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BERATUNGSPRAXIS

Gesunde Füße

Mit Bedacht vorgehen


Von Ulrike Viegener / Hühneraugen und andere Verhornungen an den Füßen sind meist ein Zeichen, dass mit dem Schuhwerk etwas nicht stimmt. Zwar lassen sich die Beschwerden mit Tinkturen, Pflastern und Polstern lindern, auf Dauer jedoch führt jedoch am bequemen oder orthopädischen Schuh kein Weg vorbei.

 

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Füße haben einiges auszuhalten und werden trotzdem oft sträflich vernachlässigt. In enge und hochhackige Schuhe gezwängt, bleibt ihnen kaum Luft zum Atmen. Zudem lastet auf ihnen häufig ein Körpergewicht, für das sie nicht ausgelegt sind. Da ist es kein Wunder, dass viele Menschen unter Fußproblemen leiden: Diese reichen von schmerzhaften Druckstellen und Hühneraugen bis hin zu Fußfehlstellungen wie Hallux Valgus und Krallenzeh. Wenn die Füße schmerzen und nicht richtig belastbar sind, kann dies zudem bis in höhere Etagen – sprich Knie, Hüfte und Rücken – ausstrahlen.




Foto: Shutterstock/Annette Shaff



Falsches Schuhwerk stellt das Hauptproblem dar. Den Füßen bekäme es am besten, der Mensch würde den ganzen Tag barfuß laufen. Stattdessen stecken sie in Schuhen, bei deren Auswahl häufig Modebewusstsein regiert. Wenn es im Laden drückt und zwickt, heißt es: Das läuft sich schon ein. Aber das stimmt in aller Regel nicht. Schuhe, die schon bei der ersten Anprobe nicht sitzen, sind falsche Schuhe.

Laut Deutschem Schuhinstitut tragen 80 Prozent aller Deutschen Schuhe, die nicht richtig passen. Passgerecht ist ein Schuh dann, wenn er den Füßen Halt gibt, ihnen aber andererseits genügend Bewegungsfreiheit lässt. Die Ferse sollte fest umschlossen sein, vorne dagegen braucht der Fuß ausreichend Weite. Darüber hinaus hilft ein gutes Fußbett, um ein physiologisches Abrollen zu unterstützen. Und schließlich sollten – um Reibereien zu vermeiden – die außen und innen verwendeten Materialien geschmeidig sein und keine störenden Nähte aufweisen.

Wenn jemand wegen Fußproblemen in die Apotheke kommt, gehört die Aufklärung über die Bedeutung passgerechter Schuhe unbedingt mit zum Beratungsgespräch. Dabei empfiehlt es sich, besonders Frauen ge­genüber Verständnis für modische ­Ansprüche zu signalisieren und Kompromisslösungen aufzuzeigen. Schuhe, die im Alltag über lange Strecken getragen werden, sollten die genannten Kriterien erfüllen. Und zu besonderen Anlässen dürfen es dann auch ruhig mal die schicken spitzen mit den hohen Absätzen sein.

Wer sich keine rezidivierenden oder gar chronischen Fußprobleme einhandeln will, muss sich entscheiden. Das ist die Botschaft.

Falsch gewichtet

Hornhautschwielen, Hühneraugen, Blasen und langfristig sogar Fußdeformationen sind der Preis für falsches Schuhwerk. Hühneraugen (Clavus) machen sich besonders unangenehm bemerk­bar, da sich der tief in die Haut hinein­ragende spitze Hornhautkegel bei jedem Schritt schmerzhaft in das umliegende Gewebe bohrt. Sie manifestieren sich vor allem an Fußaußenseite und Fußsohle. Zunächst entsteht durch Druck oder Reibung eine oberflächliche Hornschwiele, später dann dehnt sich die Hyperkeratose dornförmig in die Tiefe aus.

