augentropfen oder Allergo-Vision® sine, für rasche Linderung der Beschwerden. Sie lassen sich zum Teil mit den entsprechenden Nasentropfen kombinieren. Vielen Allergikern reicht dieses Doppel, um die ­al­lergischen Reaktionen ausreichend in den Griff zu bekommen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2018

 

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