Es gibt aber auch weiche Hühneraugen (Clavus mollis), mit einem flachen weichen Kern. Sie bilden sich bevorzugt an Zehen, die über einen längeren Zeitraum hinweg mechanischem Druck ausgesetzt sind. Sitzt das Hühnerauge über einem Zehengelenk, kann es verwachsen und so eine Entzündung im Bereich der Gelenkkapsel induzieren.




Foto: Shutterstock/Sashkin


Meist ist ein vielgetragener, zu enger Schuh für die Clavus-Bildung verantwortlich. Auch hochhackige Schuhe begünstigen Hühneraugen, weil das ganze Gewicht auf dem Vorfuß lastet. Dicke Strumpfnähte können ebenfalls ein Hühnerauge provozieren. Besonders häufig entwickeln sich Hühneraugen bei Fußdeformationen wie Krallen­zehen, denen der Schuh nicht genügend Raum bietet.

Entlastung plus Salicylsäure

Spätestens wenn sich ein Hühnerauge gebildet hat, sollte man unbedingt auf bequeme Schuhe umsteigen. Denn bleibt die Ursache bestehen, sind Rezidive programmiert. Bei Fußfehlstellungen wie Krallenzehen empfiehlt es sich, die Problemstelle nach erfolgreicher Behandlung des Hühnerauges abzupuffern. Durch einen schlauchförmigen Zehenschutz mit rundem Gelkissen (zum Beispiel PediSoft® TexLine) oder schlauchförmige Silikonpolster wie PediSoft® Silikon lässt sich gezielt Druck von belasteten Zehen nehmen.

Vor allem bei wenig verhornten und oberflächlichen Hühneraugen bestehen gute Chancen für eine erfolgreiche Selbstbehandlung. Starken, tiefgehenden Verhornungen allerdings kommt man mit topischen Keratolytika nicht bei – da muss dann ein Arzt oder ein medizinischer Fußpfleger ran. Außerdem gilt es, vor einer Selbstmedikation sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um ein Hühnerauge und nicht etwa um eine Warze handelt. Warzen, die sich ebenfalls gerne an mechanisch stark beanspruchten Stellen entwickeln, sehen für einen Laien oft ähnlich aus wie ein Hühnerauge, ein Profi jedoch erkennt den Unterschied sofort.

Die beliebteste Methode, um Hühneraugen zu beseitigen, sind Hühneraugenpflaster. Getränkt mit einem Kera­tolytikum, weichen sie die Hornhaut auf, so dass sie sich anschließend leichter abtragen lässt. Am häufigsten kommt Salicylsäure zum Einsatz. Neben Hühneraugenpflastern wie Gehwol® oder Lebewohl® gibt es auch Tinkturen. W-Tropfen® zum Beispiel enthalten als Wirkstoffe Salicylsäure und Milchsäure. Ein Kontakt gesunder Haut mit Keratolytika ist möglichst zu vermeiden, das sollten Anwender wissen. Unter dem Fuß dürfen Hühneraugenpflaster gar nicht benutzt werden, da die Gefahr besteht, dass die Pflaster in dünnhäutige Bereiche verrutschen und dort Läsionen hervorrufen.

Keine chirurgischen Selbstversuche

Vor chirurgischen Selbstversuchen jeglicher Art müssen PTA nachdrücklich warnen. Manipulationen mit Nagelscheren oder Küchenmessern, wie sie bei Hühneraugen gar nicht selten vorkommen, sind gefährlich: Sie sind mit einer hohen Verletzungsgefahr verbunden und bergen zudem das Risiko von Infektionen, die bis hin zu einer Blutvergiftung eskalieren können.

Auch bei Hornschwielen (Kallus) haben verletzungsträchtige Instrumente nichts verloren. Das gilt ebenso für scharfkantige Hobel und Raspeln, die speziell für diesen Zweck angeboten werden. Schonend lassen sich verhornte Hautschichten mit einem Bimsstein abtragen, wobei nur die regelmäßige Anwendung zum Erfolg führt. Bei stärkerer Verhornung empfiehlt sich vorher ein warmes Fußbad, um die Hornhaut aufzuweichen. Badezusätze wie Allgäuer Latschenkiefer® Hornhaut Reduzierer Fußpflegebad beschleunigen den Effekt, aber ein guter Schuss Obstessig (250 ml für ein Fußbad) hilft auch. Nach dem Fußbad trägt man die Verhornung vorsichtig mit dem Bimsstein ab. Dabei darf man nicht zu radikal vorgehen, weil die Hornhaut eine Schutzfunktion besitzt. Zur Hornhaut-Prophylaxe werden diver­se Produkte unterschiedlicher Zusammensetzung (zum Beispiel Allgäuer Latschenkiefer® oder frei® Hornhaut Reduziercreme) angeboten, die neben Keratolytika auch hautpflegende Substanzen enthalten.

Feuchtklima fördert Blasenheilung

Blasen entstehen ebenfalls infolge des Drucks falscher Schuhe. Obere und untere Hautschichten reiben und verschieben sich gegeneinander. Der entstehende Hohlraum füllt sich mit Gewebsflüssigkeit. Geschlossene Blasen sollten möglichst nicht eröffnet und Hautfetzen offener Blasen nicht beseitigt werden, denn jede Manipulation erhöht die Infektionsgefahr. Vor der Versorgung mit einem Pflaster empfiehlt es sich, die Blase mit einem Spray wie etwa Octenisept® zu desinfizieren. Anschließend bringt man am besten ein spezielles Blasenpflaster auf, etwa Compeed® oder Hansaplast® Blasenpflaster. Das polstert gut ab und erzeugt ein heilungsförderndes Feuchtklima.




Barfuß laufen tut den Füßen gut. Doch natürlicher Untergrund wie Wiesen oder Waldboden ist hartem Boden vorzuziehen.

Foto: Shutterstock/fizkes


Wohltaten für strapazierte Füße

Um Fußproblemen vorzubeugen, kommt – abgesehen von passendem Schuhwerk – der regelmäßigen Fußpflege entscheidende Bedeutung zu. Dazu gehört, die Füße täglich einzucremen, bei trockener Haut am besten mit Urea-haltigen Produkten. Strapazierten Füßen tut ein belebendes Fußbad gut wie efasit® revitalisierendes Urea Fußbad, Gehwohl® Fußbad mit balsamischen Kräuterölen, Allgäuer Latschenkiefer® Sole Fußbad. Kalt-warme Wechselduschen regen die Durchblutung an und helfen ebenfalls, müde Beine wieder munter zu machen. Fußübungen, die Muskeln und Sehnen kräftigen und elastisch halten, empfehlen sich zusätzlich. Dabei handelt es sich um ganz einfache Übungen, die sich selbst »auf der Arbeit« leicht durchführen lassen. Für einen optimalen Effekt spielt Regelmäßigkeit eine wichtige Rolle. Barfußlaufen trainiert die Sensibilität der Füße. Am besten beim Nachhausekommen gleich die Schuhe ausziehen und wann immer möglich in der freien Natur barfuß eine Runde drehen, vorzugsweise auf einer Wiese im taufrischen Gras. /


Bei Diabetes aufgepasst

Besonders pfleglich müssen Diabetikerfüße behandelt werden. Deshalb gehört die Frage nach einem bestehenden Diabetes dazu, bevor Präparate zur Selbstmedikation von Fußproblemen abgegeben werden. Die Behandlung von Verhornungen sollten Diabetiker ebenso wie das Schneiden der Nägel einem medizinischen Fußpfleger überlassen. Das gilt umso mehr, wenn Beweglichkeit oder Sehfähigkeit eingeschränkt sind. Aus kleinsten Verletzungen können beim Diabe­tiker nämlich leicht große, infizierte Wunden entstehen, die schwer oder gar nicht mehr heilen. Dabei spielen Wundheilungs- und Durchblutungsstörungen ebenso eine Rolle wie periphere Nerven­schäden, die die Wahrnehmung von Verletzungen verhindern.



Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2018

 

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